Meine schöne Bescherung (2007)
Meine schöne Bescherung (2007)
Oder: Ihr Kinderlein kommet
Meine schöne Bescherung erzählt eine Weihnachtsgeschichte in einer "polynuklearen Familienstruktur". Sara (Martina Gedeck) und Jan (Heino Ferch) haben zusammen vier Kinder: eins aus Jans erster Ehe mit Eva (Rosa Enskat) und je eins von Sara und ihren drei verflossenen Ehemännern Andi (Roeland Wiesnekker), Erich (Rainer Sellien) und Gunnar (Andreas Windhuis). Nur das gemeinsame Kind der Liebe fehlt Sara noch zum grossen Glück.
Nun steht Weihnachten vor der Tür, und Sara hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie hat - ohne Jan, dem schon die Anwesenheit von Saras Mutter beim Familienfest ausreicht, vorzuwarnen - die restlichen Elternteile ihrer vier Kinder eingeladen und deren neue Familien gleich mit. Als Jan das erfährt, gibt es bereits kein Zurück mehr, denn die ersten Gäste stehen schon vor der Tür.
Dass das Weihnachtsfest eher chaotisch denn besinnlich sein wird, ist schnell klar. Eifersüchteleien und Gemeinheiten bleiben nicht aus. Und dann gesteht Jan Rita (Jasmin Tabatabai), Andis neuer Frau, in der Sauna, dass er sich heimlich hat sterilisieren lassen, weil er findet, vier Kinder sind genug. Kurz darauf verkündet Sara vor versammelter Tafel ihr Weihnachtsgeschenk an Jan: Sie erwartet ihr viertes Kind. Damit gerät Zündstoff in die Geschichte, denn Sara ist entsetzt, weil Jan sich gar nicht freut. Während sich sein Geheimnis nach und nach herumspricht - nur Sara erfährt nichts davon - sucht er misstrauisch den Schuldigen, den wahren Vater des Kindes, unter den Weihnachtsgästen.
Kinofilm-Rating
Meine schöne Bescherung von Regisseurin Vanessa Jopp und Produzentin Manuela Stehr (Alles auf Zucker) ist ein Familienfilm für Erwachsene. Er handelt von der Liebe - zum Partner, der Familie und vor allem zu den Kindern - spart nicht mit Ein- und Zweideutigkeiten, bietet Slapstick und Drama. Denn hinter der schönen Kulisse öffnet sich bald der eine oder andere Abgrund.
Auch an Weihnachten ist in diesem Film auf den ersten Blick eigentlich alles ganz normal, z.B. das Durcheinander im Besenschrank, das unmögliche Gastgeschenk der neuen Nachbarn - ein Riesenkaktus gleichsam ein Phallussymbol mit einigen Extra-Auftritten - oder die nicht mehr ganz knackigen Männer in der Sauna. Die angenehm unverwackelte Handkamera folgt Handlungen und Personen und vermittelt dadurch Intimität.
Martina Gedeck (Das Leben der Anderen) überzeugt in ihrer Rolle als Vollzeitmama, für die Kinder die Krönung der Liebe und überhaupt das Beste auf der Welt sind. Dass sie dabei aber auch einen gewissen Egoismus an den Tag legt, macht sie nur menschlicher. Heino Ferch gibt einen absolut glaubhaften überrumpelten, genervten, enttäuschten, wütenden Ehemann ab, der zu stolz ist, auch zu seinem eigenen Fehler zu stehen. Auch die restlichen Rollen sind gut besetzt. Dafür spricht, dass es trotz der vielen Charaktere nicht zu Verwechslungen kommt. Besonders gefallen hat der Schweizer Roeland Wiesnekker (Strähl), der hier sein komödiantisches Talent als Lebemann Andi, das komische Gegenstück zum eher ernsten Jan, richtig ausleben darf.
Der Film ist solide Unterhaltung. Einzig im zweiten Drittel häufen sich Fettnäpfchen und kleine Katastrophen unnötig und insbesondere die hysterischen Wein- und Schreikrämpfe sind nach meinem Gusto etwas zuviel "Drama, Drama, Drama!", obwohl die Komödie natürlich auch davon lebt.
Man mag Sara nicht so recht zutrauen, dass sie Jan betrügt, doch ihre Schwangerschaft "schleckt keine Geiss weg". Die Frage nach dem Vater des Kindes bestimmt darum die Handlung des Films. Und genau das ist im Grunde zutiefst weihnachtlich, mehr als das Blockflötenkonzert im Vorspann oder die singende Jungmannschaft: Kam Sara wie die Jungfrau zum Kinde oder war's am Ende vielleicht doch der Weihnachtsmann? Immerhin lautet der englische Titel des schwedischen Originals von 1999 In Bed With Santa...
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3.6 Sterne (11 Bewertungen) | 1 Kommentar



