Trade (2007)

Trade - Willkommen in Amerika

Trade (2007) Trade - Willkommen in Amerika

Oder: Ich wollt, ich wär ne Doku

Trade

Nicht ohne meine Taschenlampe

Es sollte nicht der Tag von Veronica (Alicja Bachleda) und Adriana (Paulina Gaitan) werden. Veronica aus Polen und gerade erst in Mexico City gelandet, verbringt keine 30 Minuten in Freiheit und auch die 13-jährige Adriana, welche mir ihrem neuen Fahrrad ein Tour durch ein Viertel in Mexico City machen will, wird brutal und skrupellos von Menschenhändlern gepackt und verschleppt. Zusammen mit etlichen andern Opfern teilen sie das tragische Schicksal, als Sexsklaven über die Grenze nach Amerika geschmuggelt zu werden. Während die beiden Frauen Unmenschliches über sich ergehen lassen müssen, nimmt Jorge (Cesar Ramos), der Bruder von Adriana, die Verfolgung auf und findet dabei in Ray (Kevin Klein), einem texanischen Polizisten, eine helfende Kraft. Zusammen folgen sie der Fährte der Menschenhändler bis nach New Jersey, wo sie in einem letzten verzweifelten Akt auf die Rettung Adrianas hoffen.


Kinofilm-Rating

Marco Kreuzpaintner hat sich für seinen ersten amerikanischen Spielfilm keinen leichten Stoff ausgesucht. Die Problematik des Menschenhandels ist äusserst delikat, leider stets brandaktuell und die angewandten Methoden bekanntlich unmenschlich. Sein Film basiert auf einem Artikel, welcher in der New York Times erschienen ist und von Peter Landesman verfasst wurde. Dieser hat während fünf monatigen Recherchen sehr tiefe und oftmals höchst gefährliche Einblicke in dieses schmutzige Geschäft haben können. So sollen seiner Meinung zufolge über 1 Million Frauen, Knaben und Mädchen jedes Jahr entführt und verschleppt werden. 100'000 davon, wobei die Dunkelziffer beträchtlich höher geschätzt wird, sollen es "erfolgreich" über die Grenze nach Amerika schaffen. "Es ist ein bisschen wie beim Thema Gewalt in der Ehe. Sie (die Menschen) wissen, dass es passiert, aber sie wollen es nicht wahrhaben. Ich glaube nicht, dass es darum geht, die Tatsache nicht anzuerkennen. Ich glaube einfach, dass die Menschen keine blassen Schimmer haben" so Landesman. Das Geschäft im den Sexsklaven soll sich ungemein lohnen: viele Opfer sind gerade mal zwischen 11 und 12 Jahren. Dabei soll es Fälle geben, wo Mädchen und Jungen dazu gezwungen werden mit über 30 Klienten pro Tag Sex zu haben. Gängige Preise sind dabei 20 US-Dollars, für Jungfrauen sogar 100 US-Dollars. "Man muss einfach mal nachrechnen. Für jeden Händler, der 365 Tage im Jahr über fünf, zehn oder zwanzig Mädchen verfügt, ist das ein riesiges Geschäft" so Landesman weiter.

Diese Informationen bringen einem ins Grübeln und lösen Unbehagen aus. Man sieht also sofort, dass da durchaus höchst brisanter Stoff für eine zermürbende und aufrüttelnde Dokumentation vorhanden wäre, doch driftet der Film mit zunehmender Länge leider zu sehr ab in einen "normalen" Thriller. Dies wird dem Thema leider wenig gerecht und ist enttäuschend.

Während diese Thematik schon in etlichen anderen Filmen als Basis zugrunde lag, so will sich Trade zu besagten verwandten Produktionen darin unterscheiden, dass er seine Geschichte dokumentarisch erzählen möchte. Zweifelsohne wurden viele Recherchen gemacht und die Situationen so detailliert wie möglich versucht darzustellen. So werden Mord, Misshandlungen und Vergewaltigung ohne Hehl auf der Leinwand gezeigt. Bekannt ist es ja, aber ob man dies auf Grossleinwand zwei Stunden lang ertragen will? Was den Film schlussendlich des dokumentarischen Charakters beraubt sind die unzähligen Klischees, denen er verfällt, die teils dürftige Machart (besonders der Schnitt kommt oftmals etwas unbeholfen daher) und ein missratener Schluss.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (10 Bewertungen) | 1 Kommentar

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11.10.2007 / bab