Pirates of the Caribbean: At Worlds End (2007)
Fluch der Karibik 3 - Am Ende der Welt
Pirates of the Caribbean: At Worlds End (2007) Fluch der Karibik 3 - Am Ende der Welt
Die Geschichte hat schon öfters gezeigt, dass ein Name nicht weit sein kann, wenn ein Blockbuster umgeht: Hans Zimmer. Oder wie er sich im Falle von Pirates of the Caribbean: At World's End betitelt: Hans "Long John" Zimmer. Nachdem er sich dieses Jahr mit The Holiday eine kleine, romantische Auszeit vom grossorchestralen Blockbuster-Scoring genommen hat (letztes Jahr vertonte er die beiden Gross-Vehikel The Da Vinci Code und Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest), meldet sich Zimmer nun mit der Musik zum dritten Piraten-Abenteuer zurück.
Pirates of the Caribbean: At World's End erfindet sich sicherlich nicht neu und ist sofort als Sequel-Score erkennbar. Was filmmusiktechnisch im ersten Teil als absolutes Chaos begann, wurde im zweiten Teil etwas stimmiger arrangiert und erhält nun mit der Musik zum dritten Teil eine weitere Entwicklung. Daraus wurde ein sehr unterhaltsamer Blockbuster-Score mit alten und auch mit einigen neuen Ideen.
Das Album eröffnet mit den Stück "Hoist the Colours". So gesehen, hört es sich an als eine Art Source-Music. Es handelt sich dabei um ein Piratenlied, das zuerst von einer Knabenstimme solo vorgetragen und dann von einem Chor übernommen wird und zu voller Grösse anschwillt. Dieses Stück wurde angeblich bereits für den ersten Teil des Piraten-Abenteuers komponiert, konnte aber aus kosten- und postproduktionstechnischen Gründen nicht fertig gestellt werden. Das Stück eröffnet das Album eher untypisch für die Musik der Pirates of the Caribbean-Franchise und auch nicht sonderlich spektakulär. Wenn die Melodie mit und ohne Chor später in der Komposition wieder aufgegriffen wird, entwickelt sie sich jedoch mehr zu einem eigenständigen Thema.
Mit dem Stück "Singapore" eröffnet dann die eigentliche Komposition. Sehr stark fernöstlich angehaucht und mit etlichen exotischen Instrumenten ergänzt, wird hier das Thema des Piratenlords Sao Feng präsentiert. Dieses Thema erhält durch den ganzen Score hindurch eher dürftige Entwicklungschancen (storytechnisch begründbar) und wird somit wohl schnell vergessen sein. Mit "At Wit's End" wird zum ersten Mal ein Teil des dreiteiligen Liebesthemas vorgestellt. Nach einer Passage mit mysteriösem Frauengesang im Stil von The Da Vinci Code eröffnet ein erhabenes und vollorchestrales Statement diesen Themen-Teil. Die streicherlastige Passage besitzt ausgeprägten Ohrwurmcharakter.
"Gspässig" geht es weiter mit dem Stück "Multiple Jacks". Die Soundkulisse, die hier geschaffen wird, erinnert stark an die Musiken von Thomas Newman. Die minimalistisch eingesetzten Synthesizer kreieren eine surreale (drogenähnliche) Atmosphäre. Ohne den filmischen Kontext wirkt dieses Stück auf der CD eher deplatziert. Andererseits sorgt es aber auch für Abwechslung in der Komposition.
"Up is Down" ist definitiv ein Highlight (nicht nur im Film). Eröffnen tut es mit einer neckischen Version des Sparrow-Themas und baut dann stetig auf, bis zum Abschluss noch ein Chorelement dazu kommt und das Stück schliesslich auf einen Knall endet. "I See Dead People in Boats" eröffnet mit einem ruhigen Statement des Love-Themes. Die Eigenart dieses Stückes liegt in der Orchestrierung: Zu Beginn hören wir über lange Strecken hinweg ein Oboen-Solo. Mit "The Brethren Court" lauschen wir erneut einer fernöstlich angehauchten Melodieführung. Deren Orchestrierung hat mich sofort stark an den Kompositionsstil von Rolf Kent für About Schmidt erinnert.
Anschliessend wird es in "Parlay" wieder etwas ominöser und dunkler, bis dann eine klar erkennbare Hommage an den Filmkomponisten-Altmeister Ennio Morricone erklingt. Das Orchester, mit elektrischer Gitarre und Mundharmonika gestützt, spielt eine Reminiszenz zu "The Man with The Harmonica" aus Once Upon a Time in The West. Dass Hans Zimmer gerne mal eine kleine Hommage an Morricone in seine Kompositionen integriert, wissen wir spätestens seit The Holiday. In "What Shall We Die for" erhalten wir die erste sehr massive und kräftige Präsentation des Songs "Hoist the Colours". Zuerst schwillt das Orchester an und zum Abschluss mischt sich dann noch der Chor mit ein. Ein schöner Swashbuckler(Säbelrassler)-Moment.
Soweit ist das Album recht farbig im Ton-Colorit und damit sehr unterhaltsam. Doch mit den letzten drei Stücken schiesst Zimmer den Vogel ab: Das gut 10-minütige "I don't Think Now is The Best Time" ist ein konstanter Actiontrack, der den Hörer nicht zur Ruhe kommen lässt. Der schönste und originellste musikalische Moment offenbart sich ab 6:49. Ab hier beginnt die Musik ein fantastisches Zusammenspiel mit den Bildern und der Handlung des Films. Die romantischen Zwischentöne sind im Actiongetose sehr willkommen. Durch die schnellen Streicher im Hintergrund lebt dieses Stück auch von einer grossen Dynamik, wie sie in früheren, trägeren Action-Kompositionen von Zimmer (wie z.B. The Rock oder auch neulich King Arthur) fehlte. Das Stück schliesst mit einem Media Ventures bzw. Remote-Control-Evergreen ab: Ein an Drop Zone erinnerndes Statement der Trailermusik zum Theatrical Trailer von The Curse of the Black Pearl. Nett und in etlichen Trailern immer wieder zitiert. Alles in allem erinnert das Stück von der Dynamik her an den alles lösenden Action-Track "The Train" aus The Legend of Zorro von James Horner (vielleicht geht das ja aber auch nur mir so).
Mit "Drink Up Me Hearties" kriegen wir eine sehr gelungene und prächtig arrangierte Suite vom ganzen essenziellen musikalischen Material der Pirates-Trilogie. Ein temporeicher und geschickt konzipierter Abschluss dieses gelungenen Albums.
Fazit: Hans Zimmer liefert mit seinem Soundtrack zu Pirates of the Caribbean: At World's End einmal mehr genau das ab, was ein Jerry-Bruckheimer-Streifen verlangt. Der vorliegende Score ist von der ersten Minute an (oder spätestens ab dem zweiten Stück) sofort als weiterer Pirates-Score zu identifizieren. Soll heissen, dass Zimmer keinen neuen Sound für den dritten Teil erfindet. Die Einflechtung aller essenziellen musikalischen Ideen und Einfälle aus den ersten beiden Teilen wird aber mit einem mehrteiligen und gelungenen Love-Theme mit Ohrwurmcharakter ansprechend ergänzt. Dies ist eine willkommene andere Seite des ansonsten hauptsächlich lauten und actionbetonten Scores. Mit gut 55 Minuten erhält der Hörer auch ein ordentlich ausgestattetes Album. Eine zusätzliche, gemäss Hans Zimmer bereits geplante, Silberscheibe mit den in Suiten arrangierten Themen wäre sicherlich interessant anzuhören und würde wohl ihr Publikum finden.
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