Saw IV (2007)

Saw IV - Sterben war gestern

Saw IV (2007) Saw IV - Sterben war gestern

Oder: Aus Resten kann man Menus machen

Saw IV

Das gibt einen Stiernacken

John Kramer (Tobin Bell), der Mann, der uns als "Jigsaw" kaum zur Ruhe kommen lässt, ist tot. Der Serienkiller mit der Vorliebe für abgefahrene und brutale Folterfallen liegt auf dem Seziertisch und wird auseinandergenommen. Ist dieser Kerl schlussendlich wirklich ein ganz normaler Mann? Die ersten Hautfetzen werden abgezogen, das Hirn wird freigelegt. Nichts. Der Brustkasten wird geöffnet, der Darm rausgenommen und siehe da. "Jigsaw" spielt auch nach seinem irdischen Tod weiter seine sadistischen Spielchen.

Dieses Mal ist ihm SWAT-Agent Rigg (Lyrig Bent) in die Falle gegangen. Er wird entführt und findet sich in einer scheinbar aussichtslosen Situation wieder. Mittels Kassettchen wird der gute Mann in der Stadt herumgejagt und bei jedem Folterposten vor die Wahl gestellt, eigenständig über das Leben der Opfer zu entscheiden.

Saw IV

Neiiiin, nicht noch ein SAW-Film!

Sollte er in 90 Minuten nicht seinen Zielpunkt erreicht haben, werden Detective Eric Matthews (Donnie Wahlberg), der überraschenderweise noch immer unter den Lebenden weilt, sowie Detective Hoffman (Costas Mandylor), der entführt wurde, auf krankhafte Weise sterben.

Während sich der Agent nun aufmacht, Jigsaws Spielchen zu überleben, haben sich ihm zwei FBI-Agenten auf die Fersen gesetzt, die nicht nur den aktuellen Fall lösen wollen bevor es zu spät ist, sondern auch Kramers Ex-Frau befragen und neue Erkenntnisse über den Serienkiller "Jigsaw" an den Tag bringen wollen.


DVD-Rating

Der Horror des neuen Jahrtausends ist geprägt von Hightech und Extremen. Während man mit Filmen, wie Kairo oder One Missed Call die neuen Technologien nutzt, um die Menschen mit alltäglichen Gegenständen in Angst und Schrecken zu versetzen, steigern andere Filme, wie À l'intérieur, Frontière(s) oder eben Saw die gezeigte Gewalt in solche Dimensionen, dass Krankenwagen die Zuschauer aus den Kinos karren müssen. Saw hat sicher entscheidend zu dieser Gewaltspirale beigetragen und mit den ersten drei Teilen den Massstab für hunderte Klone sehr hoch angesetzt. Doch gerade weil die Saw-Episoden auch ein geniales Szenario, sowie eine gut ausgearbeitete Handlung lieferten, erreichten sie eine sehr hohe Qualität und konnten auch eine gute Geschichte erzählen, welche in Saw 3 einen krönenden Abschluss fand. Es war aber bereits zu dem Zeitpunkt bekannt, dass es auch Saw 4 - Saw 6 geben würde, doch verständlicherweise stapelten viele die Erwartungen tief. Deshalb war man auch kaum überrascht, als Saw 4 in die Kinos kam.

In der Realisation hat Saw 4 einen grossen Vorteil. Mit Darren Lynn Bousman sitzt ein Saw-Routinier auf dem Regiestuhl, denn das ist bereits sein dritter Beitrag der Saga. Dies ist auch in der Inszenierung, der Kameraführung und den auf möglichst hässlich getrimmten Sets ersichtlich, welche sich nahtlos in das bereits etablierte Jigsaw-Universum einfügen. Damit ist aber eigentlich, neben den äusserst kreativen Fallen, bereits der letzte positive Punkt an Saw 4 gesagt, denn über die ganze Laufzeit wird man das Gefühl nicht los, als ob hier einfach die Fleischreste, die bei der Saw 3-Operation unter den Tisch gefallen sind, zu einem neuen Film zusammengebaut worden wären. Dies hat zur Folge, dass selbst jene, welche die ersten drei Teile gesehen haben, Mühe haben, dem Film zu folgen. Neueinsteiger sind hingegen komplett verloren, denn es wird überhaupt nichts erklärt oder näher erläutert.

Letztendlich versucht Saw 4 mehrere Handlungsstränge plus Feedbacks in Jigsaws Vergangenheit, plus Reste aus Saw 3 in einen Film zu quetschen, was so ziemlich alle Schmerzensgrenzen überschreitet. Wenigstens haben sie es so gut konstruiert, dass man nach viel Denkarbeit doch noch den Film auf die Reihe kriegt, ob dies jedoch viele tun werden, ist fraglich, denn es geht sehr bald jede Motivation flöten, sich überhaupt darum zu bemühen. Letztendlich ist es offensichtlich, dass mit Saw 4 ein neues Kapitel in der Saga eingeläutet wird, welches nichts mit Jigsaw und seinem Lebenswerk zu tun hat, sondern mehr nach Geldmacherei stinkt, als nach einem guten Schocker.

Fazit: Saw 4 ist kaum mehr als ein konstruierter Übergang von den Saw-Filmen, welche Jigsaws Geschichte erzählt haben (1-3) und den Filmen, welche ihn nur als Vorwand für weitere Blutorgien nutzen, die aber nur gedreht werden, weil die Box-Office Zahlen stimmen (4-6). Viele Handlungsfäden, langweilige Schnitzeljagden und Personen und Opfer, für die man sich wirklich nicht interessiert, sind die grossen Mankos von Saw 4. Trotz vielen äussert blutigen und hässlichen Szenen wird, was zuvor noch spannend und intensiv war, zur öden Routine. Fans können sich sicher an dem näheren Erkunden von Jigsaws Vergangenheit erfreuen, doch all das Theater rundrum sind nur die Vorboten für Sequels, welche die Saga nur noch weiter ausschlachten, aber vermutlich kaum mehr die Qualität der ersten drei Filme erreichen werden.

Auf DVD ist der Film, wie schon in den vergangenen Teilen, in verschiedenen Ausgaben und Variationen zu haben. Getestet wurde der Uncut Director's Cut, der um vier Minuten länger sein soll, als die Kinoversion. Die Bildqualität ist etwa das Beste, was die DVD noch hergeben kann und auch der Ton donnert satt aus den Boxen. Das Bonusmaterial ist eine vielseitige Ansammlung aus kurzen Interviews und Behind the Scenes Dokumentationen, welche überall einen kompakten Einblick ermöglichen, aber vieles nur oberflächlich behandeln. Ein grosses Minus sind vor allem die sechs Trailer, die einem aufs Auge gedrückt werden, bis man überhaupt ins Menu gelangt.

3.1 Sterne 4.6 Sterne
3.1 Sterne (78 Bewertungen) | 1 Kommentar

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22.09.2008 / muri (Inhalt), db (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 06.06.2006

  • Bildformat: Widescreen 1.85:1 (Anamorphisch)
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Deutsch (DTS 6.1), English (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Trailer, Musikvideo, Behind the Scenes