Postal (2007)

Postal - Der Film

Postal (2007) Postal - Der Film

Oder: Alles sinnlos oder was?

Postal

Immer diese nervenden Pendler...

Dude (Zack Ward) ist ein Underdog, der bisher in seinem Leben überhaupt kein Glück gehabt hat. Seine Frau ist während der letzten Jahre so aufgeschwollen, dass sie kaum noch aufstehen kann und ihm das Leben zur Hölle macht. Er ist ohne Arbeit und hat weder Zukunft noch Perspektive. Nachdem er bereits einmal ins Gefängnis gekommen ist, versucht er nun, nach dem Gesetz zu leben und hält sich aus Problemen raus. Gerade deswegen sitzt er auch in dem völlig runtergekommenen Kaff mit dem klingenden Namen Paradise fest. Als Dude vom Sozialamt wieder einmal kein Geld erhält, besucht er seinen Onkel Dave (Dave Foley), der seine eigene Sekte gegründet hat. Dieser offeriert ihm eine Möglichkeit, schnell an sehr viel Geld zu kommen, doch Dude will dabei nicht mitmachen.

Postal

Das ist ein Kindergarten nach meinem Geschmack...

Dies ändert sich jedoch sehr schnell, als Dude einen Mann erschiesst, der ihn überfallen wollte. Schon ist er gewillt, bei Daves Vorhaben mitzumachen: Die einzige Lieferung einer sehr beliebten Puppe zu klauen und diese dann zu verscherbeln. Doch Dave ist nicht der Einzige, der hinter dieser Ladung her ist. Osama Bin Laden (Larry Thomas) ist mit seinen Selbstmordattentätern ebenfalls hinter diesen Puppen her, welche am nächsten Tag im Vergnügungspark Little Germany angeliefert werden. Sofort machen sich Dude und Dave auf und setzen ihren Plan in die Tat um. Doch Paradise wäre nicht Paradise, wenn alles nach Plan laufen würde. Schon bald haben Dave und Dude die Taliban am Hals, und es kommt zur blutigen Auseinandersetzung.


DVD-Rating

1997 kam ein Computergame namens Postal auf den Markt, welches weder eine Story noch irgendetwas bot, was mit einem Inhalt verglichen werden konnte. Es ging einfach darum, möglichst viele Personen, welche die Levels bevölkerten, möglichst kreativ umzulegen. Dabei waren den Spielern überhaupt keine Grenzen gesetzt: Von Fussballspielen mit weggeschossenen Köpfen, Anzünden und Anpissen von Leichen bis hin zu Benutzen von Katzen als Schalldämpfer war alles im Spiel enthalten. Dies machte es bei den Spielern sehr beliebt, bei den Sittenwächtern jedoch weniger. Jedenfalls kam es nie bei uns auf den Markt und ist auch in vielen anderen Ländern verboten.

Als Postal unter der Regie des umstrittenen Regisseurs Uwe Boll in Produktion ging, herrschte kaum Begeisterung, doch er versprach einen kontroversen Film, der die Grenzen des guten Geschmacks sehr strapazieren würde. Das abgelieferte Resultat ist jedoch nur halb so heiss gekocht wie angekündigt. Trotz einiger Sequenzen, welche den Wahnsinn von Postal aufgreifen, fällt die Kinoadaption lange nicht so krank aus wie die Vorlage. Dies kommt wohl auch daher, dass Uwe Boll mehr eine Komödie als ein brutales Amok-Gemetzel machen wollte und Postal als Basis dienen sollte, um auf alle Seiten kräftig auszuteilen. Amerikaner, Al-Quaida, Juden, Sekten, 11.9.-Opfer, Behinderte, Polizisten, Zwerge, Sozialsysteme, Deutsche, Blondinen, fette Weiber, Nachrichtensender, Nazis und sogar Boll selbst kriegen dabei ihr Fett weg und das nicht gerade harmlos. Deshalb wird auch jede Minute etwas durch den Dreck gezogen und da dies meistens einfach nur schlecht oder platt gemacht wird, hat der Spass sehr darunter zu leiden.

Filme wie Crank oder Shoot em' up haben vorgemacht, dass man auch ohne Story über 90 Minuten gute Unterhaltung bieten kann. Boll hätte nur nach diesem Muster arbeiten und die kranke Postal-Welt einfach darin eingliedern können. So wäre kurzweilige Unterhaltung geboten worden und man hätte sich regelmässig über brutale Geschmacklosigkeiten freuen können. Stattdessen ist es ein träger und langweiliger Streifen geworden, der weder dem Komödien-Genre noch dem Thriller-Genre gerecht wird und der dabei das Unkorrekte kultiviert, brutal unter die Gürtellinie schlägt oder einfach versucht, plakativ zu schocken. Da werden Kinder erschossen, Behinderte werden nicht gerade sauber zum Betteln gezwungen und als Leiter missbraucht, willigen Frauen wird in den Mund genotdurftet und Osama Bin Laden pflegt eine äusserst warme Freundschaft mit George W. Bush. Wem's gefällt, der kann darüber schmunzeln, andere werden wenig damit anfangen können.

Fazit: Postal ist klar ein weiteres Bollwerk, welches absolut provokativ sein soll und dabei kaum eine Geschmacklosigkeit auslässt. Zeitweise funktioniert das auch ganz gut, und wer mit einem sadistischen Humor ausgestattet ist, kann zwischendurch seine Freude an den vielen satirischen und politischen Elementen haben. Mehrheitlich ist Postal jedoch weniger kompromisslos, sondern eher eine träge und langweilige Komödie geworden, welche peinliche und schlechte Szenen bietet, die weder lustig noch gelungen sind. Da kann sich Boll noch eine grosse Scheibe an Team America: World Police abschneiden, welches dieses in "Live-Action South Park" einiges besser umgesetzt hat.

Die Test-DVD ist die Limited Special Edition. Eigentlich sollte man meinen, dass bei solchen Editionen darauf geachtet wird, den Film möglichst positiv zu präsentieren. Doch zu meinem grossen Erstaunen musste ich feststellen, dass bei allen Postal-DVD-Versionen, die bei uns in den Läden stehen, nur die deutsche Tonspur draufgedrückt wurde. Wer auch immer diese Entscheidung getroffen hat, sollte dringenst die Abteilung wechseln, denn so haben sie noch die letzte Möglichkeit verschenkt, wenigstens noch mit Wortwitz zu unterhalten. Das Bonusmaterial sind einige Musikvideos, ein Behind the Scenes Clip, der überhaupt nichts aussagt und ein Making of, welches Schauspieler zu Wort kommen lässt, die klar keine Ahnung haben, weshalb sie überhaupt in dem Film mitspielen. Der Audiokommentar von Uwe Boll hingegen gibt doch noch interessante Einblicke in die Ideen des Regisseurs.

2.0 Sterne 3.8 Sterne
2.0 Sterne (22 Bewertungen) | 5 Kommentare

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07.04.2008 / db


DVD-Infos

Limited Special Edition, erschienen am 13.03.2008

  • Bildformat: Widescreen 1.78:1 Anamorph
  • Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Audiokommentar des Regisseurs Uwe Boll (Deutsch & Englisch), Featurette, Deleted Scenes, Behind the Scenes, Musikclips von “Gotthard”; “Blind Guardian“; “Clawfinger”; “Anthrax”; “Hammerfall” und “Samael”