Savage Grace (2007)
Wilde Unschuld
Savage Grace (2007) Wilde Unschuld
Oder: Desperate Housewives gab es auch schon früher
Als der kleine Tony geboren wird, ist das Verhältnis seiner Eltern schon ziemlich zerrüttet. Barbara (Julian Moore) hat sich zwar den millionenschweren Brooks Baekeland (Stephen Dillane) geangelt, aber der Klassenunterschied zwischen der ungebildeten Schönen und dem noblen Erben ist nicht leicht zu überwinden. Sie geht vor dem Stillen fremd, er nimmt sie zur Strafe anal.
Als junger Erwachsener ist Tony (Eddy Redmayne) in den Augen seines Vaters ein Versager. Das oberklassige Leben an mondänen Destinationen wie Les Cadaques und Mallorca geht zwar weiter, aber Brooks nimmt sich bald eine Jüngere zur Frau, die Spanierin Bianca (Elena Anaya), ein Strandflirt seines Sohnes. Barbara und Tony schlagen sich in der Folge weiter als Neureiche durchs Leben. Er schläft mit Männern, sie versucht es mit der Malerei. Weiche Drogen und der 68er-Freigeist tun ihr Übriges, damit die Schicksalsgemeinschaft noch ein bisschen depperter agiert. So bahnt sich die unausweichliche Katastrophe an.
Kinofilm-Rating
So unglaublich es scheinen mag, aber die Story zu Savage Grace erzählt die wahre Geschichte der Baekland-Dynastie. Alle Figuren im Film sind verbürgt, auf Fotos dokumentiert und deren Briefe erhalten. Der Film selber basiert auf dem gleichnamigen Roman von Nathalie Robins und Steven M.L. Aronson. Es ist ein dankbarer Filmstoff für Ausstatter und Kostümbildner. Die Dekadenwechsel vom New York der vierziger Jahre bis zum London in den Siebzigern sind gediegen, und Julianne Moore macht als Society Diva zu jeder Zeit eine gute Figur. Ferienstimmung macht sich breit bei den Szenen in den Cadaques und auf Mallorca, wo Elena Anaya die Sexyness des Films um den Faktor Sieben erhöht.
Bei aller Faszination für die dekadenten Figuren, sind sie leider nicht sehr vielschichtig und oft auch ein bisschen langweilig gezeichnet. Den Film umweht dieselbe Pseudointelligenz, die auch den drei Hauptfiguren eigen ist. Stellenweise wirkt er lächerlich. So bleibt Tonys Homosexualität unterschwellig, als ob sich der Regisseur nicht zu mehr getraut hätte. Dafür werden inzestuöse Spielereien voll und ganz ausgekostet. Auch der wirre Geisteszustand von Tony wird viel zu spät ersichtlich und wirkt ein bisschen deus ex machina.
So ist Savage Grace eine gelackmeierte Albernheit, wie sie aber das Leben wirklich schrieb, und ein weiteres Beispiel für die Verschwendung blendender Schauspielerinnen über Vierzig. Oder warum muss sich Julianne Moore dazu hergeben, einem debilen Bürschchen, wie aus der Prada-Werbung entsprungen, einen runterzuholen?
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