Sunny Hill (2007)
Sunny Hill (2007)
Oder: Das Wandern ist des Müllers Lust
Eine Sechserbande, bestehend aus drei jungen Frauen (Uta Kargel, Araba Walton, Maryam Zaree) und drei jungen Männern (Karsten Mielke, Patrick Rapold, Christian Weber) aus Berlin, hat sich auf einem Internetportal virtuell zusammengeschworen und plant in die Schweizer Alpen zu gehen, um sich dort gemeinsam von einer Klippe zu stürzen. Schon im Chalet angekommen, wollen sie sofort den Absprungsort besichtigen gehen. Einige können es kaum erwarten und wollen sofort einen Schlussstrich ziehen. Doch die Hälfte der Gruppe möchte erst noch abwarten und Tee trinken. Am Abend lernt man sich vorsichtig näher kennen, und der Gruppenzusammenhalt scheint einigermassen gestärkt zu sein.
Doch leider gibt es am nächsten Tag einen "Vor-Fall": Der coole Michael (Patrick Rapold) scheint unüberwindbare Höhenangst zu haben. Wie kann man dieses Problem lösen? Wie könnte man auf anderen Wegen einen Abgang machen? Die Gruppendynamik gerät ins Wanken, und weitere Teilnehmer beginnen an ihrem Vorhaben zu zweifeln...
Kinofilm-Rating
Dieses Low-Budget-Psychodrama, das manche an The Blair Witch Project erinnern mag, besticht durch das Schauspieler-Ensemble inmitten der gleichzeitig heimeligen und unheimlichen Schweizer Bergwelt. Die Thematik des Selbstmords, geschweige denn des Gruppenselbstmordes, ist selten in den Kinosälen anzutreffen. So ist man etwas orientierungslos und fragt sich oft während des Films: "Warum müssen sie sich denn unbedingt umbringen?"
Luzius Rüedi und seine Drehbuchautoren (Gabriela Meixner-Müller und Christian Samuel Weber) lassen diese Frage lange offen und rücken nur zaghaft mit ein paar biografisch-tragischen Anhaltspunkten heraus. Doch trotzdem: Muss man sich wegen dieser Kleinigkeiten gerade umbringen? Es scheint mehr dahinter zu stecken, weshalb von den Zuschauern viel Phantasie und Standhaftigkeit gefordert wird. Die verschlossene Haltung der Darsteller passt aber zum typischen Bild eines Selbstmörders.
Aus einer einfachen Idee mit wenig offensichtlicher Handlung ist ein atmosphärisches Psychodrama geworden. Dem Kamerateam (Marco Barberi und Denis Lüthi) ist es gelungen, die atemberaubende Schönheit und Gefährlichkeit der Schweizer Klippen spürbar zu machen. Man fiebert mit den Darstellern und hofft, dass sie sich doch noch umentscheiden werden. Die leicht variierende Begleitmusik passt auch zum ganzen Ambiente.
Es gibt übrigens einen japanischen Vorgängerfilm mit einer ähnlichen Filmidee: Ikinai, das Regiedebüt von Shimizu Hiroshi, bei dem es um eine mehrheitlich betagte Selbstmord-Reisegruppe auf ihrer letzten Reisebusfahrt geht. In beiden Filmen sind nicht alle 100 Prozent überzeugt von ihrem Vorhaben. Für dieses Fünkchen Hoffnung darf der Zuschauer Partei ergreifen und darauf hoffen, dass sich doch noch alles zum Guten wendet. Dieses ungewohnte Kinoerlebnis hat seinen - etwas morbiden - Thrill, doch man bleibt der ausweglosen Situation ausgeliefert, ausser man verlässt den Kinosaal während der Vorführung.
Fazit: Sunny Hill ist ein überzeugendes Regiedebüt von Luzius Rüedi und ein gewagter Tabu-Film mit gut platziertem Wortwitz ("Hals und Beinbruch") und hoffnungsvollen Darstellern.
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