Babylon A.D. (2008)
Babylon A.D. (2008)
Oder: Ein Paket mit Überraschungen
Wir befinden uns in einer fernen, düsteren Zukunft, irgendwo im wilden Osteuropa. Die einst stabile Region ist schon lange im Chaos versunken: Armut, Schmutz und Tod bestimmen den Alltag der Menschen. Wegen ständigem Kriegszustand reihen sich hier zerbombte Häuserruinen aneinander, und anstatt Lebensmittel, werden an jeder Strassenecke Waffen verkauft. Was einigen wohl eher wie ein Alptraum vorkommt, ist das Zuhause für den wortkargen Söldner Toorop (Vin Diesel), der seit Jahren gegen ein angemessenes Honorar alle möglichen Aufträge erfüllt. Er ist jedoch trotz allem ein Mann mit Prinzipien geblieben. Über die Jahre hat er zwar die Wörter Moral, Mitleid und Skrupel verlernt, doch er hat immer noch seine Ehre und sein Wort. Dies wird ihm auch zum nächsten Auftrag verhelfen.
Der schwerreiche Mafia-Boss Gorsky (Gérard Depardieu) lässt Toorop nämlich aus dem Loch, das er sein Zuhause nennt, abführen und macht ihm ein Angebot, das er einfach nicht ausschlagen kann: Er soll ein junges Mädchen von ihrem jetztigen Aufenthaltsort in Osteuropa über die Grenze nach New York schmuggeln und dort heil abliefern. Als Gegenleistung erhält Toorop einen neuen Anfang und kann sich mit einer neuen Identität zur Ruhe setzen. Toorop nimmt den Auftrag an und wird von Gorskys Männer gleich zum Aufenthaltsort des Mädchens geflogen. Dort stellt er aber fest, dass dieses nicht alleine unterwegs ist. Die Nonne Rebecca (Michelle Yeoh) weicht nicht von der Seite des Mädchens. Das wird jedoch nicht die letzte Überraschung auf der Reise nach Amerika sein, denn das Mädchen, Aurora (Melanie Thierry) genannt, trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das mehrere Parteien unbedingt wollen...
Kinofilm-Rating
Als Vin Diesel damals mit Pitch Black in den Kinos seinen ersten grossen Hit landete, wurde er als die grosse Action Hoffnung gehandelt. Endlich ein junger Schauspieler, der in die grossen Fussstapfen von Arnold Schwarzenegger und der alten Actiongarde treten kann. Leider war dem nicht so: Nach xXx und Chronicles of Riddick wurde es still um den Muskelprotz, und nach einigen fragwürdigen Filmen ist er jetzt endlich wieder da, wo er hingehört: Als wortkarger Söldner im Actiongenre. Babylon A.D. entstand unter der Regie von Gothika-Regisseur Mathieu Kassovitz und basiert lose auf dem 600-Seiten-Roman "Babylon Babies" von Maurice G. Dantec. Natürlich konnten so viele Seiten nicht in eine Spielzeit von hundert Minuten gequetscht werden, weshalb Kassovitz schon im Voraus viel herausstreichen und eigenes Material dazuschreiben musste. Das Resultat kann in einigen Aspekten überzeugen, hat aber auch stark mit dem sechzig Millionen Dollar Budget zu kämpfen und wirkt sehr unfertig.
Eines muss man Babylon A.D. jedoch lassen: Er kann bereits in den ersten Minuten eine grossartige post-apokalyptische Atmosphäre schaffen und sehr stimmungsvoll in die düstere Zukunft einführen. Regisseur Mathieu Kassovitz hat nämlich jedes Detail sehr genau ausgearbeitet und sich stark bemüht auf jeden Aspekt zu achten: Sei es eine normale Landkarte oder das New York der Zukunft, alles ist absolut glaubhaft und bietet dem Zuschauer eine Entdeckungsreise in eine sehr düstere Zukunfsvision, die regelmässig mit grossartigen Bildern aufwartet und immer wieder überraschen kann. So erkundet man schrittweise die Welt von Toorop und betrachtet staunend die permanente Kriegszone mit zerstörten Atomkraftwerken, zerfallenen Flüchtlingscamps und zerbombten Städten.
Soweit wurden also die Erwartungen erfüllt, doch leider hören an dieser Stelle die grossen Adjektive auf. Auch wenn Babylon A.D. rein vom Handlungsaufbau "Söldner bringt Person von A nach B" sehr auf den Spuren von Children of Men wandert, kommt er nie an diesen heran. Obwohl Vin Diesel und die altbewährte Michelle Yeoh sehr solide Leistungen bringen, versagt Babylon A.D. darin, eine durchwegs überzeugende Handlung abzuliefern: Die Handlung hat recht viele Hänger und kann neben einigen amüsanten Dialogen nur mit spärlich verteilten und überhektischen Actionsequenzen etwas Auflockerung bieten. Dazu kommt noch, dass trotz des guten Anfangs und der eigentlich gelungenen Hintergrundgeschichte, sich die Reise nach Amerika als sehr unfertig entpuppt. Die Action wirkt oft zusammenhangslos, vieles wird ausgelassen und es werden viel mehr Fragen aufgeworfen als letztendlich beantwortet werden.
Fazit: Babylon A.D. bietet ein Actionspektakel, das in einer sehr glaubwürdigen und auch sehr düsteren Zukunft spielt. Vin Diesel bietet das, was er am besten kann und schlägt sich als wortkarger Söldner sehr gut durch die Handlung. Der Rest des Casts fügt sich ebenfalls nahtlos in die kaputte Zukunft ein und fällt kaum negativ auf. Die Handlung bleibt aber eine sehr holprige Angelegenheit mit einigen Hängern, zu hektischen Actionsequenzen und vor allem riesigen Handlungs- sowie Logiklöchern. Vieles wirkt angefangen aber nicht zu Ende geführt und auch wenn die grobe Geschichte gelungen ist, irgendwie fehlt die entscheidende Aussage oder der Sinn darin. Unter dem Strich wird er aber - wie auch Doomsday - erst auf DVD in der ungeschnittenen Langfassung sein ganzes Potential entfalten, da dort mit den zusätzliche Minuten eine wesentlich sauberere Handlung abgeliefert werden kann.
![]()
3.4 Sterne (57 Bewertungen) | 21 Kommentare



