Persepolis (2007)

Persepolis (2007)

Oder: Hingehockt und zugeguckt!

Persepolis

Die Orthographie-Polizei unterwegs

Am Gate ihres Fluges von Paris-Orly nach Teheran lässt die Exiliranerin Marjane ihr bisheriges Leben Revue nochmals passieren. Die unbeschwerte Zeit als kleines Mädchen zur Zeit des Schahs. Die ersten Teenagerjahre nach der Machtergreifung durch Ajatollah Chomeini. Ausbildung an der internationalen Schule in Wien. Reuige Rückkehr und Heirat in der Heimat. Scheidung. All dies vor den Umwälzungen von 1978, dem langjährigen Krieg zwischen Iran und dem Irak, und den tyrannischen Regimes, dem sich Marjanes Familie (Mutter, Vater, Grosi und vor allem der Onkel) immer entgegengestellt und trotzdem nie die Lust zu Leben verloren hat.


DVD-Rating

Wer bislang Animationsfilme auf grosse und aufgeblasene Werke aus den verschiedenen Studios aus Hollywood reduziert hat, der dürfte die kleinen Perlen aus Europa verpasst haben. Persepolis ist so ein kleines, aber megafeines Stück Film, das auf den ersten Blick so gar anspruchsvoll und für viele wohl zu künstlerisch wertvoll aussieht, dass man kaum einen Blick zuviel auf die DVD-Hülle wirft. Das ist definitiv ein Fehler, denn Persepolis wurde nicht nur für einen Animations-Oscar 2008 vorgeschlagen, sondern schafft eine erstaunliche Brücke zwischen lustiger Unterhaltung, interessanter Geschichte und tragischer Realität.

Basierend auf ihren eigenen Comics hat die gebürtige Iranerin Marjane Satrapi ihr eigenes Leben nun in Ausschnitten als Animationsfilm veröffentlicht. Das geschieht mehrheitlich in Schwarz/Weiss und hat nur in der Aktualität (am Flughafen) einige Farbtupfer. Und wer nun denkt, eine Lebensgeschichte, Kriegserlebnisse und politische Geschehnisse seien uninteressant, trocken oder gar langweilig, der sollte sich definitiv Persepolis angucken.

Da gehts um ein freches Mädel, das gerne in Turnschuhen rumläuft, Hardrockbands hört und sich von der Oma Ratschläge fürs Leben abholt. Politische Turbulenzen, die erste Liebe (der sich dann als Schwul entpuppt...) und jede Menge zynischer Kommentare machen aus dem Film eine sehr gelungene Produktion, die von hemmungslosem Gelächter bis fassungslosem Staunen praktisch alles bietet, was das Filmherz begehrt.

Die Technik mag anfänglich ein bisschen gewöhnungsbedürftig sein. Die fehlende Farbe, die zum Teil recht simplen Animationen und die einfachen Figuren passen hervorragend zusammen und ergeben einen schönen, aber auch gleichzeitig recht bedrückenden Film, der jedem ans Herz gelegt werden soll, der mehr von einem Animationsfilm erwartet, als Friede, Freude, Eierkuchen und obendrauf noch ein herziges Tierchen.

Wer sich nach der Ansicht von Persepolis für mehr Details über die Macherin, die Produktion und die Hintergründe des Films interessiert, dem sei das recht informative Making-Of empfohlen. Ein paar zusätzliche Szenen und die offiziellen Trailer runden das Angebot ab, welches etwa 45 Minuten dauert.

Technisch kann vor allem der Ton überzeugen, wobei die französische Originalfassung sogar Catherine Deneuve als Stimme der Mutti zu bieten hat. Dafür ist die deutsche Synchronisation als Dolby Digital 5.1 abrufbar. Das Bild ist klar und macht vor allem in den "hellen" Szenen einen sehr guten Eindruck.

5.0 Sterne 4.6 Sterne
5.0 Sterne (41 Bewertungen) | 0 Kommentare

5.0 Sterne5 von 0.0-6.0
24.05.2008 / rm (Inhalt), muri (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 15.05.2008

  • Bildformat: 16:9
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Französisch (DD 2.0)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Making-Of, Zusätzliche Szenen, Trailer