Reservation Road (2007)
Ein einziger Augenblick
Reservation Road (2007) Ein einziger Augenblick
Oder: ... Augen auf im Strassenverkehr!
Es ist ein schöner, lauer Septemberabend, als sich die Schicksale zweier Väter auf tragische Weise kreuzen. Der Collegeprofessor Ethan Learner (Joaquin Phoenix) ist ein aufopfernder Familienvater mit einer liebevollen Frau (Jennifer Connelly) und zwei äusserst musikalischen Kindern, Josh (Sean Curley) und Emma (Elle Fanning). Die glückliche Familie befindet sich auf dem Heimweg eines Freiluftkonzerts von Josh, als Emma dringend auf die Toilette muss. Nichts ahnend halten sie schliesslich an der nächsten Tankstelle.
Gleichzeitig eilen auch der genauso hingebungsvolle Vater und Anwalt Dwight Arno (Mark Ruffalo) und sein Sohn Lucas (Eddie Alderson) von einem Spiel der Red Sox nach Hause. Dwights Exfrau Ruth (Mira Sorvino) hat bereits einmal angerufen und ihm gehörig Dampf unterm Hintern gemacht, weil Lucas noch immer nicht zu Hause ist, als erneut das Mobiltelefon klingelt. Um die Kurve rasend und nach dem Telefon tastend gerät Dwight auf die andere Strassenseite. Gerade rechtzeitig kann er einem entgegenkommenden Auto ausweichen. Doch dabei übersieht er den am Strassenrand stehenden Josh und überfährt ihn. Geschockt und aus Angst hält Dwight jedoch nicht an, sondern flieht vom Unfallort.
Der Verlust seines Sohnes trifft Ethan schwer und er will den Verantwortlichen lieber gestern als heute gefasst sehen. Doch die Ermittlungen gehen nur langsam voran und so beschliesst Ethan die Sache selber in die Hand zu nehmen und schwört Rache.
Kinofilm-Rating
Wie es ist, ein Kind zu verlieren, will man sich gar nicht erst vorstellen. Wenn es dann noch durch einen Unfall passiert, muss der Schmerz wohl unendlich gross sein. Dies macht uns auch Reservation Road eindeutig klar. Der Film ist geradezu ein auf Emotionen und bedrückende Intensität getrimmtes Werk. Dazu zeigt man uns die Schauspieler vielfach mindestens nah (close-up) oder noch näher. Auch wird viel geweint oder einander umarmt.
Emotionen zu zeigen verlangt von einem Schauspieler immer ein bisschen mehr ab, als einfach schön auf Film auszusehen. Und dies meistern eigentlich alle hervorragend. Besonders Joaquin Phoenix ist gewohnt wuchtig und schafft den Wechsel zwischen trauerndem und rachsüchtigem Vater mühelos. Aber auch Mark Ruffalo ist grossartig. Bis jetzt haben wir ihn ja vor allem in romantischen Komödien (13 Going on 30, Just Like Heaven und Rumor Has It) und kleineren oder grösseren Nebenrollen (Eternal Sunshine of the Spotless Mind, Collateral und Zodiac) zu Gesicht gekriegt. Es ist aber zu hoffen, dass er sich in Zukunft auch weiterhin in so starken Hauptrollen zeigt.
Den beiden Hauptdarstellern ist es dann auch zu verdanken, dass die Äquivalenz ihrer beiden Figuren klar deutlich wird. Keiner ist dem Anderen überlegen und jeder hätte in umgekehrter Situation wohl gleich gehandelt. Dies rührt auch die Frage auf, wie viel Selbstjustiz darf und wo die Grenzen liegen müssen/sollten. Der Film gibt darauf keine klare Antwort, sondern überlässt uns vielmehr unseren eigenen Überlegungen.
Reservation Road ist ein stark gespieltes Drama, welches sich viel Zeit für Emotionen und Figuren nimmt. Damit sind auch eindeutig gewisse Längen verbunden und man hätte Dwight auch einmal weniger joggen und Ethan einmal weniger chatten sehen können. Immerhin rettet das für Hollywood eher ungewöhnliche Ende manches wieder und man verlässt das Kino nachdenklich und noch immer in den Film vertieft.
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4.3 Sterne (25 Bewertungen) | 1 Kommentar



