Odette Toulemonde (2007)

Odette Toulemonde (2007)

Oder: Das wunderbare Leben einer Träumerin

Odette Toulemonde

Ach so stirbt Harry Potter....

Odette (Catherine Frot) hätte eigentlich keinen Grund zum glücklich sein. Sie arbeitet in einem Kaufhaus in der Kosmetikabteilung, obwohl sie selber sich nicht schminkt. Ihr Ehemann ist in ihren Armen gestorben. Ihre Kinder sind eine arbeitslose Tochter mit einem schmarotzenden Freund und ein schwuler Sohn, der seine Liebhaber öfters wechselt, als andere ihre Socken. Dennoch ist sie die Freude in Person, denn sie kann sich jeden Abend in ein Buch vom erfolgreichen Autor Balthazar Balsan (Albert Dupontel) vertiefen, dem sie schon lange ihr Herz geschenkt hat.

Balthazar Balsan hingegen ist die Traurigkeit in Person. Obwohl er schon unzählige Bücher verkauft hat, wird er von den Kritikern zerrissen, und seine Ehe ist schon lange nicht mehr das, was sie einmal gewesen ist. Als er noch herausfindet, dass seine Frau ihn mit seinem schlimmsten Kritiker betrügt, treibt ihn das zu Selbstmordversuch. Später, im Spital, findet er einen Brief wieder, den er während einer Buchsignatur von einer ungewöhnlichen Frau erhalten hat und ist zu Tränen gerührt.

Blind vom Wunsch, endlich einmal geliebt zu werden, sucht er diese Odette auf und schlüpft bei ihr unter. Der Beginn einer ungewöhnlichen Liebesromance...


DVD-Rating

Odette Toulemonde hat irgendwie etwas Verstaubtes an sich, obwohl der Film in der Gegenwart spielt. Odette arbeitet in einem altmodischen Kaufhaus mit Stempelkarte, bei ihr zu Hause stapeln sich Revue-Kostüme und die Musik die sie hört ist den 30ern und 40ern entliehen. Dies macht den Film aber keinesfalls altbacken, sondern verleiht ihm einen gewissen Charme, den oftmals nur französische Produktionen zu Stande bringen. Ein grosser Hit in dieser Hinsicht ist besonders die Tanzszene im Ferienhaus.

Auch dass sich der Film an der Grenze zur Lächerlichkeit bewegt, geht nur durch, da es sich um ein französisches Werk handelt. Denn zwar wären fast alle Mädchen irgendwann einmal für die Unterschrift einer gewissen Berühmtheit gestorben, dies aber jenseits der Vierzig zu tun ist irritierend - und die Klischees, von denen sich der Film nährt, z.B. der schwule Friseur, sind fast schon ein bisschen zu verbraucht.

Den Charakter der Odette und ihre Herzlichkeit muss man fast mögen. Was aber ein wenig ermüden kann, ist ihre Weltfremdheit und vor allem ihre Naivität. Sätze wie "Wo meldet man sich denn an für den Nobelpreis?" lassen sie unnötigerweise dumm erscheinen. Auch gewisse Werte, die sie äussert, sind in der heutigen Welt kaum vertretbar. Wie zum Beispiel, dass es nicht so schlimm sei, wenn man vom eigenen Mann betrogen wird: Man müsse dies akzeptieren und als Frau einfach drüber stehen.

Ansonsten aber ist der Film ein äusserst unterhaltsames Märchen mit der versteckten moralischen Botschaft, dass es nicht immer das Wahre ist, langbeinige Geliebte zu verschleissen, snobistische Ehefrauen zu haben und ein scheinbares Glamourleben zu führen. Sondern es viel schöner sein kann, sich mit den einfachen Dingen des Lebens zu begnügen und glücklich zu sein.

Von der technischen Seite muss man anfügen, dass die Schwebeszenen sehr unecht und lächerlich wirken. Man hätte sich bei den "Special Effects" also getrost mehr Mühe geben können und die Ausstattung der DVD ist auch eher 0815: Ein Making Of, Trailer und ein paar Fotos vom Filmdreh.

Fazit: Odette Toulemonde ist ein wenig abgehoben und mindestens genauso verträumt wie die fabelhafte Welt der Amélie - der Film versucht uns unter anderem weiszumachen, dass aufgrund des Arbeitens in der Unterwäscheabteilung eines Kaufhauses schon drei Frauen an Brustkrebs gestorben sind -, lässt man sich aber darauf ein, ist er ganz bezaubernd.

3.8 Sterne 3.2 Sterne
3.8 Sterne (7 Bewertungen) | 1 Kommentar

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11.06.2008 / db (Inhalt), kat (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 21.05.2008

  • Bildformat: 16:9
  • Sprachen: Deutsch, Französisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Making Of, Fotogalerie, Trailer