The Walker (2007)
The Walker (2007)
Oder: "...my Sunflower!"
Carter Page III. (Woody Harrelson) ist ein sogenannter "Walker": Er begleitet die meist nicht mehr ganz jungen Ehefrauen aus besseren Kreisen von Washington zur Oper, spielt mit ihnen Canasta und spielt für sie die Rolle des immer charmanten guten Freundes. Der stets bestens gekleidete und ausgesucht höfliche Sohn eines einflussreichen Politikers ist selbst homosexuell und liiert mit dem Fotokünstler Emek (Moritz Bleibtreu).
Seiner besten "Klientin", Lynn Lockner (Kristin Scott Thomas), Ehefrau eines Senators (Willem Defoe), bietet Carter zudem ein Alibi, wenn sie sich mit ihrem heimlichen Liebhaber trifft. Eines Tages findet sie diesen ermordet in seiner Wohnung auf. Um ihr Verhältnis nicht auffliegen zu lassen, bittet sie Carter, gegenüber der Polizei zu behaupten, er selbst hätte die Leiche aufgefunden.
Mit diesem Freundschaftsdienst bringt Carter jedoch eine Lawine ins Rollen, da er nun selbst ins Visier der Justiz gelangt und sich mit Verdächtigungen und Unterstellungen konfrontiert sieht. Doch er bleibt loyal und schützt Lynn weiterhin. Als sich aber seine Freunde von ihm abzuwenden beginnen, muss Carter selbst die Initiative ergreifen. Eine ungewohnte Rolle für jemanden, dessen Leben in erster Linie darin besteht, am Leben Anderer teilzuhaben...
Kinofilm-Rating
Regisseur Paul Schrader war Jurypräsident der Berlinale 2007, wo der Film ausser Konkurrenz uraufgeführt wurde. Bei The Walker handelt es sich um eine offensichtliche Hommage an Schraders American Gigolo aus dem Jahr 1980 mit Richard Gere. Anders als Geres Gigolo ist die Hauptperson aber kein Liebhaber der älteren Damen, sondern übernimmt die Funktion des charmanten Seelentrösters und Klatsch-Onkels.
The Walker gehört Woody Harrelson. Er verkörpert den oberflächlichen Dandy Carter mit einer köstlichen Mischung zwischen Noblesse und Snobismus, schafft es aber auch, dessen innere Zerrissenheit sichtbar zu machen. Besonders schön zeigt sich das in einer Szene, in der Carter während einiger Sekundenbruchteile die Fassung verliert, bevor er sich schnell wieder fängt, sein gewohntes Lächeln aufsetzt und sein weibliches Gegenüber wie üblich mit seinem "My Sunflower!" bezirzt. In diesen Sekundenbruchteilen gelingt es Harrelson, die ganze sorgsam versteckte Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit von Carter auf Carters Gesicht zu zaubern und so das sonst immer so souveräne Lächeln als starre Maske zu entlarven.
Der Rest des Films vermag leider weniger zu überzeugen. Die Story kommt nicht in Gang, die Handlung verläuft wie mit angezogener Handbremse: zähflüssig und nie wirklich spannend. Auch die gesellschaftskritischen Töne des Films wirken eher bemüht. Bush-Gegner werden für die eine oder andere kritische Anspielung dankbar sein. Sollte es ferner auch ein Ziel des Films sein, die Machtstrukturen im amerikanischen Polit-Establishement offenzulegen, muss dieses Unterfangen als gescheitert bezeichnet werden. Die Charaktere - ausser derjenige von Carter - scheinen zu holzschnittartig, als dass sie glaubhaft wären. Schade ist es um das hochkarätige Darsteller-Ensemble um Harrelson. Einer Lauren Bacall hätte man eine etwas tragendere Rolle gönnen mögen. Kristin Scott Thomas als Lynn agiert solide - die Beweggründe ihrer Figur bleiben aber im Unklaren. Moritz Bleibtreu schliesslich in der Rolle des Emek wirkt blass. Dauerhaft in Erinnerung dürfte da höchstens die gemeinsame Kussszene mit Harrelson bleiben...
Als Charakterportrait eines Dandys in Nöten ist The Walker ein durchaus ansprechender Film mit einem grandiosen Haupdarsteller. Als Krimi oder Politthriller jedoch versagt er.
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2.4 Sterne (12 Bewertungen) | 0 Kommentare



