The Princess of Nebraska (2007)

The Princess of Nebraska (2007)

Oder: Schwanger in L.A.

The Princess of Nebraska

"Magst auch ne Zigi?"

Die Teenagerin Sasha ist erst vor vier Monaten von Peking in die USA gekommen. Im Film begleitet man die junge Chinesin 24 Stunden lang: Sasha (Li Ling) hält sich ein paar Tage in San Francisco auf und ist vor allem mit Shopping beschäftigt. Der eigentliche Grund der Reise ist allerdings ein anderer: Sasha ist im vierten Monat schwanger und steht vor der Entscheidung, ob sie ihr Kind abtreiben soll oder nicht. Sie kam nach San Francisco, um ihr Kind in einer Klinik weit weg von Omaha, Nebraska, wo sie eigentlich wohnt, abzutreiben.

Weder ihr Freund Yang, der in Peking lebt, noch ihre Eltern, die von nichts wissen, stehen ihr bei. Yang, ein junger Student an der Oper Peking, schwängerte sie, bevor sie China verliess. Sasha ist nicht die einzige, die für ihn schwärmt - auch Boshen (Brian Danforth), ein amerikanischer BBC-Journalist, verfiel Yang, als er ihn in Peking kennenlernte. Er unterstützte den jungen Sänger und lebte mit ihm zusammen. Als Sasha auftauchte, brach diese Beziehung zusammen. Boshen wurde zurück nach San Francisco versetzt und bietet Sasha nun Hilfe an. Diese nimmt seine Unterstützung nur widerwillig an. Schliesslich lieben sie denselben Mann, welcher allerdings nichts von ihr wissen will und sich nicht mehr meldet.

The Princess of Nebraska

"Huch, das bin ja ich!"

Sasha treibt durch die nächtlichen Strassen San Franciscos, lernt eine junge Chinesin kennen und zieht mit ihr durch Nachtclubs. Sashas naive Träumerei von sich als Prinzessin trifft auf die harte Realität ihrer Freundin, die ihr Geld als Prostituierte verdient. Beide - die schwangere Teenagerin und die junge Prostituierte - sind Teil der jungen Generation immigrierter Chinesen in den USA. Anders als ihre Eltern orientieren sie sich nicht an moralischen oder religiösen Vorbildern, sondern entscheiden in erster Linie für sich selber. So trifft auch Sasha ihre Entscheidung für oder gegen das Kind selbst - und ringt bis zuletzt damit.


Kinofilm-Rating

Wayne Wang (Smoke, Blue in the Face), der diesen Film als Diptychon mit A Thousand Years of Good Prayers herausbringt, zeigt eine junge Chinesin, die für ihre Generation steht: Aufgewachsen in China zu Zeiten des ökonomischen Booms und der Verwestlichung, zählen für Sasha lediglich materielle Güter und Vorbilder wie Paris Hilton. Sie interessiert sich weder für die Generation ihrer Eltern oder ihre Herkunft noch für die Vergangenheit. Geschichtliche Entwicklungen wie "Der grosse Sprung nach vorn" oder das Massaker auf dem Tiananmen-Platz sagen ihr nichts. Bei einem Nachtessen mit Boshens chinesischen Freunden wird über die aktuelle Politik Chinas diskutiert. Sasha, die weitaus Jüngste in der Runde, kann nicht mithalten und entgegnet kühl, die andern wüssten gar nicht, wie es in China ist. Damit hat Sasha nicht unrecht, denn die meisten dieser Chinesen leben schon seit Jahrzehnten in den USA.

Lieber als mit ihrer Herkunft beschäftigt sich Sasha mit ihrem Mobiltelefon, mit dem sie mit sich und der Welt kommuniziert. Ständig filmt sie sich selbst und führt Selbstgespräche, aufgenommen durch die Kamera. Auch ihre Umgebung nimmt sie oftmals filmend durch die Linse wahr, als ob das Authentische nicht genug wäre.

Ihre abgelöschte und selbstbezogene Art täuscht über ihre Verlorenheit hinweg: Die junge Chinesin in den USA ist haltlos und ohne Orientierung, sie weiss nicht, wohin sie gehört und träumt sich deshalb gerne als Prinzessin von Nebraska. Die Realität holt sie spätestens mit der Schwangerschaft ein, die nicht in ihre Pläne passt. Die junge Prostituierte, mit der sie sich anfreundet, ist sich bereits mehr Härte gewöhnt.

Sashas Verlorenheit wird deutlich bei ihrem Besuch in der Klinik, wo sie von einer verständnisvollen Ärztin über ihre Situation ausgefragt wird. Sie habe keine Ahnung, was sie machen soll, gesteht sie.

Das Ende des Films wurde von Regisseur Wayne Wang bewusst offen gelassen. Das lässt einen jedoch nicht frustriert zurück - ganz im Gegenteil: Der Film schafft es, die Spannung bis zum Ende zu halten und sich der jungen Sasha auf eine intime und gleichzeitig behutsame Art und Weise anzunähern. Ihre Sorgen und Ängste, ihre Träume und Hoffnungen werden durch authentische Dialoge und starke Bilder transportiert.

Die Intimität des Films rührt nicht zuletzt daher, dass The Princess of Nebraska eine kleine Produktion ist, gedreht mit einer Digitalkamera. Wayne Wang vergleicht die Kameraführung mit einem Jazz-Riff - frei, schwungvoll und teilweise improvisiert. Tatsächlich überzeugen die starken Bilder und die lockere Struktur des Films. So werden immer wieder unkonventionelle filmische Fragmente der Handykamera gezeigt. Genauso überzeugend sind die Darsteller, wobei bemerkenswert ist, dass gerade die starken Rollen (u.a. die Ärztin sowie Li Ling als Sasha) von keinen professionellen Schauspielerinnen besetzt sind.

3.7 Sterne
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18.06.2008 / sst

The Princess of Nebraska (2007)
Bewertung: 3.7 (2 Bewertungen)
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