Le Voyage du Ballon Rouge (2007)
Le Voyage du Ballon Rouge (2007)
Oder: Ich hätte auch anders heissen können
Le Voyage du Ballon Rouge ist das Porträt einer sonderbaren Wohngemeinschaft in Paris. Im Mittelpunkt steht der siebenjährige Simon (Simon Iteanu). Seine Eltern sind geschieden und sein Vater, ebenso wie seine Schwester Louise (Louise Margolin), leben weit weg. Die verkorkste und hysterische Mutter (Juliette Binoche) hat kaum Zeit für ihn, da sie als Puppenspielerin am Theater sehr unregelmässig arbeitet und oft unterwegs ist. Deshalb engagiert sie einmal mehr ein neues Kindermädchen (Song Fang) für Simon und liefert ihn einfach zwischen Tür und Angel ab, ohne die Neue wirklich zu kennen. Das Kindermädchen Song wiederum ist Filmstudentin und ständig mit ihrer Kamera unterwegs. Zum bunten Spektrum tragen noch Mark, ein Künstlerfreund von Simons Mutter, und seine hochnäsige Freundin bei. Sie wohnen als Untermieter im gleichen Haus, haben aber schon seit einem Jahr keine Miete mehr bezahlt und benutzen frech und ohne zu Fragen die Sachen von Simons Familie.
Kinofilm-Rating
Obwohl die Grundidee und der mutmassliche Sinn hinter Le Voyage du Ballon Rouge unterschwellig durchschimmern, werden sie nie wirklich ersichtlich. Die Geduld wird gleich zu Beginn hart auf die Probe gestellt: Währendem man zehn Minuten lang einem roten Ballon nachstarren darf (sehr subtile Titelanspielung), der durch die Strassen von Paris fliegt. Für all diejenigen, die dann noch nicht eingeschlafen sind oder das Kino verlassen haben, beginnt jetzt die eigentliche (Un)Handlung des Films. Als Zuschauerin kann ich lediglich vermuten, dass das Zentralthema das schwierige und triste Leben des Scheidungskindes Simon sein sollte. Als Kritikerin jedoch, nehme ich dies nicht so wahr, weil einfach viel zu wenig geschieht, was dieses Problem thematisiert und es in den Fokus rückt. Es handelt sich lediglich um ein Aneinanderreihen beliebiger Szenen einer Pariser Familie, da nie wirklich eine Entwicklung stattfindet. Deshalb plätschern die 113 Minuten Film einfach so vor sich hin, ohne dem Zuschauer irgendetwas zu vermitteln - mit Ausnahme von Unverständnis und Kopfschütteln.
Zwischen den sinnlosen Alltagsszenen wird immer wieder der berühmte rote Ballon erwähnt: Das Kindermädchen Song dreht einen Film über einen Jungen mit einem roten Ballon, ein roter Ballon ist an eine Hauswand gemalt worden, ein roter Ballon fliegt am Fenster von Simon vorbei, in einer Bildgalerie wird ein Bild von einem Jungen und einem roten Ball gezeigt. Trotz all dieser Anspielungen wird aber nie deutlich gemacht, wofür der rote Ballon eigentlich steht. Ist er nun der stille Beobachter, der über allem steht? Ist er ein Warnsignal für alle Anderen, dass sich eine Katastrophe anbahnt? Oder ist er das Symbol von Liebe und Zuneigung, nach dem wir alle suchen, uns aber oftmals verwehrt bleibt? Der Regisseur selbst behauptet, dass der Ballon keine tiefere metaphorische Bedeutung hat. Wieso dann aber, frage ich mich, benennt er einen Film danach und stellt das kleine rote Ding stetig in den Mittelpunkt?
Gut hingegen ist die Besetzung von Juliette Binoche in der Rolle der psychisch labilen und zu Rauschmitteln neigenden Mutter. Schade dass ihr Talent in einem Film verschwendet wird, der so belanglos ist wie dieser.
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