Angel (2007)
Angel (2007)
Oder: Das Buch des Lebens
Wenn es für die junge Angel Deverell (Romola Garai) eine Sache gibt, dem sie sich bedingungslos hingibt, ist es das Schreiben. Nächtelang überträgt sie ihre bunte Gedankenwelt auf Papier. In der Schule werden ihren "Phantastereien" nicht ernst genommen, und auch ihre Mutter (Jacqueline Tong) unterschätzt ihr Talent. Nur Angel zweifelt nicht daran, und bald auch der Verleger Theo (Sam Neill), der trotz der unkonventionellen Schreibeweise ihr erstes Buch veröffentlicht. Sein Risiko wird belohnt: Der Roman wird ein Bestseller, und Angel produziert durch ihre unendlich scheinende Fantasie weitere am Laufband.
Immer schon war es überdies ihr Traum, einmal im prunkvollen Landsitz "Paradise House" zu wohnen. Als das Haus zum Verkauf steht, greift sie zu. Ihre Wünsche scheinen sich alle zu erfüllen, auch der der Liebe, denn mit dem Maler Esmé(Michael Fassbender) trifft sie den vermeintlichen Mann ihres Lebens. Esmé ist aber eigentlich genau das Gegenteil von Angel. Er hadert mit seinem Talent und weiss um das Geschehen in der Welt und um die Dringlichkeit, sich zu involvieren. Das treibt ihn dazu, in den ersten Weltkrieg zu ziehen. Verwundet kehrt er zurück, doch in seinem Innern ist er nicht mehr derselbe. Nur Angel glaubt daran, dass alles wieder so wird, wie es früher war.
Kinofilm-Rating
Aufstieg und Fall eines Stars, kommt einem das nicht bekannt vor? François Ozon gibt dies als einen der Gründe an, wieso dieser Kostümfilm auch heute funktioniert, obwohl er Anfang letztes Jahrhundert situiert ist. Biopics sind ja gerade angesagt, und Ozon liefert dazu die neuste Ausgabe, mit der Ausnahme, dass es Angel Deverell nie gab. Der Roman von Elizabeth Taylor bezog sich aber eng auf das Leben von Marie Corelli, einer längst vergessenen englischen Schrifstellerin aus dem 19. Jahrhundert.
Nun, sieht man die Ausstattung, könnte man meinen, Ozon wollte sich einfach mal so richtig austoben. "Materialschlacht" wäre kein abwegiger Ausdruck dafür. Budgetschonender ging er bei der Verpflichtung der Haupdarsteller vor. Romola Garai spielt passioniert, manchmal vielleicht etwas gar übertrieben. Grossartig hingegen ist Michael Fassbender, der Ire mit deutschen Wurzeln, der beweist, dass er mehr als einen muskelbepackten Krieger wie in 300 spielen kann.
Aber irgendwie fühlt sich dieser Ozon-Film nicht wie ein Ozon Film an. Er hat zwar eine Kernfigur, aber seine sonst verlässlichen Komponenten wie die Verschlüsselung des Plots oder die überzeichnete Darstellung von Szenen fehlt hier. Angel ist dem Zuschauer nie ein richtiges Geheimnis, sie ist im Grunde genommen ein talentiertes, ungezogenes Mädchen, das nie erwachsen wird. Lange weiss man nicht, ob man für sie Sympathie oder Abscheu hegen soll. Ich habe mich für zweites entschieden und auch dafür, diesen Film nicht zu mögen.
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