Persepolis (2007)

Persepolis (2007)

Oder: Iron Maiden im Iran

Persepolis

Die Orthographie-Polizei unterwegs

Am Gate ihres Fluges von Paris-Orly nach Teheran lässt die Exiliranerin Marjane ihr bisheriges Leben Revue nochmals passieren. Die unbeschwerte Zeit als kleines Mädchen zur Zeit des Schahs. Die ersten Teenagerjahre nach der Machtergreifung durch Ajatollah Chomeini. Ausbildung an der internationalen Schule in Wien. Reuige Rückkehr und Heirat in der Heimat. Scheidung. All dies vor den Umwälzungen von 1978, dem langjährigen Krieg zwischen Iran und dem Irak, und den tyrannischen Regimes, dem sich Marjanes Familie (Mutter, Vater, Grosi und vor allem der Onkel) immer entgegengestellt und trotzdem nie die Lust zu Leben verloren hat.


Kinofilm-Rating

Basierend auf ihrem eigenen vierbändigen Comic bringt Marjane Satrapi zusammen mit Co-Regisseur Vincent Paronnaud eine sehr persönlich gefärbte Geschichte des Irans ins Kino. Die intellektuelle und lebenslustige Iranerin schafft dabei den Spagat von unterhaltendendem Frauenschicksal und bitterbösem Politfilm. All dies in einem über weite Teile in schwarz-weiss gehaltenem Trickfilm.

Die regimekritischen Sequenzen erinnert an Art Spiegelmans Meistercomic Maus, die liebevolle und lehrreiche Beziehung zwischen Marjane und ihre Grossmutter an die La Boum-Reihe. Sehr lustig ist Marjanes Zeit in Österreich, wo sie den Punk entdeckt, nach dem sie schon im fundamentalistischen Teheran, "Iron Maiden"-Tapes wie illegale Drogen beim Schwarzhändler kaufen musste. Die erste (unglückliche) Liebe, pubertäre Körperveränderungen und die schreckliche Erlebnisse mit dem debilen Hund der Schlummermutter lockern den Film auf, der auch die Drastik im der islamischen Republik zeigt, und es deshalb schwer haben wird, im Iran überhaupt gezeigt zu werden. Ein Instant-Klassiker ist die Szene mit dem "Eye of the Tiger"-Thema aus Rocky 3.

Persepolis ist mutig, traurig, erhellend, lustig und in seiner Form als einfacher Animationsfilm universell einsetzbar. Nicht auszudenken, was aus dem Stoff geworden wäre, wenn man ihn wirklich mit Jennifer Lopez und Brad Pitt als Eltern verfilmt hätte, wie man das der Autorin im Vorfeld angeboten hat. Die Geschichte braucht keine detailgetreuste Animation. Es herrscht schwarzweise Zweckmässigkeit. Durch die Schlichtheit der gezeichneten Gesichter, wird die Botschaft nur verstärkt. In der französischen Originalfassung übernehmen Catherine Deneuve, Chiara Mastroianni und Danielle Darrieux die Stimmen. Noch nicht klar ist, wer für die deutsche Version sprechen wird.

5.0 Sterne
5.0 Sterne (58 Bewertungen) | 6 Kommentare

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27.05.2007 / rm