Sleuth (2007)

1 Mord für 2

Sleuth (2007) 1 Mord für 2

Oder: Alpha-Tierchen unter sich

Sleuth

Ein seltener ruhiger Moment

In einer Villa in der englischen Pampa empfängt der milliardenschwere Krimiautor Andrew Wyke (Michael Cane) den mittellosen Schauspieler Milo Tindle (Jude Law). Beim feindseligen Aufeinandertreffen geht es um eine Frau. Der Jüngere schläft mit der Ehefrau des Älteren, und es sollen nun Scheidungspapiere unterschrieben werden.

Wyke, ein grausamer Egozentriker, hält sich nicht nur für einen herausragenden Liebhaber, er heckt gemäss eigenem Empfinden auch die besten Räubergeschichten aus. Er verknüpft deshalb seine Unterschrift mit einem allerletzten Coup. Tindle soll unter seiner Anleitung Juwelen aus dem Safe im Haus klauen und diese mit Gewinn an einen Händler in Amsterdam verkaufen. Wyke streicht stattdessen das Geld der Versicherung ein.

Tindle willigt vor allem deshalb ein, weil in Wyke davon überzeugt, dass seine Geliebte wohl kaum lange beim ihm bleiben wird, wenn er ihren heutigen Lebenswandel nicht aufrecht erhalten kann. Ein Blick in den begehbaren Kleiderschrank der Dame genügt, und Tindle ist froh um den Extrabatzen. Doch Wykes Psychospielchen beginnen damit erst. Und auch Tindle gibt sich nicht so leicht geschlagen.


Kinofilm-Rating

Weiter geht's mit den Remakes von alten Michael Caine-Filmen. Die letzen Jahre bescherten uns in dieser Hinsicht flüchtige Mini-Action (The Italian Job) und langweiliges in die Kamerasprechen (Alfie). Vor allem Jude Law scheint vom britischen Charmbolzen besonders angetan, und wagt sich nach der Kritikerhaue, die es für Alfie gegeben hat, bereits wieder an ein Update. Diesmal ist es Sleuth, der auf dem gleichnamigen Theaterstück von Anthony Shaffner basiert, das 1972 bereits schon mal verfilmt wurde. Caine himself steht für dieses Projekt auch wieder vor der Kamera, übernimmt aber nun altershalber die Rolle des Miliardärs, der im Original von Laurence Oliver gemimt wurde.

Hinter der Kamera steht der Theatermann Kenneth Branagh, bekannt für seine Shakespeare-Adaptionen, der leider Theater mit Film verwechselt. Man muss beim im Kino nicht rumschreien, als sei das Mikrofon noch nicht erfunden. Genau diese tun aber Caine und Law hier die ganze Zeit - wenn auch mit ein bisschen mehr "Fucks", die in den 70er-Version noch als "bloody" daher kamen. Maskeneffekte sind auf der Bühne auch etwas anderes als auf Grossleinwand, was im Theater auch noch in der hintersten Reihe wirken muss, darf in Grossaufnahmen gerne etwas diskreter sein. Die falschen Augenbrauen, die Law in der Mitte des Films zu tragen hat, sind einfach lächerlich. Auch ein Bühnenbild muss nicht allzu extravagant sein. Der extensive Gebrauch der Videoüberwachung im ultramodern eingerichteten Haus ist ein besonders doofes Gimmick. Natürlich hätte man die ulkige "Bäbistube" aus dem Orignal nicht übernehmen sollen, aber die Handlung minutenlang einfach von einem Bildschirm abzufilmen, kann es ja auch nicht sein.

So geht leider das ganze Kammerspiel zwischen den beiden nicht einmal allzu schlechten Schauspieler in einer absurd wirkenden Bonzenhütte unter. Kleine Hints, wie dass Caine Law ständig Coiffeur nennt, also den Beruf, welche die Figur im Original ausgeübt hat, werden die erfreuen, welche die Urfassung kennen. Ansonsten macht sich trotz einiger Plottwiste Langeweile breit.

3.7 Sterne
3.7 Sterne (21 Bewertungen) | 0 Kommentare

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02.09.2007 / rm