A Mighty Heart (2007)

Ein Mutiger Weg

A Mighty Heart (2007) Ein Mutiger Weg

Oder: Warum man lieber nicht Journalist wird

A Mighty Heart

Whiteboard Lessons

Es war am 23. Januar 2002, als sich Mariane Pearls (Angelina Jolie) Welt für immer änderte. Ihr Ehemann Danny (Dan Futterman), Redaktionsleiter der asiatischen Division des Wallstreet Journals, hatte ein Meeting mit einem Informanten, welches ihn nach Karachi führte. Als er aufbrach, meinte er, dass es eventuell nicht mehr bis zum Abendessen zurückschaffen würde. Er kehrte überhaupt nicht zurück.

Die Entführung schlägt hohe Wellen. Wochenlang versucht die im siebten Monat schwangere Mariane, das Schicksal ihres Ehemanns zu klären, ohne die Hoffnung auf ein Lebenzeichen aufzugeben. Dabei wohnt sie bei ihrer indischen Studienfreundin Asra (Archie Panjabi). Hilfe hat sie von zwei Journalistenkollegen und einem amerikanischen Diplomaten.

A Mighty Heart

CTU Headquarters

Diskussionen werden aber auch auf höchster politischer Ebene geführt. Der damalige amerikanische Aussenminister Colin Powell macht Druck auf Pakistans Präsident Musharraf, welcher auch die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellt. Und so finden sich in kurzer Zeit weitere Ermittler in Asras Haus, unter anderem der Chef der neu gegründeten Antiterroreinheit Pakistans, ein Mann namens Captain (Irrfan Khan), sowie das FBI.

Nach fünf Wochen frustrierter und entmutigender Suche finden sie den Drahtzieher der Kidnapper, einen bekannten Aufständischen namens Omar Saeed Sheikh (Alyy Khan), auch Bashir genannt. Doch dieser hat die Verschleppung nur eingefädelt, und ist gar nicht mehr auf dem Laufenden über den Zustand von Danny Pearl...


DVD-Rating

Die Anti-Krieg-Filmbewegung in Amerika hat, wie es den Anschein macht, noch immer nicht ihren Höhepunkt erreicht, weshalb A Mighty Heart als Werk in einer bereits stattlichen Reihe eingeht. Menschenfreundin Angelina Jolie wurde diese Rolle quasi auf den Leib geschrieben, weshalb es kaum überrascht, dass sie ihren Job gut macht. Trotzdem, irgendetwas fehlt da. Die Reaktion, als sie vom Tod ihres Mannes erfährt, ist sehr surreal, überzeugt nicht, und mit französischem Akzent zu sprechen reicht einfach nicht aus um aus der Schauspielermasse hervorzustechen.

Generell betrachtet weist der Film Längen auf: Laufzeit = 103min, gefühlte Laufzeit = 3 Stunden. Es geschieht nicht viel ausser reden, reden, reden: Journalisten mit Pakistanis, Pakistanis mit anderen Pakistanis, Journalisten mit der CIA, die CIA mit der örtlichen Polizei und das Ganze durchzogen mit Flashbacks der glücklichen Beziehung von Mariane und Danny Pearl. Falls das Ziel war, das Leben der Pakistanis authentisch darzustellen, ist auch dies misslungen, weil alles aussieht wie festgelegte, inszenierte Szenen und nicht wie das zufällige Beobachten einer Gesellschaft (die meisten Szenen wurden aus Sicherheitsgründen auch gar nicht in Karatschi gedreht, sondern in Indien). Ganz überflüssig sind auch die Hochzeitsszenen am Schluss, die ausser unnötigerweise auf die Tränendrüse zu drücken nichts aussagen und fehlplaziert sind.

Grossen Respekt und Bewunderung möchte ich allerdings für die echte Mariane Pearl äussern. Sich nach dem Tod des eigenen Mannes vor die Medien zu stellen und auszusagen, man dürfe sich nicht terrorisieren lassen, auch wenn dies Opfer bringe, ist tapfer. Wie realistisch und wahr eine solche Aussage sein kann, bleibe dahingestellt, denn von Natur aus sind wir Menschen mit Gefühlen und Egoismus, vor allem wenn es um unsere Nächsten geht.

Ein weiteres Plus ist der Einblick in die fremde Kultur, welchen man durch die beinahe dokumentationsartige Produktion erhält, denn solche Einblicke sind wichtig. Nicht nur um das uns Fremde kennen und verstehen zu lernen, sondern auch, um aufmerksam zu machen auf das Leid und die Verzweiflung von Menschen, die mit und neben uns existieren. Als Aufklärungsfilm und Werk mit Botschaft ist A Mighty Heart deshalb gelungen und wichtiger als manche Hollywood-Mainstreamproduktion und somit genau die Kragenweite von Regisseur Michael Winterbottom. Diesem verdanken wir schon andere Krieg thematisierenden Filme wie The Road To Guantanamo oder Welcome To Sarajevo. Sein Heimspiel fällt allerdings eher flach und geradlinig aus.

Die Extras der DVD sind knapp, dafür aber interessant ausgefallen. Ein Filmchen über den Schutz von Journalisten in Krisengebieten und Informationen zur Daniel Pearl Stiftung. Dazu noch ein obligates Making-Of. Mehr oder weniger Eigenwerbung also, in diesem Falle aber angebracht.

A Mighty Heart ist kein ausdrücklich schlechter Film, aber einer, der definitiv in der Masse untergeht, die schöne Angelina Jolie hin oder her.

3.9 Sterne 4.0 Sterne
3.9 Sterne (28 Bewertungen) | 1 Kommentar

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09.06.2008 / neh (Inhalt), kat (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 23.05.2008

  • Bildformat: 2.35:1 (anamorphic widescreen)
  • Sprachen: Englisch, Deutsch, Türkisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Englisch, Deutsch, Türkisch
  • Extras: Making Of, Bekannmachung: Pearl-Stiftung, Komitee zum Schutz von Journalisten