Paranoid Park (2007)

Paranoid Park (2007)

Oder: He was a Sk8erboi

Paranoid Park

Wo geht's hier raus?

Alex (Gabe Nevins) ist 16 und geht noch zur Schule. Er hat eine hübsche Freundin (Taylor Momsen) und seine Eltern durchleben gerade eine Scheidung. Gemäss eigenen Angaben ist er kein sehr guter Skater. Trotzdem macht er sich eines Tages auf in den Paranoid Park, die berüchtigtste Skateranlage in Portland. Dabei kommt es zu einem Unfall, bei dem ein Parkwächter stirbt. Alex verdrängt seine Schuld am Geschehen, aber die Nachforschungen im Skatermilieu von Detective Richard Lu (Dan Liu) geben ihm zu denken.


Kinofilm-Rating

Gus van Sunt bleibt dem Stil seiner letzten beiden Werke Elephant und Last Days treu. Wieder hängt er sich einem Jugendlichen an die Fersen und verfolgt sein Leben, auch wenn dies teilweise vor Langeweile nur so strotzt. Diesmal befinden wir uns unter Skatern, was mit kultigen Super 8-Aufnahmen aus der Halfpipe (Kamera Rain Kathy Li), wie man sie aus den einschlägigen Videos kennt, schnell klar gemacht wird. Zum ersten Mal arbeitet van Sant auch zusammen mit Christopher Doyle, dem langjährigen Kameramann von Wong Kar-Wai, was die Wahl des anachronistisch wirkenden Academy Formats (1.33:1) noch etwas seltsamer macht. Man ist sich einfach nicht mehr gewöhnt, dass ein Bild auf der Leinwand dasselbe Format hat, wie das einer prä-HD-TV-Flimmerkiste.

Trotzdem sind es die im wahrsten Sinne traumhaften Bilder, welche die non-linear erzählte Geschichte ausmachen. Alex, der Skaterboy, schreibt sich seine Geschichte nämlich von der Seele, und springt dabei in der Zeit immer ein bisschen hin und her. Es kristallisiert sich dabei heraus, dass er nicht unbedingt schweigt, weil er Konsequenzen befürchtet. Der Zuschauer weiss nach etwa zwei Dritteln Laufzeit, dass die grauslig entstellte Leiche kein Mordopfer war. Vielmehr gibt es in Alex‘ Umfeld (fast) niemanden, der ihm wirklich zuhören würde. Seine abseits stehenden, berufsjugendlichen Eltern nicht, und schon gar nicht seine Freundin, die in erster Linie ihre Jungfräulichkeit verlieren möchte, um dies dann auch gleich brühwarm ihren Freundinnen per Handy mitteilt.

Die Darsteller für den Film wurden via MySpace gecastet, was dem Realitätsbezug des Films zusätzlich sehr zu Gute kommt. Wären die Doyles Kamerafahrten nicht sehr künstlerisch, würde man sich in einem Dok-Film wähnen. Doch leider gibt das Leben eines amerikanischen Teenies zu wenig her für erstens eine wirklich neue Geschichte, die dann zweitens auch noch auf die eine oder andere intellektuelle Weise auseinandergenommen werden könnte. Der Stil, welcher der Substanz in der Sonne steht, wirft seinen Schatten auch auf den Paranoid Park.

4.0 Sterne
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24.05.2007 / rm