The Elite Squad - Tropa de Elite (2007)

The Elite Squad - Tropa de Elite (2007)

Oder: S.W.A.T. ist ein Kindergarten im Vergleich

The Elite Squad - Tropa de Elite

Einer mehr oder weniger - who cares?

Kurz vor dem Besuch des Papstes im Jahre 1997 ist Rio de Janeiro sichtlich in Aufruhr. Um dem katholischen Oberhaupt jedoch die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten, beschliessen die Behörden in den Favelas "aufzuräumen". Doch dies bedeutet für die Spezialeinheit der Polizei, der diese Mission aufgetragen wird, unweigerlich der Drogenmafia und der korrupten Polizei den Krieg zu erklären. Nascimento (Wagner Moura), der Truppenleiter der polizeilichen Spezialeinheit, ist daher eher widerwillig am Einsatz beteiligt.

Eigentlich will er sich ganz von der Schusslinie zurückziehen, doch dafür braucht er einen geeigneten Nachfolger. So kann Nascimento seiner hochschwangeren Frau Rosane (Maria Ribeiro) vorerst nur versprechen, baldmöglichst seinem gefährlichen Arbeitsalltag den Rücken zu kehren. Die Gewalttaten, welche in den Strassen zwischen den Drogenclans, korrupten Polizisten und seiner eigenen Truppe herrschen, gehen nicht spurlos an ihm vorüber und selbst ein hartgesottener Kerl wie er, wird immer häufiger von Angstzuständen heimgesucht.

Als Nascimento und seine Männer zur Verstärkung in eine Favela gerufen werden - es handelt sich um eine Party, die in einem offenen Schussfeuer endet - trifft er auf zwei ambitionierte, junge Polizisten. André (André Ramiro) und Neto (Caio Junqueiro), zwei Neulinge, sind von Nascimentos Professionalität stark beeindruckt. Und auf einmal scheint es Hoffnung auf eine Veränderung für den Leiter der Spezialeinheit zu geben...


DVD-Rating

Viele Filme, die an Filmfestivals gezeigt werden, haben ihre 15 Minuten Ruhm und verschwinden danach wieder. Ein breiteres Publikum erhalten diese Filme meistens nicht. Etwas bekannter werden nur die Filme, die bei einem dieser Festivals auch einen Preis gewinnen. Tropa de Elite holte sich 2008 den Goldenen Bären an der Berlinale und so könnte man annehmen, dass dies ein grossartiger Film sein müsste. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass der Konjunktiv hier absichtlich angewendet wurde.

Wie beim bekanntesten brasilianischen Film Cidade de Deus spielen auch hier die Geschehnisse in den Slums. Diesmal begleitet man als Zuschauer eine Spezialeinheit der Polizei, wie sie ihrer nicht gerade einfachen Arbeit nachgeht. Dies würde einen rasanten Film mit viel Action und einem anständigen Spannungsbogen versprechen. Doch Regisseur José Padilha konzentriert sich auf sein Dreiergespann Nascimento, Neto und André und versucht, den drei Figuren so viel Tiefe wie nur möglich zu geben. Leider kommentiert Padilha in Gestalt von Nascimento meistens die Szenen mit den Neulingen, sodass eine Distanz zu den beiden entsteht und der Zuschauer darum keine Chance erhält, sich in die jungen Anwärter einzufühlen. Der Regisseur versuchte mit dieser Erzählart so nah wie möglich an die Realität zu gehen. Nicht umsonst fühlt man sich öfters an eine Doku erinnert.

Doch was hat die Jury in Berlin denn veranlasst, dem Film einen Goldenen Bären zu geben? Haben deren Mitglieder etwa noch nie einen Actionfilm gesehen und waren froh, nach 1000 Kulturfilmen einmal einen Pistolenschuss zu hören? So einfach ist es natürlich nicht. Auf visueller Ebene muss sich der Film nicht hinter Cidade de Deus verstecken. Auch die Charaktere sind trotz fehlenden Einfühlvermögens schön aufgebaut, und ihre Taten erscheinen logisch. Weiter bietet der Film einen realistischen Einblick in die menschliche Hölle der Slums. Diese Szenen rufen einem wieder einmal in Erinnerung, wie schön wir es doch haben,

Fazit: Mit Tropa de Elite ist José Padilha leider kein zweiter Cidade de Deus gelungen. Dafür fehlen die richtig guten Figuren. Trotzdem lässt sich sein Film aufgrund des brutalen Realismus und einiger gelungener dramatischer Szenen sehen. Zu mehr als den persönlichen 15 Minuten Ruhm reicht es dem Film aber trotzdem nicht.

Die DVD hat als einziges Bonusmaterial drei Trailer zu anderen Filmen zu bieten. Zum Film selbst gibt es keine Extras. Das Bild ist schön dreckig und überzeugt in seiner Schärfe. Im Ton-Bereich wurden vor allem die verschiedenen Gefechte schön abgemischt, dass man sich mittendrin statt nur dabei fühlt. Technisch ok, extramässig aber enttäuschend.

4.4 Sterne 2.4 Sterne
4.4 Sterne (14 Bewertungen) | 0 Kommentare

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18.04.2010 / sil (Inhalt), crs (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 08.04.2010

  • Bildformat: 1:1.85 (16:9)
  • Sprachen: Portugiesisch, Deutsch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: 3 Trailer zu anderen Filmen