A Thousand Years of Good Prayers (2007)

Mr. Shi und der Gesang der Zikaden

A Thousand Years of Good Prayers (2007) Mr. Shi und der Gesang der Zikaden

Oder: Lost in Translation in den USA

"Das isch also dä Zürisee."

"Das isch also dä Zürisee."

Als Mr. Shi (Henry O), ein verwitweter Rentner aus China, seine einzige Tochter Yilan (Feihong Yu) in den USA besucht, zeigt sich diese wenig begeistert. Obwohl jahrelang voneinander getrennt, haben sich die beiden kaum etwas zu sagen. Mr. Shi sorgt sich um seine Tochter und deutet ihre Wortkargkeit als Zeichen dafür, dass sie unglücklich ist. Yilan ist eigentlich zufrieden mit ihrem Leben, was sie ihrem Vater aber nicht klar machen kann. Sie hat Mühe damit, dass er sich mehr und mehr in ihr Leben einmischt und weder Verständnis für ihre Scheidung noch für ihre Selbständigkeit aufbringt.

Während sie arbeitet, verbringt er die Zeit in ihrer tristen Wohnung oder im Park, wo er sich bald mit einer älteren iranischen Dame anfreundet, die aus ihrer Heimat in die USA fliehen musste. Mr. Shi und Tochter allerdings entfremden sich immer mehr, bis Yilan ihren Vater zur Rede stellt und er ihr endlich erzählt, worüber er so lange geschwiegen hatte.


Film-Rating

Regisseur Wayne Wang brachte den Film beinahe zeitgleich mit The Princess of Nebraska heraus und sieht die beiden Filme als Diptychon. Während er in The Princess of Nebraska die jüngste Generation der in die USA emigrierten Chinesen zeigt, ist hier der Konflikt zwischen der ins amerikanische Berufsleben integrierten Kinder- und der in China zurückgebliebenen Elterngeneration Thema.

Das trostlose Vorstadtquartier einer namenlosen amerikanischen Stadt passt hervorragend zur Stimmung, die Vater und Tochter umgibt. Obwohl er sie jeden Abend rührend bekocht, kommen die beiden sich kaum näher. Dabei ist Mr. Shi ein kommunikativer Mensch und freundet sich schnell mit anderen an - zum Beispiel mit einer iranischen Madame, die er täglich im Park trifft. Die beiden unterhalten sich mit Hand und Fuss und verstehen sich auch ohne viele Worte. Auf anrührende Weise nehmen die beiden älteren Menschen am Leben des anderen teil und tun genau das, was ihnen mit ihren eigenen Kindern nicht gelingt.

Es braucht lange, bis Vater und Tochter endlich aussprechen, was beide bedrückt: Er versteht nicht, warum sie sich aus eigener Entscheidung von ihrem chinesischen Mann wegen eines anderen geschieden hatte. Sie hingegen wirft ihrem Vater jahrelange Verschwiegenheit vor: Nie habe er über seine eigenen Eheprobleme geredet.

Die Schwere, die von der Vater-Tochter-Beziehung ausgeht, greift auf die Zuschauer über, und manche Szenen sind zu langwierig und verlangen viel Geduld. Zwischendurch gibt es heitere Szenen - etwa wenn der freundliche Mr. Shi die beiden Mormonen, die an der Tür für ihre Mission werben, ins Wohnzimmer bittet. Es folgt ein vergnügliches Gespräch, in dem Mr. Shi klar macht, dass er nicht an ihren Propheten glauben mag, aber doch lieber an Marx und Engels, von denen die beiden noch nie gehört haben. Auch die Szenen im Park, wo sich Mr. Shi und die iranische Madame unterhalten, sind anrührend und überzeugen durch ihre Einfachheit und Witz.

Die oftmals unfreiwillige Komik erinnert an Lost in Translation - nur sehen wir hier die umgekehrte Version eines etwas eigenwilligen, aber gutmütigen Mr. Shi, der sich irritiert in einer langweiligen amerikanischen Vorstadt vorantastet. Das hat durchaus Charme, doch ist die Geschichte zu schleppend erzählt, und so ist man froh, wenn Mr. Shi wieder abreist, was nach einer ehrlichen und lange erwarteten Aussprache mit seiner Tochter das Beste zu sein scheint.


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13.07.2008 / sst

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