Empties - Vratné lahve (2007)
Leergut
Empties - Vratné lahve (2007) Leergut
Oder: Der Pfandskerl
Der 65jährige Beppo (Zdenek Sverák) schmeisst seinen Job als Lehrer hin. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat eine weitere Verwarnung vom Schuldienst, weil der rüstige und resolute Beppo einmal mehr einem Schüler ohne Poesiegehör einen nassen Schwamm über dem Kopf ausgequetschte - und dies gilt in Prag neuerdings als Gewalt gegen Schüler.
Theoretisch könnte Beppo jetzt mit seiner Frau den Lebensabend als Rentner geniessen und sich als vollberuflicher Opa ausleben. Doch der Senior wird weiterhin von einem immensen Tatendrang beflügelt und versucht sich daher als Velokurier und (eine schmerzliche Erfahrung später) als Aushilfe bei der Pfandflaschenannahme im lokalen Supermarkt.
Dieses trostlose, von leeren Bierkästen verstellte Dekor bekommt Beppo ausgesprochen gut: Er schliesst neue Freundschaften, bezirzt die Kundschaft, verkuppelt seine Mitarbeitenden - während seine Frau zuhause auf ihn wartet. Dabei ahnt Beppo nicht, dass sein kleines Flaschenannahmefenster zwischen den Kaufregalen schon bald von einer Triagemaschine verstellt sein könnte...
Kinofilm-Rating
Die Verleihwerbung verkündet es ohne Umwege: Vratné Lahve ist der erfolgreichste tschechische Film aller Zeiten. Was also Bienvenue chez les ch'tis in Frankreich und Die Herbstzeitlosen in der Schweiz geschafft haben, ist diesem Film in der Tschechei gelungen: mit einem durchaus vergleichbaren Rezept und einem ähnlichen - im Schnitt eher älteren - Zielpublikum.
Wie auch die beiden anderen genannten Filme ist Vratné Lahve eine unprätentiöse, "aus dem Leben gegriffene" Geschichte; eine "Komödie mit Herz" über "Menschen wie du und ich", die ein leicht karikierendes, aber im Endeffekt immer schmeichelhaftes Bild ihres Herkunftslandes zeichnet und gewisse Eigenheiten der Landsleute aufs Korn nimmt, ohne sie deshalb blosszustellen. Die Pointen sind nicht frech, sondern nett, die Musik ist leicht kitschig, die Bilder sind postkartenschön, aber nicht plakativ, und die Wahl der filmischen Mittel bleibt stets konventionell - kurzum, es handelt sich um die Sorte von Film, die von den Festivaljurys zwar tendenziell eher links liegen gelassen wird, stattdessen aber die Herzen der Zuschauer gewinnt und überall Publikumspreise einheimst.
Der Drehbuchautor und Hauptdarsteller Zdeněk Svěrák und sein Sohn Jan Svěrák auf dem Regiestuhl gewannen vor mehr als zehn Jahren in der gleichen Kombination mit ihrem Film Kolyagar den Oscar für den besten ausländischen Film - und nun lebt auch ihr neues Werk von einer ähnlich rührenden, manchmal etwas rührseligen Grundstimmung.
Mit dieser Positionierung sind zwar die künstlerischen Grenzen von Vratné Lahve abgesteckt, noch nicht aber die Qualitäten innerhalb dieser Grenzen angesprochen - denn gerade weil sie streng bei ihrem Leisten bleiben, haben die beiden Svěráks diesmal alles richtig gemacht. Der Film ist im Gegensatz zu den oben genannten westeuropäischen Kassenschlagerkomödien kein konzeptuell gestalteter Schwank, sondern eine mit natürlichem Fluss erzählte Geschichte, die bewusst anekdotenhaft funktioniert und weitgehend auf Wendepunkte verzichtet, um sich stattdessen von fein beobachteter Situationskomik treiben zu lassen.
Es fällt insbesondere positiv auf, dass Svěrák senior als Drehbuchautor und Schauspieler nicht nur seine eigene, auf den Leib geschriebene Figur ins Zentrum stellt, sondern auch die zahlreichen Nebencharaktere mit teilweise komplexen Charaktereigenschaften ausstattet. So entsteht einerseits das überzeugende Porträt eines sympathischen, aber eigenwilligen 65jährigen, der noch nicht zum alten Eisen gezählt werden will, aber auch die Personen in seinem Umfeld erhalten ihr konkretes Eigenleben. Eine besonders schön gezeichnete Figur ist die langjährige Ehefrau von Beppo, die den Tatendrang ihres Mannes stoisch und frustriert, aber doch immer verständnisvoll begleitet. Diese unbeirrbare Verschworenheit unter gemeinsam gealterten Eheleuten sieht man sehr selten auf der Leinwand, und noch viel seltener so ausgezeichnet und witzig in Dialoge gefasst wie in diesem Film.
Das alles ist ausgesprochen vergnüglich, leicht und lebensbejahend - manchmal aber auch recht unverbindlich und stellenweise schlicht zu kitschig. Da jedoch die Qualitäten des Films deutlich überwiegen und tschechische Filme in der Schweiz ohnehin so gut wie gar nie zur Aufführung kommen, sieht man gerne über diese süsslichen Elemente hinweg.
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