Redacted (2007)
Redacted (2007)
Oder: Wir sind alle Schnittopfer
Ein Zug US-Soldaten, wie es ihn wohl zu Tausenden gibt, ist in Samara im Irak stationiert. Trotz der Tarnfarben lassen sie sich als Personen unterscheiden: die belesene Brillenschlange, der tumbe Fettwanst, der überbesorgte Korporal, der sexsüchtige Südstaatler und ein Latino mit Videokamera, der die Truppe fürs Bewerbungsvideo zur Filmschule ständig filmt. Ihre Aufgabe ist es, den Zugang zur Stadt zu sichern. Strassensperren sollen Aufständige davon abhalten, mit explosivem Material anzurücken. Trotz mehrsprachiger Schilder mit Anweisungen kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. Man steht unter ständigem Stress.
Als die GIs eine hochschwangere Frau, deren Mann auf dem Weg ins Spital nicht abbremsen wollte, erschiessen, macht sich Kaltschnäuzigkeit bemerkbar. Im Zelt des Stützpunkts kommt es zu einem Handgemenge, weil nicht alle Soldaten gleichviel Mitgefühl für das Opfer empfinden. Die rassistischsten zwei Hitzköpfe planen beim nächtlichen Pokerspiel aber schon bald die nächste Gräueltat. Sie wollen einem 15-jährigen Mädchen, das täglich an der Kontrolle vorbei gehen muss, einen Besuch abstatten, um es zu vergewaltigen.
Blu-ray-Rating
Kriege verändern Welten, stürzen Regierungen, fordern meistens die falschen Opfer, und niemand kommt so zurück, wie er hingegangen ist. Was früher von weitem beobachtet wurde, wird heute beinahe Live über YouTube und Direktschaltungen von der Front übertragen. Soldatentagebücher waren auch eine der Inspirationen, welche zu Redacted geführt haben, denn dieser will mit seinem handgeführten Pseudodokustil in der gleichen Sprache seine Geschichte erzählen, wie viele der Soldaten von der Front berichteten.
Redacted wurde von den Mahmudiyah Morden inspiriert, bei dem fünf Soldaten der US-Army am 12. März 2006 ein 14-jähriges Mädchen in ihrem Haus vergewaltigt und anschliessend beinahe ihre ganze Familie getötet hatten. Regisseur Brian De Palma, der schon in Casualties of War einen realen Vorfall in Vietnam verfilmte, durfte bei Redacted allerdings nicht die Geschehnisse 1:1 adaptieren, da die Gerichtsverhandlungen zu der Zeit immer noch am laufen waren. Deshalb ist Redacted bis auf den eigentlichen Vorfall eine rein fiktive Story mit fiktiven Soldaten und fiktiven Dialogen. Bleibt die Frage, was überhaupt der Sinn und Zweck einer solchen Adaption ist. Eine Frage die über die ganze Laufzeit unbeantwortet bleibt.
Redacted beginnt mit dem Auswalzen des öden Alltags der Soldaten, der sich aus in den Baracken herumliegen und dem Stehen an Kontrollposten zusammensetzt. Teilweise blitzt sogar die Hilflosigkeit und der psychische Druck auf, welchem die Soldaten ausgesetzt sind, da sie jederzeit in die Luft gesprengt werden können. Meistens dominieren aber blöde Sprüche, und Dialoge, welche genau so platt sind, wie die Playboy-Mädels an der Wand, und man entwickelt kaum Sympathien für die Schablonesoldaten. Dazwischen gibt es einige Pseudoreportagen, welche auf die Missstände in Irak und die eher unpopulären Taten der Soldaten hinweisen. Doch meistens herrscht informationslose Langeweile, welche eigentlich nur noch wegen der grossartigen, durchaus realistisch anmutenden Bildern bei der Stange hält.
Besonders ein Aspekt stört bei der Pseudodokumentation erheblich: Laut dem Film reagiert das US-Militär überhaupt nicht auf das Verbrechen, und trotz anonymer Informationen werden die Soldaten in Schutz genommen. "Bist du sicher, dass er sie misshandelt hat, oder hat sie sich nicht einfach gegen die Verhaftung gewehrt?" In der Realität hingegen wurden alle Soldaten der Truppe - sogar die, welche nichts getan, aber auch nichts gesagt haben - entsprechend geahndet, verurteilt oder aus dem Militär entlassen.
Fazit: Redacted ist eine Pseudodokumentation, welche mit undurchsichtigen Motiven gedreht wurde und in dieser Art und Weise schlichtweg überflüssig ist. Wenn schon der Vorfall in einem Film aufgearbeitet werden muss, dann soll er wenigstens auf den realen Begebenheiten basieren und nicht auf etwas, was sich einige Autoren aus den Finger gesogen haben. So bleiben zwar einige schöne Bilder in Erinnerung, aber ansonsten verpufft Redacted, ohne jeglichen Eindruck zu hinterlassen, da man alles schon einmal wesentlich besser und intensiver in anderen Filmen gesehen hat.
Bei der Blu-Ray-Disc wird brillante Bildqualität, gestochen scharfe Bilder und glasklarer Sound geboten, so dass es ein Genuss ist (mit der richtigen Hardware natürlich). Allerdings gibt es kaum Bonusmaterial zum Film. Ausser einiger Trailer und einem Mitschnitt, was so hinter den Kulissen ablief, gibt es nur ein Interview mit Regisseur Brian de Palma, der zu erklären versucht, warum er den Film und weshalb er den Pseudodokumentationsstil gewählt hat. Viele Informationen werden allerdings nicht geboten.
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3.4 Sterne (12 Bewertungen) | 0 Kommentare
Blu-ray-Infos
Blu-ray erschienen am 05.02.2009
- Bildformat: Widescreen 1.78:1 (Anamorph)
- Sprachen: Englisch (DTS HD 5.1); Deutsch (DTS HD 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Interview mit Brian de Palma; Interviews mit Flüchtlingen; Hinter den Kulissen; Trailer


