Die Stille vor Bach (2007)
Die Stille vor Bach (2007)
Oder: Musik für die Ewigkeit
Johann Sebastian Bach (Christian Brembeck) kommt mit seiner Familie nach Leipzig, um dort als Kantor in der Sankt-Thomas-Kirche zu arbeiten. Der fleissige und unermüdliche Komponist geniesst keinerlei Privilegien, weder sozial noch beruflich. Populär werden er und seine Werke erst viele Jahre nach seinem Tod - durch Zufälle, wie beispielweise einem Stück Fleisch, das der Metzger in eine Seite der Partitur von Bachs Matthäus-Passion eingewickelt hat...
Kinofilm-Rating
Es gibt viele Gründe, Die Stille vor Bach nicht zu mögen: Der Experimentalfilm erfordert Geduld. Viel Geduld. Er zeigt minutenlang einen Knabenchor in Aktion, oder ein unbemanntes Automaten-Klavier, das eine Fuge abspielt, während es sich langsam durch den Raum bewegt. Zwischendurch gibt's einige Episoden mit Dialog, die jedoch nicht linear ablaufen, abwechslungsweise zu Bachs Zeiten oder in der Gegenwart spielen und zwischen insgesamt drei Sprachen (Deutsch, Spanisch, Englisch) hin- und herswitchen. Durchsetzt wird das Ganze immer wieder von laaangen Passagen, die sich nicht, nun ja, nicht gerade durch ihren Reichtum an Action auszeichnen.
Und trotzdem hat der Film seinen Reiz. Zumindest für Musikliebhaber, die Bachs Bedeutung für die abendländische Musikgeschichte kennen und zu schätzen wissen. Und er ist auch ein Lehrstück für all diejenigen, die glauben, das Erste Präludium in C-Dur stamme von der Firma Nokia. Bach ist ein unbestrittenes Monument und hat eine Würdigung mehr als verdient. Die auf vielerlei und teilweis ausgefallene, originelle Art und Weise (beispielsweise auf der Mundharmonika in einem LKW) dargebotene Musik ist denn auch das, was den Film aussergewöhnlich und sehenswert macht. Dass dann zwischendurch plötzlich wieder eine nackte Frau beim Duschen gezeigt wird, erfreut zwar das Männerauge, passt sonst aber überhaupt nicht in den Kontext, so dass der tiefere Sinn dieser Szene Geheimnis der Macher bleiben wird.
Der Pressetext will dann noch wissen, dass Die Stille vor Bach durch seine Internationalität einen wichtigen Beitrag zum europäischen Zusammenhalt leiste. Denn nur wenn sich Europa seiner gemeinsamen Wurzeln bewusst sei und diese gebührend pflege, sei eine gemeinsame Zukunft möglich. Gut. So solle es halt sein. Ob der Film wohl von der EU mitsubventioniert worden ist...?
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3.8 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare


