Love in the Time of Cholera (2007)

Die Liebe in den Zeiten der Cholera

Love in the Time of Cholera (2007) Die Liebe in den Zeiten der Cholera

Oder: Diagnose unklar - Liebe oder Cholera?

Love in the Time of Cholera

"Bond, James Bond!"

Cartagena, Kolumbien, 1879: Bei einem seiner Botengänge verliebt sich der mittellose junge Telegrafenbote Florentino Ariza (Unax Ugalde) Hals über Kopf in Fermina Daza (Giovanna Mezzigiorno), die schöne Tochter eines vermögenden Maultierhändlers. Die beiden schreiben sich von da an heimlich glühende Liebesbriefe, bis ihr Vater, Lorenzo Daza (John Leguizamo) von der jugendlichen Liebe erfährt und mit seiner Tochter aufs Land fährt, um sie von dieser schlechten Partie fernzuhalten.

Der leidenschaftliche Florentino lässt sich von seiner Liebe aber nicht abbringen und wartet treu auf seine Geliebte, ohne irgendein anderes Mädchen auch nur anzusehen. Als Fermina einige Jahre später nach Cartagena zurückkehrt und Florentino (Javier Bardem) wieder trifft, wendet sie sich jedoch überraschend von ihm ab und heiratet schliesslich den vermögenden Arzt Juvenal Urbino (Benjamin Bratt).

Love in the Time of Cholera

"Guru guruuuu gururu"

Der verlassene Florentino ist am Boden zerstört und versucht, seinen Kummer bei unzähligen Frauen zu vergessen, die er alle sorgfältig in einem kleinen Büchlein auflistet. Er kann und will seine grosse Liebe jedoch nicht vergessen und ist fest entschlossen, geduldig zu warten, bis seine Geliebte wieder für ihn frei sein wird. 51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage nachdem er sich in Fermina verliebt hat, stirbt Juvenal Urbino schliesslich, und Florentino versucht noch einmal, das Herz seiner Geliebten zu erobern...


Kinofilm-Rating

Literatur-Nobelpreisträger Gabriel García Márquez hat mit seinem Roman "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" aus dem Jahr 1985 eine der angeblich schönsten Liebesgeschichten der Weltliteratur geschaffen. Leider hat Regisseur Mike Newell (Four Weddings and a Funeral) es aber trotz Starbesetzung (wie etwa Fernanda Montenegro (Central Station - Central do Brasil) in der Rolle von Florentinos Mutter), aufwendiger Ausstattung und epischer Musik von Weltstar Shakira nicht wirklich geschafft, eine mitreissende Lovestory auf die Leinwand zu bannen. Dabei hat der Film nicht einmal die Möglichkeit, wirklich kitschig zu werden, ganz einfach, weil während des ganzen Filmes kaum wirkliche Romantik aufkommt. Schuld daran ist die langatmige Inszenierung und die fast durchgehend farblose Charakterzeichnung: Die Figuren wirken allesamt flach und unsympathisch, die Männer sind entweder stereotype Tyrannen mit Zwirbelschnauz oder weinerliche Muttersöhnchen, und die Frauen sind (fast) alle einfach zu verführen und oftmals barbusig inszeniert.

Auch die schauspielerischen Leistungen lassen einiges zu wünschen übrig. Javier Bardem (Mar adentro), sonst ein absoluter Garant für gutes Schauspiel, vermag hier keine Glanzleistung zu bieten und den Film so doch noch etwas aufzuwerten - was aber zu einem grossen Teil an den teilweise wirklich schrecklichen Dialogzeilen liegt -, und das Spiel einiger der Nebendarsteller, allen voran John Leguizamo (Moulin Rouge), wirkt derart übertrieben und eindimensional, dass das Ganze eher an eine Telenovela als an grosses Kino erinnert. Wieso Javier Bardems Rolle als einzige in jungen Jahren durch einen anderen Schauspieler (der ihm jedoch tatsächlich verblüffend ähnlich sieht) dargestellt wird, bleibt zudem ein absolutes Rätsel. Besser hätte man dafür auf die wirklich schlecht gemachten Altersmasken verzichtet und ganz einfach ältere Schauspieler genommen, um die über 70-jährigen Figuren zu spielen.

Fraglich ist auch, wieso ausgerechnet ein britischer Regisseur diese grosse südamerikanische Saga umsetzen musste, und wieso das auch noch in englischer Sprache. Es lässt sich nur vermuten, wie der Film geworden wäre, wenn die vielen Stars des lateinamerikanischen Filmes hätten Spanisch sprechen dürfen. Gerade diese "Entwurzelung" des Stoffes lässt sich auch in den fast völlig fehlenden geschichtlichen Hintergründen des Filmgeschehens erkennen, die man so nur mehr erahnen kann. Die epischen Geschehnisse werden auf das Liebesgeschehen von Florentino und Fermina reduziert, und da man sich mit den meisten Figuren kaum identifizieren kann, vermag der Film es nicht wirklich, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Fazit: Florentino Ariza hat über 50 Jahre auf seine grosse Liebe gewartet, und fast genauso lang kommen einem die 138 Minuten des Filmes vor. Ich jedenfalls fand den Film teilweise fast peinlich klischiert, und ich habe mir den Schluss des Filmes richtig herbeigesehnt. Für die männlichen Zuschauer locken vielleicht die zahlreichen blanken Busen, wer aber wirkliche epische Romantik sucht, liest besser das Buch oder schaut sich noch einmal The English Patient an.

2.9 Sterne
2.9 Sterne (13 Bewertungen) | 1 Kommentar

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13.02.2008 / pps