Meet the Robinsons (2007)
Triff die Robinsons
Meet the Robinsons (2007) Triff die Robinsons
Oder: The Future is now!
Nach dem 124. resultatlosen Gespräch mit einem potentiellen Elternpaar merkt das Waisenkind Lewis, dass es langsam knapp wird mit seiner Adoption. Denn Kids, die älter als 13 sind, will ja keiner. Er tüftelt deshalb an einer Maschine, mit der man Erinnerungen wiederbeleben kann, um sich in die Nacht zurückzuversetzen, als ihn seine leibliche Mutter ausgesetzt hat. Nach einer Vielzahl von Nachtschichten, welche Goob, seinem Zimmergenossen im Waisenhaus, heftig zusetzen, schafft er es tatsächlich, so ein Ding zum Laufen zu bringen.
An einem Projekttag soll der Gedankenleser erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wie bei so vielen seiner Experimente zuvor, geht Lewis' Präsentation aber auch diesmal in die Hosen. Ein geheimnisvoller Mann mit Melone hat die Maschine sabotiert. Vor diesem wurde Lewis zwar kurz zuvor noch gewarnt, aber er schlug die Hinweise eines gewissen Wilbur in den Wind. Spätestens als dieser aber von seiner Zeitmaschine erzählt, ist unser kleiner Erfinder Feuer und Flamme. Er reist mit Wilbur in die Zukunft, trifft dort auf die etwas gestörte Familie Robinson und lernt von ihr, dass er die Weltherrschaft der Killermelonen zu verhindern hat. Weil's ein Disneyfilm ist, sind damit weder Brüste Russ Meyer'schen Ausmasses, aber auch keine Früchte gemeint, sondern die schwarzen Hüte, die man in England früher trug. Ihr wisst schon, einer wie der von Pan Tau.
Kinofilm-Rating
In Sachen digitaler Animation ist der Disney-Konzern schon immer den schlaueren Eierköpfen von Pixar hinterhergewatschelt. Man liess sie zwar im selben Stall brüten und sackte die Hälfte der Eier selber ein, aber als man 2005 zum erstem Mal selber etwas legen wollte, kam Chicken Little dabei raus. Kein richtig faules Ei zwar, aber die Ähnlichkeit zur Konkurrenzbrut war analog dem Inhalt einer Eierschachtel.
Disney musste damals Federn lassen. Nach einer legendären Reihe Zeichentrickfilme, die von Snow White and the Seven Dwarfs, dem ersten, bis Home on the Range, dem letzten, reichte, war Schluss mit der Handarbeit. Zu Teuer. Zu altmodisch. Animatoren wurden reihenweise entlassen, Studios in Florida und Paris geschlossen. Auch Pixar wollte von der Hühnerleiter springen. Nach dem Motto "If you can't beat them, join them" hat man sich 2006 entschlossen, die Walt Disney Feature Animation mit Pixar zu fusionieren. Die Cars liefen dann schon unter dem Namen "Disney Pixar" aus der Garage. Meet the Robinsons ist nun einer dieser Compi-Trickfilme aus der strittigen Phase der beiden Unternehmen, welche doch noch irgendwie vollendet werden mussten. Vielleicht hätte man es besser bleiben lassen.
Das Bilderbuch "Zu Gast bei Willi Robinson" von William Joyce wollte man bei Disney schon lange verfilmen. Mit schaudern denkt man an die geplante Realverfilmung, die wohl was im Stile von Thunderbirds geworden wäre. Nun ist's ein CGI-Werk und man zieht schnell mal Parallelen zu den Vorgängern. Da das Buch schon 1993 erschien, sind Vorwürfe, dass die einzelnen Figuren wahlweise aussehen wie ein weiterer Superheld aus The Incredibles, ein Nachfolgemodell der Robots oder die kleinen Brüder von Michigan J. Frog, bald entkräftet. In Buchform kamen die alle so oder oder ähnlich auch schon vor. Unoriginell wirkt diese futuristische Familie Robinson trotzdem. Sogar der Junge in der Hauptrolle sieht aus wie Jonathan Lipnicki in Jerry Maguire. Neben humanen Figuren, die alle gleich alt wirken, obwohl sie mindestens drei Generationen angehören, sind auch singende Frösche, ein violetter Tintenfisch und Thomas Gottschalk Teil der Sippe (Wenn man die deutsche Version schaut). Aber die Familie hat so viele Mitglieder, dass es den Rahmen hier sprengen würde, alle aufzuzählen. Leider wird ihnen auch im Film wenig Zeit gegeben, so dass man nicht wirklich mitbekommt, wer nun wer ist. Besonders wenn man weniger als zehn Jahre alt ist, und eigentlich zur Zielgruppe gehört. Auch ob die Kleinen beim Plot im Stile von Back to the Future 2 alles mitbekommen, ist fraglich.
Der Film wirkt überladen, fast so, als hätte man allen entlassenen Animatoren, die noch von Hand zeichneten, die Schubladen mit den angefangenen Ideen ausgeräumt und sie in einen Film gepackt hat. Man könnte sich gut vorstellen, für jedes einzelne Familienmitglied einen eigenständigen Film zu machen. Da drohen uns wohl Sequels en masse. Walt Disney hingegen würde seine Freude haben an der Message "Never quit" und dem Loblied auf das strebsame Tüfteln.
Getüftelt wird auch an der Projektionstechnik. In den USA läuft Meet the Robinsons in mehr als 600 Kinos in 3-D. Viele Szenen wirken deshalb wie für plastische Effekte gemacht. Zum Beispiel ein T-Rex, ohne den heutzutage wohl kein Kinderfilm mehr auskommt. (Siehe auch Night at the Museum). Da in der Schweiz aber nur drei Kinos dreidimensional projizieren werden (www.3dkinos.com), wirkt der Dinosaurier noch deplatzierter, als er sonst schon ist.
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