35 rhums (2008)

35 rhums (2008)

Oder: Give me a hug!

35 rhums

Ein Königreich für eine Zigi...

Der aus Guadeloupe stammende Lionel (Alex Descas) ist ein verwitweter Lokomotivführer in der Suburbia von Paris und lebt zusammen mit seiner erwachsenen Tochter Joséphine (Mati Diop) in einem kleinen Appartement. Die beiden kümmern sich liebevoll umeinander wie ein altes Ehepaar. Zusammen mit der Nachbarin, Taxifahrerin Gabrielle (Nicole Dogué) sowie dem ebenfalls in der Nähe lebenden Noé (Grégoire Colin), der alleine im grossen Haus seiner verstorbenen Eltern Trübsal bläst, bilden sie eine kleine Clique, besuchen Konzerte, gehen trinken und haben's gut miteinander.

Doch als sein Arbeitskollege und Landsmann René (Julieth Mars) pensioniert wird und in ein tiefes Loch fällt, gerät auch Lionel ins Grübeln. Er wird sich bewusst, dass das Zusammenleben mit seiner Tochter nicht für immer so weitergehen kann und der Zeitpunkt näherrückt, an dem er Josephine ihr eigenes Leben führen lassen muss.


Kinofilm-Rating

Der ruhige Film von Claire Denis wirft ein Licht auf das Leben der kreolischen Community in Paris. Er behandelt jedoch universelle Themen: Zusammenleben, Liebe, Zuneigung, Alter, Tod. Es ist in erster Linie ein Film über die enge Beziehung eines Vaters zu seiner Tochter und die Probleme der beiden, voneinander loszulassen. Gleichzeitig zeigt er auch die Schwierigkeit des Alterns, die innere Leere, wenn das Leben mit der Pensionierung ins letzte Kapitel geht.

Handlung gibt's nicht sehr viel - dafür umarmen sich die beiden Hauptpersonen andauernd. Zwischendurch fängt die Kamera immer wieder die ergrauenden Bartstoppeln des Protagonisten ein und begleitet diesen bei seiner Arbeit als Lokiführer, was eine schön meditative Wirkung hat - leider aber auch eine einschläfernde; es ist sicherlich kein Zufall, dass die legendären "schönsten Bahnstrecken Deutschlands" immer so einen späten Sendeplatz im Fernsehprogramm hatten.

Apropos Deutschland: Gegen Ende des Films unternehmen die Protagonisten dann noch eine Reise nach Lübeck, die nicht unbedingt notwendig scheint, aber vermutlich notwendig war, um dem Film die notwendigen Gelder von deutschen Filmfonds zu sichern. Die titelgebenden 35 Rum-Shots werden dann schliesslich auch noch getrunken - was zwar der Fachstelle für Alkoholprobleme keine Freude bereiten wird, aber dafür einen rührenden, stillen, aber doch etwas gar handlungsarmen Film würdevoll abschliesst.

3.3 Sterne
3.3 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.53.5
03.09.2008 / ebe