Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler (2007)
Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler (2007)
Oder: Heil Helge?
Berlin 1944: Die Deutschen sind schon seit langer Zeit daran, den Krieg zu verlieren. Natürlich will dies aber niemand im Ministerium einsehen. Goebbels (Sylvester Groth) hält mit Propagandafilmen weiterhin das Volk munter, oder versucht es jedenfalls. Dabei kaschiert er, wo er nur kann. Nur beim Führer (Helge Schneider) kommt er nicht mehr weiter. Dieser sitzt mehr und mehr nur noch apathisch in seinem Büro, abgekapselt von der Umwelt, und bekommt die Zornesröte höchstens dann ins Gesicht, wenn der Kaffee nicht schmeckt.
Zum Wiederentfachen des Diktators alten Kampfgeistes setzt Goebbels ihm das grösste nationalsozialistische Feindbild vor - einen Juden. Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe), einst ein berühmter Schauspiellehrer, wird aus dem KZ Sachsenhausen geholt. Ausgerechnet er soll Hitler die Innbrunst zurück verleihen, und dass innerhalb ganzer fünf Tage. Ein unmögliches Unterfangen, wie Grünbaum es zuerst einschätzt. Zu zerrissen sei der Herrscher über das Dritte Reich. Nachdem Goebbels aber seine ganze Familie aus dem KZ befreit, versucht er dem anscheinend hoffnungslosen Fall doch noch zu behandeln.
Und siehe da: Nach einigen kleinen Widrigkeiten findet Hitler Gefallen an den Methoden von Grünbaum und fängt an, ihm zu vertrauen. Grünbaum kehrt das Innerste des Diktators heraus, was Hitler fasziniert und Grünbaum aufklärt. Denn der Hass auf die Juden gründet eigentlich in der Kindheit des Führers. Seinen eigentlichen Plan - Hitler zu töten - verwirft er, und hofft auf ein baldiges Ende des Krieges.
Auch Goebbels, der jede gemeinsame Sekunde der beiden überwacht, findet Gefallen an den Fortschritten des eigentümlichen Seminars. Innerlich hat er aber bereits mit seinem Vorgesetzten abgeschlossen und schmiedet zusammen mit Himmler einen gerissenen Plan, um selbst an die Macht zu kommen.
Kinofilm-Rating
Eigentlich ist nur schon die Idee, aus so einem heiklen Thema eine Komödie zu machen, haarsträubend und lobenswert zugleich. Dani Levy hat mit Alles auf Zucker bewiesen, dass er dazu fähig sein könnte. Und er tut gut daran, dass er im Film das K stets für Komödie verwendet, und nicht für Klamauk. Manche Gags sind nicht wirklich Brüller, aber nie ist einer wirklich doof und verunglimpflicht die Taten der Nazis. Das hätte sich Levy wohl auch nicht erlauben dürfen.
Auf der anderen Seite lotet der Regisseur das Spektrum nicht genügend aus. Vieles kommt dann doch ein bisschen zu brav daher. Der Film funktioniert am besten, wenn er den Zynismus als Waffe zückt: "Das mit der Endlösung der Judenfrage müssen sie ja nicht persönlich nehmen", wirft einmal Goebbels mit einem Lächeln Grünbaum ins Gesicht. Einfach so. Diese Dekadenz trugen die Nazis mit sich herum. So kalt waren sie, und genau das wird mit solchen Sätzen auch wiedergegeben.
Helge Schneider als Hitler. Barde, Blödelikone, Schauspieler, geht das gut? Rein äusserlich sieht er wie eine Karikatur aus, hat ein so aufgedunsenes Gesicht, man könnte meinen, er hätte sich auf der Strasse geprügelt. Schneider weiss genau, dass er hier nicht auf Clown machen darf. Er ist lustig, aber darum, weil er verletzlich oder überheblich ist. Er weint, man lacht, weil ein Adolf Hitler nicht weinen kann. Er verliert die Stimme, seine Lautstärke, und man findet: Klasse, der Kerl. Schneider nimmt Adolf Hitler nicht die Taten, dafür aber ein wenig vom Schrecken.
Eigentlich wäre vorgesehen gewesen, Hitler zentraler im Film stehen zu lassen. Doch nach den schlechten Rückmeldungen der ersten Testvorführungen überarbeitete Levy den Film nochmals. Die definitive Version mag Schneider nun gar nicht mehr und würde sie am liebsten ins Katzenklo spülen.
Durch Verkleinerung von Hitlers Part ist Ulrich Mühes Charakter der Dreh- und Angelpunkt des Films. Mühe muss sich gar nie erst mit der Gratwanderung von Ernst und Komik beschäftigen, denn er ist von der ersten Sekunde an ein Opfer, dass nichts zu lachen hat. Ein verstörter Jude zwischen den Fronten, dass ist er, einer, der nicht weiss, ob er Hitler töten oder bemitleiden soll. Schlussendlich macht er das letztere, und dass nur, um sich nicht auf die gleiche Stufe zu stellen. Seine Rolle ist das Fundament des Films, und dass ist Elend, Trauer, Schmerz und Leid.
Man konnte es wohl an den obigen Zeilen herauslesen: Mein Führer ist nicht soviel Komödie, wie man es haben möchte. Das Risiko fehlt. Natürlich weiss man um die Problematik, als Deutsche so einen Film zu drehen, aber es wäre nicht auszudenken, was Engländer aus diesem Stoff gemacht hätten. Hitler soll keine Ulknudel werden, dafür war dieses Kapitel zu schwarz, aber mehr Biss hätte gut getan. Und anhand der 2. Weltkrieg-Filmeflut in den letzten Jahren wird man sich überwinden müssen, nochmals das Thema aufzugreifen, auch in dieser heitereren Form.
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