No Country for Old Men (2007)

No Country for Old Men (2007)

Oder: Los Jungs, holt euch die Kohle!

No Country for Old Men

Ein ertragreicher Tag.

Llewelyn Moss (Josh Brolin) ist ein gemütlicher Siech. Im tiefsten Texas liegt er Tags auf der Lauer, um irgendwelche Steppentiere mit dem Zielfernrohr zu erlegen. Eines Tages entdeckt er in einer Tiefebene ein paar Trucks herumstehen, und bemerkt bald, dass da nicht nur ein paar Wagen sondern auch ein Haufen Mexikanerleichen in der Sonne schmoren. Und bald entdeckt er auch den Grund: Einer der Trucks ist mit Heroin beladen, und in einem anderen findet er einen Koffer vollgestopft mit Geld. Über zwei Millionen Dollar. Irgend etwas ist da wohl mit dem Warenaustausch schief gelaufen. Moss überlegt nicht lange, schnappt sich den Koffer und fährt nach Hause zurück in seinen Trailer.

Im gleichen Augenblick schafft es Chigurh (Javier Bardem) irgendwie aus der Zelle des Sheriffs Bell (Tommy Lee Jones) zu entfliehen, und auch gleich den Hilfs-Sheriff zu strangulieren. Chigurh ist komplett irre, was dazu führt, dass er Dinge anders erledigt, als die meisten Leute. Eins steht aber fest, Chigurh weiss von dem Drogendeal, und macht sich wie die noch lebenden zuhause gebliebenen Mexikaner auf die Jagd nach der Kohle. Und dann gibt es noch Wells (Woody Harrelson), der sich im Auftrag einer Agency ebenfalls an die Fersen Moss heftet.

No Country for Old Men

Tammi. SMI schon wieder um 10 Punkte gefallen.

Llewelyn braucht nicht lange, um zu merken, dass ihm jemand auf der Spur ist. Er schickt seine Frau zu ihrer Mutter und sucht selbst mit dem Geld das Weite, zumindest so lange, bis sich die Lage wieder beruhigt, denkt er. Doch was er nicht weiss, ist dass zusammen mit dem schönen Geld auch noch ein kleiner Transceiver steckt, und der entsprechende Empfänger seinem Besitzer per Beepton mitteilt, wie nahe die beiden Geräte sind. So eine Art Barryvox.

Da keiner der oben genannten Fraktionen besonders zimperlich ist, reiht sich bald ein Blutbad hinter das andere...


Kinofilm-Rating

Frei nach der Romanvorlage von Cormac McCarthy gedreht, steht No Country For Old Men der Name Cohen Brothers förmlich ins Gesicht geschrieben. Das Herrliche an ihren Filmen ist immer, wie zwischen leicht bekloppten und völlig normalen Leuten die absurdesten Dialoge zustande kommen. Und absurde Gestalten gibt es in diesem Streifen massig. Chigurh zum Beispiel, schleppt die ganze Zeit eine Art Schlachtschussapparat mit sich, eine Gasbuttel mit Schlauch, dessen Ende normalerweise dazu benutzt wird, Rindern vor dem Schlachten das Gehirn zu zerstören, damit sie beim Schlachtvorgang nichts fühlen. Das Teil benutzt er dann mit Menschen ("Kann ich mal?"), aber auch zum Türen öffnen und allerlei anderen Sachen.

Überhaupt wirkt das ganze Setup sehr authentisch. Nimmt man einmal an, dass es so einen Psychopathen wie Chirgurh wirklich gibt, würde man sich die Reaktionen der gemütlichen Texaner genau so vorstellen, wie es die Cohen-Brüder erzählen. Es geht jedoch in diesem Streifen nicht primär um komische Dialoge mit irren Gestalten, sondern um etwas, das die Cohens schon immer beschäftigte: Die Moral. Die Motive der Charaktere sind von Anfang an ziemlich klar definiert, und so dreht sich das Spiel um das Verlangen, reich zu sein (Koffer) im Konflikt zum entstehenden Schaden (Leute töten).

Stellt man Fargo und No Country For Old Men gegenüber, so entstehen doch einige Parallelen. In beiden Streifen scheint der Polizistencharakter die einzige vernüftige Person überhaupt zu sein. Beide spielen irgendwo im amerikanischen Gaggo, beide Filme sind recht blutig, und musikalische Untermalung wird sparsam bis gar nicht eingesetzt. Und trotzdem ist No Country For Old Men keine Comedy, sondern ein verwegenes Meisterwerk mit unterhaltsamen Charakteren, grandiosem Drehbuch und superben Schauspielern.

4.9 Sterne
4.9 Sterne (161 Bewertungen) | 83 Kommentare

5.0 Sterne5 von 0.0-6.0
23.05.2007 / neh