Ballast (2008)
Ballast (2008)
Oder: Die Vereinigten Staaten der Trostlosigkeit
Der stille Lawrence (Micheal J. Smith Sr.) wohnt zusammen mit seinem Zwillingsbruder in einem Haus, inmitten des Mississippi-Deltas. Sein Bruder hat die Trennung von seiner Frau Marlee (Tarra Riggs) nie verkraftet und beendet sein Leben mit einer Überdosis Schlaftabletten. Lawrence findet ihn und begeht in seiner psychischen Ohnmacht ebenfalls einen Suizidversuch, kann aber vom Nachbar gerettet werden.
Einige Wochen später ist Lawrence zurück im nun leeren Haus und lebt ein Leben bar jeder Perspektive. Weder den Shop seines Bruders will er weiter führen, noch sonst mit irgendeinem Menschen etwas zu tun haben.
Marlee wohnt auf der anderen Seite des Flusses mit ihrem zwölfjährigen Sohn James (JimMyron Ross). Sie arbeitet hart, um sich und ihren Sohn einigermassen durchzubringen. Zu Hause ist sie kaum. James dagegen weiss nicht, was er mit der Zeit anfangen soll. Im Bestreben Anschluss zu finden trifft er sich mit älteren Jugendlichen, die ihn jedoch als Drogenlieferer ausnützen und ihn erpressen wollen. Marlee erfährt davon. Ein Anschlag auf sie und James zwingt sie zum Handeln: Zusammen ziehen sie ins Haus neben Lawrence. Für beide ist es eine widerwillige Entscheidung, denn das Verhältnis zu ihm ist zerrüttet. Als Marlee ihren Job verliert, hat sie aber keine andere Wahl, als Lawrence zu fragen, ob sie den Shop ihres Ex-Mannes weiterführen kann.
Kinofilm-Rating
Ballast heisst uns willkommen in den Vereinigten Staaten der Trostlosigkeit. Wir kommen an im Winter, sehen karge Einöde, eine Weitläufigkeit, die nirgendwo enden will. Menschen reden hier weniger, lachen weniger, lachen eigentlich überhaupt nicht. Es scheint so, als hätte die grosse Depression an diesem Ort 80 weitere Jahre überdauert.
Lance Hammer hat mit seiner ersten Regiearbeit ein dogmatisches Werk geschaffen. Fast jeglicher Form von künstlerischer Ästhetik versperrt er seinem Film. Einen Soundtrack gibt es überhaupt nicht, die Schauspieler sind Laien, die noch nie irgendwas gespielt haben. Womöglich spielen, nein, sind sie gar sich selbst. Sie verdrängen die Fiktion vollends. Radikaler an der Realität scheint nur noch ein Dokumentarfilm zu sein.
Ballast ist in seiner Machart ein ziemlich einzigartiges Werk geworden. Er beinhaltet die Eindringlichkeit von Larry Clarks Kids und die Spontanität von Jim Jarmuschs Permanent Vacation, setzt sich aber schon durch den von der Stadt aufs Land verschobene Hintergrund von diesen Referenzen ab. Ein einnehmender, imposanter Film, und zugleich eine Studie, die die gesellschaftlichen Engpässe der USA schonungslos aufzeigt.
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