Bergauf, bergab (2008)
Bergauf, bergab (2008)
Oder: I like to move it, move it
Familie Kempf zieht häufig um und tut das sogar gern. Vater Max ist nämlich Bergbauer und betreibt seine Landwirtschaft auf drei verschiedenen Höhenlagen (Pfaffen auf 1725, Bieler auf 1130 und Buchen auf 560 Metern über Meer), die je nach Jahreszeit genutzt werden. Zusammen mit seiner Frau, zwei Kindern, den Grosseltern und seiner Schwester hält er den Familienbetrieb am Leben, baut sogar eigenhändig einen neuen Stall, auch ohne staatliche Subventionen.
Hans Haldimanns Film ist eine Dokumentation über ein Jahr im prall mit Arbeit gefüllten Leben einer Bauernfamilie.
Kinofilm-Rating
Hauptsache, man ist gesund und kann arbeiten, ist das Motto von Bauernmutter Monika Kempf und auch der Hauptinhalt des Films. Wie Maultiere schuftet man von früh bis spät, nimmt jeden Tag, wie er kommt und denkt nicht an morgen. Die finanzielle Situation wird verdrängt und Zukunftsperspektiven werden nicht diskutiert, weder für die Kinder noch für sich selbst. Man lebt in einer kleinen, abgeschiedenen und typischen Bauernwelt. Vielleicht gar zu sorglos in der heutigen Gesellschaft und Wirtschaftsbeschaffenheit. Der Releasezeitpunkt ist gut gewählt, wenn man an all die Milchpreisdiskussionen und Streiks denkt, die im Gange sind.
Die strenge Arbeit macht müde, aber dies ist den Kempfs egal, sie sind sogar froh, denn dann können sie am Abend wenigstens gut schlafen. Es verwundert dann aber auch nicht, dass die 31-Jährige und ihr 33-jähriger Mann eher aussehen wie 40 statt ihrem wahren Alter angemessen. Das raue Leben hat halt seine Folgen. Auch muss man auf vieles verzichten, denn die Zeit, die man auf 1725 Metern über Meer verbringt, kann man praktisch nur mit Fernsehen und Herumtollen im Schnee rumkriegen. Was hier für viele nach einer Woche abgeschiedenem Entspannungsurlaub tönt, ist für die Kempfs ein Drittel vom Jahr einzige Realität.
Abgesehen von dieser Existenz, die bestimmt viele als zu langweilig und monoton abstempeln würden, weist die Doku technische Defizite auf. Kein roter Faden, keine erklärenden Kommentare führen durch den Film, was die Sache zu einer ungebündelten Sammlung von Eindrücken macht, nicht aber zu einer abgerundeten Beobachtung. Untertitel hätten auch nicht geschadet, denn trotz einwandfreier Schweizerdeutschkenntnisse könnte der eine oder andere Mühe haben, den urchigen Dialekt zu verstehen. Einzelne Aussagen wiederholen sich bis zu dreimal ohne etwas Neues zu offenbaren und in der 100. Aufnahme bauert der Bauer immer noch und die Frau steht immer noch am Küchenherd.
Schade auch, dass die Kinder ungehobelt wirken und eher einen geistig langsamen Eindruck hinterlassen. Dies fördert bloss einmal mehr das Klischee von den manierenlosen und dummen Bauern. Auch lässt man den Nachwuchs gerne mal mit gefährlichen Gegenständen in der Hand zurück, beispielsweise Messern, oder in Situationen, wo schneller was schief gehen könnte als man blinzeln kann. Freie Erziehung ist ja schön und gut, aber es sollte alles Grenzen haben. Das Gleiche gilt für diesen Film, eine halbe Stunde weniger hätte vermutlich mehr als ein halbes Sternchen mehr bedeutet.
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3.7 Sterne (13 Bewertungen) | 5 Kommentare


