Max & Co. (2007)
Max & Co. (2007)
Oder: Soviel Geld für so wenig Film
Der Teenager-Fuchs Max (Stimme von Patrick Venetz) kommt auf der Suche nach seinem verschollenen Vater ins kleine Städtchen Saint-Hilare. Er findet Unterschlupf bei Madame Doudou (Stimme von Dodo Hug), einer grossbusigen Matrone, die ihm auch gleich einen Job als Liftmusiker bei Bzzz und Co. verschafft, der Flügetätscherfabrik, die gleichzeitig auch der lokale Hauptarbeitgeber ist.
Doch das Geschäft läuft mies. Patron Rodolfo (Stimme von Gilles Tschudi) hat die Fabrik von seinem Götti geerbt und interessiert sich mehr für Badekappenbeauties als Businesspläne. Betriebsökonomen wollen deshalb das Unternehmen durchleuchten und der totenschädlige Martin (Stimme von Patrick Frey) hat einen finsteren Plan, um den Fliegenklatschen-Verkauf anzukurbeln.
Die ersten Opfer sind die einfachen Angestellten. Sie werden auf die Strasse gestellt. Darunter auch der Vater von Fränzi (Stimme von Fabienne Hadorn), welche ein Auge auf Max geworfen hat. Das Mädchen und der Musiker finden als erste heraus, das die neue Bzzz und Co.-Werbekampagne mit der sexy Sängerin Katy (Stimme von Viola Tami) nur Fassade ist, um die eigentlichen Machenschaften zu verbergen. Doch die Einwohner im Dorf wollen den beiden nicht glauben. Vorerst...
Kinofilm-Rating
Das ist er nun also. Der teuerste Schweizer Film aller Zeiten. Über die Hintergründe zum 18 Millionen Euro-Projekt wurde allerorts schon geschrieben. Wie der Verleih, der US-Major Disney, die Vorführung auf der Piazza Grande in Locarno verhindert hat. Wo der Produzent Robert Boner überall eine Kinoauswertung plant. Wie das Bundesamt für Kultur über den eigenen Schatten sprang, und etwas mehr Geld als sonst üblich locker machte. Und nicht zuletzt allerlei Portraits über die beiden sympathischen Zwillinge Samuel und Fréderic Guillaume, die eine still gelegte Tetrapac-Fabrik im Welschland zum Animationsstudio umfunktionierten. Der eigentliche Film ging in all diesen Berichten ein bisschen unter. Nur zwischen den Zeilen spürte man eine leise Enttäuschung über das finale Werk. Das mag an der Verwöhnung durch die amerikanischen und britischen Genregenossen liegen, die schnell als Vergleich herbeigezogen werden. Aber ganz so schlecht, wie der Film im Vorfeld bereits gemacht wurde, ist er nicht.
Nur schon der Plan einen Stop-Motion-Film in der Schweiz herzustellen verdient Hochachtung. An Ideen mangelte es den Machern nicht. So spielt Max ein Bigoude genannten Instrument, halb Stromgitarre, halb Akkordeon und die Landschaft, in welcher der Film spielt ist ganz klar von der Gegend inspiriert, wo der Film entstand (Rund um Romont). Man zitiert auch die ganz Grossen. Zwei Zwillinge erinnern an Kubricks The Shining. Jeder Flug vor dem Vollmond ruft Steven Spielbergs E.T. ins Gedächtnis. Doch auch Undergroundhelden wie Howard Sterns Fartman können bei genauem Hinschauen erspäht werden. Doch man darf keine Gagdichte à la Pixar erwarten. Dass der Film ursprünglich eine kürzere Laufdauer haben sollte, ist ihm anzumerken. Drei lustige Fliegen (in der Schweizerdeutschen Fassung mit italienischem Akzent sprechend, wie die "Bräme" über dem Gotthard aus dem Evergreen der Geschwister Schmid) könnten für einen eigenen Kurzfilm stehen. Dem Film fehlt ein ganz grosser Spannungsbogen, der den Zuschauer von Anfang bis Ende mitfiebern lässt.
Die Schweizerdeutsche Synchronfassung ist hingegen auch im Vergleich mit dem französischen Original sehr gelungen. Beim luftibussigen Lebensmann Rodolfo hat man sogar das Gefühl, die Guillaumes hätten immer schon Gilles Tschudi im Visier gehabt, als sie die Figur kreiert haben. So perfekt passen Stimme und Gestus zum Basler. Natürlich ist es das übliche Dialektgemisch (Max ist sogar Walliser), aber nie denkt man an quäkige Kasperliplatten, auch wenn zwischendurch etwas gar viel Zugeständnisse an die jugendliche Gossensprache gemacht wurden.
Ob die Teenies von heute Max und Co. überhaupt sehen wollen, ist zu bezweifeln. Zielgruppentechnisch fällt der Film zwischen Stuhl und Bank. Den ganz Kleinen ist er vielleicht ein bisschen zu "gfürchig" und für die Grossen hat es zuwenig pop- und soziokulturelle Andeutungen. Sehenswert ist er vor allem wegen der Machart. Teile des Sets sind den auch im mehreren Multplexkinos der Schweiz ausgestellt. Eine weitere feine Idee, die nur möglich ist, weil der Film in der Schweiz entstand.
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3.0 Sterne (20 Bewertungen) | 7 Kommentare



