Molière (2007)

Molière (2007)

Oder: Molière in Love

Molière

"Ich liebe diese neuen Kochsendungen!"

Im Jahr 1644 ist Jean-Baptiste Poquelin, besser bekannt als Molière (Romain Duris), noch ein unbekannter junger Schauspieler und Dichter. Er träumt davon, grosse Tragödien zu spielen und zu schreiben, hat dafür aber überhaupt kein Talent und wird auf der Bühne sogar mit Gemüse beworfen. Als er eines Tages bei einem Auftritt von zwei Steuereintreibern aufgefordert wird, seine Schulden zu bezahlen, macht er sich zur grossen Freude des Publikums noch auf der Bühne über diese lustig, was grosse Folgen für ihn haben wird. Man wirft ihn ins Gefängnis, wo er schmoren soll, bis er seine Schulden bezahlt hat, wird aber schon bald vom reichen Händler Jourdain (Fabrice Luchini) befreit, der seinen Auftritt beobachtet hat.

Jourdain will Molières Schulden bezahlen, wenn dieser ihm im Gegenzug dabei hilft, ein kurzes, selbstgeschriebenes Theaterstück einzustudieren, um damit das Herz der jungen Edeldame Célimène (Ludivine Sagnier) zu erobern. Da Jourdains Frau Elmire (Laura Morante) nichts davon erfahren soll, wird Molière als Geistlicher Tartuffe in den Haushalt der Jourdains eingeführt, der die jüngste Tochter der Familie unterrichten soll.

Molière

1,2,3 - 1,2,3

Molière möchte erst so schnell wie möglich abhauen und zu seiner Schauspieltruppe zurückkehren, ist aber bald derart von der schönen Elmire fasziniert, dass er sich dazu entschliesst, doch eine Weile zu bleiben. Während Jourdain sich vom mittellosen Adligen Dorante (Édouard Baer) mehrfach übers Ohr hauen lässt, kommen sich Molière und Elmire, die von Molières Talent ganz begeistert ist, allmählich näher. Es folgen zahlreiche amouröse und romantische Verwicklungen, die Molières dichterische Zukunft entscheidend prägen.


Kinofilm-Rating

Bevor Molière 13 Jahre lang mit seiner Schauspieltruppe durch Frankreich zog, allmählich Berühmtheit erlangte und seine grössten Erfolgsstücke schrieb, gab es in seinem Leben eine Zeit von wenigen Monaten, von der man heute kaum etwas weiss. Der Film Molière von Regisseur Laurent Tirard versucht, diese Lücke in der Biografie des Dichters zu füllen, indem die (fiktiven) Geschehnisse jener Zeit als Inspiration für Figuren und Handlungsstränge verschiedener seiner späteren Meisterwerke gezeigt werden. Das Ganze hat kaum den Anspruch von historischer Korrektheit, und zweifellos hat man Ähnliches in Filmen über grosse Literaten schon mehrfach gesehen - Shakespeare In Love wäre wohl eines der berühmtesten Beispiele für dieses Schema. Das ist dem Unterhaltungswert des Filmes jedoch keineswegs abträglich, denn anstatt noch eine weitere Adaption eines Molière-Stückes zu sein, wird hier - die Namen der Filmfiguren lassen es Kenner von Molières Werken schon erahnen - das Leben des Dichters selbst als solches dargestellt.

Eine bunte Palette von meist liebenswerten Filmfiguren - von lächerlich über berechnend-hinterhältig bis herrlich wortgewandt - tummelt sich durch eine aufwändig ausgestattete Szenerie, die zwar oft pompös erscheint, jedoch nie zum Selbstzweck wird. Besonders überzeugend sind jene Szenen, in der Hauptdarsteller Romain Duris (L'Auberge Espagnole) sein komödiantisches Talent zeigen darf und die Geschehnisse um sich herrlich ins Lächerliche zieht. Die Liebesgeschichte dient in einem traditionelleren Sinn den typischen Irrungen und Wirrungen einer Komödie (und hier wird es zuweilen auch mal etwas kitschig), sie erklärt jedoch letztlich Molières Entscheidung, sich trotz allem gegen die geliebte Tragödie und für das bisher eher verachtete Komödienschreiben zu entscheiden.

Eine tolle Ausstattung, überzeugende Darsteller und nicht zuletzt ein unterhaltsames Drehbuch, das die Zuschauer öfters mehr als nur etwas schmunzeln lässt, spricht für diesen französischen Film, der anders als viele Kostümschinken weder verstaubt noch bierernst daherkommt. Molière- und Theaterfans, die nicht auf absolute historische Korrektheit beharren, dürften hiermit einen unterhaltsamen Kinoabend verleben.

4.2 Sterne
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17.06.2008 / pps