Lust, Caution - Se jie (2007)
Lust, Caution - Se jie (2007)
Oder: Gefährlicher Geliebter
Shanghai, 1938. Seit einem Jahr ist die Stadt von den Japanern besetzt. Durch das Mitwirken in einer Theatergruppe der Universität gerät die schöne junge Chinesin Wong (Wei Tang) in eine Gruppierung junger Leute, die mit ihren Aufführungen die Welt verändern möchte und sich gegen die verhassten Japaner auflehnt. Bald reicht blosses Theater nicht mehr: Die Gruppe beschliesst, den ranghohen Kollaborateur Mr. Yee (Tony Leung) zu töten. Als Köder soll dabei Wong herhalten.
So freundet sich Wong erst mit Yees Ehefrau (Joan Chen) an und wird deren Spiel- und Shoppinggefährtin. Es geht nicht lange und sie gewinnt die verstärkte Aufmerksamkeit von Mr. Yee. Sie versucht, ihn zu verführen und in die Falle zu locken. Doch das Unterfangen scheitert, denn Yee ist übervorsichtig - so vorsichtig, dass er sich nicht einmal ins Kino wagt: zu dunkel. Die Ereignisse überstürzen sich und Wong muss flüchten. Erst drei Jahre später erhält sie nochmals Gelegenheit, sich an Mr. Yee ranzumachen. Diesmal gelingt es ihr und sie wird seine Geliebte. Damit setzt sie sich grösster Gefahr aus - denn ihr neuer Liebhaber ist so eiskalt wie rücksichtslos...
Kinofilm-Rating
Ang Lee braucht ja mittlerweilen nicht mehr gross vorgestellt zu werden. Mit Werken wie Brokeback Mountain, The Ice Storm oder Crouching Tiger, Hidden Dragon hat er sich seinen Platz in Hollywoods Olymp längst gesichert und darf sich unter vielem anderem auch Oscar-Preisträger nennen. Mit Lust, Caution präsentiert er uns wiedermal eine chinesische Produktion, die aber leider grösstenteils enttäuscht.
Die auf einer Short Story von Eileen Chang basierende Geschichte um Liebe, Leidenschaft und Verrat ist nun wirklich etwas abgestanden und wurde in leicht variierter Version schon tausendmal erzählt. Als ob sich Lee dessen bewusst wäre, päppelt er seinen Film in der zweiten Hälfte mit einigen recht deftigen und expliziten Sexszenen auf. Diese sind denn auch das, was vom Film am nachhaltigsten in Erinnerung bleibt. Sie bewegen sich an der fliessenden Grenze zwischen Erotik und Brutalität, sind aber in ihrer Intensität beeindruckend. Ansonsten wirkt die Geschichte wie ein Eintopf aus Versatzstücken beliebiger Liebes-, Spionage-, Sex- oder Kriegsstories, auf kleinem Feuer geköchelt und in üppigen und hochglänzenden Bildern serviert. An keiner Stelle wirklich mitreissend, fragt man sich, wie um alles in der Welt dieser Film zweieinhalb Stunden lang hat werden können. Fast scheint es, als sei dieser laaange Rest des Films lediglich Exposition für die paar Minuten Sex. Pornos verfahren da jeweils umgekehrt.
Natürlich ist nicht einfach alles schlecht. Dafür versteht Lee sein Handwerk als Regisseur schlicht zu gut. Dies äussert sich in einer sorgfältigen Inszenierung mit einem exzellenten Schauspielerensemble um Honkong-Superstar Tony Leung und die schöne Wei Tang. Und doch verfügt Lust, Caution nie genügend Potenzial, mehr zu sein als ein ordentliches erotisches Kriegsdrama. Vielleicht sind nur die gestiegenen Ansprüche schuld an der leisen Enttäuschung, die einem nach Verlassen des Kinosaals beschleicht. Doch nur schon gemessen an seiner Überlänge bietet der Film zu wenig.
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3.6 Sterne (19 Bewertungen) | 1 Kommentar


