The Nines (2007)

The Nines (2007)

Oder: Die Macht des grünen Armbandes

The Nines

"Kommst mit mir zwei Tage nach Paris?"

Gary (Ryan Reynolds) ist ein TV-Star auf Alk-Entzug und steht unter strengstem Hausarrest. Einziger Kontakt zur Aussenwelt sind seine Bewährungshelferin Margaret (Melissa McCarthy) sowie die geheimnisvolle Nachbarin Sarah (Hope Davis). Während seines Aufenthalts im goldenen Käfig trifft Gary wiederholt auf die mysteriöse Nummer Neun, die eine wichtige Rolle in seinem Leben zu spielen scheint. Aber welche?

Gleiches fragen sich auch Drehbuchautor Gavin (nochmals Ryan Reynolds), der gerade sein TV-Drama fertigstellt und Videospiel-Designer Gabriel (Ryan Reynolds zum Dritten), der sich während eines Familienausflugs mit dem Auto verfährt. Déjà-Vu's und mysteriöse Ereignisse sorgen für latente Verunsicherung. Und immer wieder taucht die Nummer Neun auf. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen mit der Welt...


Kinofilm-Rating

Regisseur John August hat seine Meriten in Hollywood in erster Linie als Drehbuchautor für Filme wie Big Fish oder Charlie's Angels abverdient. Nun hat er sich selbst ein Drehbuch auf den Leib geschrieben: The Nines kommt mit in drei virtuos ineinander verschachtelten Episoden, betitelt "The Prisoner", "Reality Television" und "Knowing", als elegantes cineastisches Puzzlespiel daher. Dabei fehlt kein einziges Teilchen, glasklar passt alles wunderbar zusammen und souverän wird der Film bis zur letzten Szene zu Ende geführt.

Allerdings: Die zugrunde liegende Geschichte und die Lösung, welche übrigens bereits am Ende des zweiten Teils verraten wird, ist, wenn auch bündig und klar nachvollziehbar, ein wenig dürftig. Man kann August deshalb den Vorwurf machen, seinen Film als Fingerübung inszeniert zu haben, um die eigene Virtuosität in hellstem Licht erglänzen zu lassen. Eine Art Sergej Rachmaninov des Filmes also. Der russische Komponist und Pianist war bekannt für seine hochanspruchsvollen Klavierwerke und immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, er wolle mit seinen Stücken, die er selbst zu spielen pflegte, vor allem seine aussergewöhnliche Fingerfertigkeit als Pianist unter Beweis stellen.

Doch genauso wie Rachmaninov trotzdem ein grosser Komponist bleibt, soll auch der positive Eindruck von The Nines nicht wesentlich geschmälert werden. Der Film ist nämlich durch und durch gelungen und wartet auch mit einigen schönen Einzelszenen auf: So darf man sich beispielsweise darauf freuen, wie Julie Delpy-Lookalike Hope Davis den Peggy-Lee-Klassiker "Is That All There Is" zum Besten gibt. Ein erotisches Highlight des Filmes. Auch Gilmore Girl Melissa McCarthy hat einen stimmigen Gesangsauftritt mit "As Long As He Needs Me". Gegen diese beiden Damen hat der Hauptdarsteller, Milchgesicht Ryan Reynolds, manchmal etwas Mühe, zu bestehen. Trotzdem bleibt beeindruckend, was Regisseur August aus den drei in erster Linie für TV-Serien tätigen Darstellern rauszuholen vermag in ihren Triple-Rollen.

Viel mehr soll hier nicht verraten werden, da sonst akute Spoiler-Gefahr besteht. The Nines vereint Elemente von Memento, The Matrix und Abre los ojos - ohne aber ein blosses Plagiat zu sein. Eine exzellente, sorgfältige Erzählweise und tolle Schauspieler verdecken dabei gekonnt den etwas dünnen Grundplot.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (7 Bewertungen) | 2 Kommentare

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05.09.2007 / ebe