Madonnen (2007)

Madonnen (2007)

Oder: Willkommen in der Unterschicht

Madonnen

Prekärer Familienausflug

Rita (Sandra Hüller) ist ein sozialer Härtefall. Ihr fünftes Baby unter dem Arm - die anderen Kinder bei einer Pflegemutter - macht sie sich auf nach Belgien, um ihren Vater zu suchen. Sie findet ihn zwar, darf aber nicht lange zur Untermiete bleiben. Als sie ihren Stiefbruder mal kurz an der Muttermilch nuckeln lässt, ist Schluss mit der Gastfreundschaft.

Zurück in Deutschland kommt Rita erstmal in Haft. Kaum draussen, sucht sie ihre Bälger und versucht mit einem US-Soldaten, der in Deutschland stationiert ist, ein neues Leben aufzubauen. Doch ihre Kids kommen langsam in ein Alter, wo sie auch merken, wenn was schief läuft.


Kinofilm-Rating

Was bei den Gebrüdern Dardennes so einfach scheint, muss doch etwas schwieriger zu bewerkstelligen sein. Dies beweist die Deutsche Maria Speth mit Madonnen, einem grimmig-grauen Portrait einer Frau am Gesellschaftsrand. Semidokumentarisch zu zeigen, was ist, ohne filmtechnischen Firlefanz, ist die Intention, der sie sich in den länger wirkenden zwei Stunden unterordnet. Die belgischen Brüder schaffen jeweils trotz der Misere, in der sich ihre Figuren befinden, ansatzweise Spannung und Sympathie. In Madonnen wird man zu oft mit seinen Gedanken alleine gelassen wird. Die stumme, in sich gezogene Hauptfigur macht es schwierig, sich für sie zu interessieren. Da tauchen Fragen auf. Wie schaffte es die junge Frau so viele Kinder in die Welt zu setzen? Woher kommt ihre Vorliebe für schwarze Männer? Wer will sowas sehen? Gab es ein Drehbuch oder wurde die Order gegeben: "Murmelt einfach was!". Antworten darf man keine erwarten bei einem Film, wo sogar der Titel enigmatisch bleibt bis zum Schluss. Sicher ist nur, dass die talentierte Sandra Hüller bessere Filme verdient hätte. Vergessen gelassene Kinder jenseits von Kevin - Allein zu Haus schaut man sich interessanterweise in Nobody Knows an.

1.8 Sterne
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07.07.2007 / rm