Lissi und der wilde Kaiser (2007)

Lissi und der wilde Kaiser (2007)

Oder: was Tell kann, kann Sissi noch lange

Lissi und der wilde Kaiser

Lass mich dir den Marsch blasen...

Es gibt eine Zeit, da ist die Welt noch in Ordnung, und das wunderbare kaiserliche Traumpaar Lissi und Franz regiert über ein wunderbares Land. Es herrscht Harmonie, Geld gibt's genug, um damit zu heizen, und zwischen Schokoladenkugelgolf, Turteltag und Ballbesuchen wird noch etwas regiert. Diese Harmonie wird brutal unterbrochen, als Lissi vor Kaiser Franzls Augen von einem abscheulichen Monster entführt wird.

Sofort will Kaiser Franz seine Geliebte von diesem bösartigen Monster befreien lassen, doch da der grösste Teil seiner Truppen im Krieg ist und der Rest Überstunden einzieht, muss er selber Hand anlegen. Tapfer macht sich Kaiser Franzl, unterstützt von seinem Feldmarschall, auf den Weg und nimmt die Verfolgung des Biestes auf. Der grosse Schock kommt erst einiges später: Auf der Suche nach seiner Lissi findet er Fragmente einer Botschaft an ihn, welche ihm mitteilen, dass Lissi ihrem Entführer verfallen ist und dessen wilde Liebe geniesst.

Franzl ist erbost, wenn nicht gar geschockt und macht sich, mit kaiserlicher Wut im Bauch, auf die Jagd nach diesem Entführer. Weder Landesgrenzen, noch irgendwelche Jäger halten ihn auf. Schliesslich kommt es im Herzen von Bayern zum grossen Showdown.


Kinofilm-Rating

Mit Lissi und der wilde Kaiser präsentiert Michael "Bully" Herbig bereits die dritte Adaption aus seiner Bullyparade und dies nach Schuh des Manitu und (T)Raumschiff Surprise: Periode 1 zum ersten Mal als Animationsfilm. Was die Gründe sind, warum Bully Lissi als Animationsfilm herausgebracht hat, ist dem Rätseln freigegeben, doch es ist ihm überraschend gut gelungen.

Ja, obwohl es durchaus berechtigte Zweifel gab, liefert Bully eine gelungene Komödie ab, die wild von anderen Filmen zitiert und auch geschickt mit den gnadenlos überzeichneten Figuren spielt. Schon nach kurzer Zeit fühlt man sich mit den gut gerenderten Figuren wohl und vergnügt sich mit den kurzweiligen Szenensprüngen und den zum Teil berechenbaren, aber auch oft sehr überraschenden Einfällen.

Dennoch kränkelt Lissi und der wilde Kaiser dort, wo auch The Simpsons Movie seine Probleme gehabt hat. Wie bei der gelben Familie kann Lissi im ersten Drittel inklusive der gelungenen Einleitung köstliche Unterhaltung bieten und zitiert dabei geschickt aus mehreren Jahren Sketch. So können zum Teil recht sinnlose, aber dafür erfrischend amüsante Szenen geboten werden, die einen schnellen Zugang in die bizarre Welt des Kaiserpaares ermöglichen. Danach wird aber einige Gänge zurückgeschaltet. Das kommt primär daher, dass die eigentliche Entführungsgeschichte relativ wenig hergibt. Obwohl mit den importierten Jägern und dem Shrek-Yeti-Verschnitt immer etwas lauft, nehmen die auf-die-Uhr-guck und mässig lustigen Momente immer mehr zu.

So muss man sich mit einer Schwiegermutter abgeben, die verzweifelt auf Partnersuche ist, einem Feldmarschall, der bei jeder Gelegenheit etwas an den Kopf kriegt und einem depressiven König mit Zahnschmerzen. Obwohl Bully diesmal grösstenteils auf Witze unterhalb der Gürtellinie verzichtet, wirkt hier einiges bemüht. Langeweile kommt dennoch nie auf, und immer wieder kann Bully geschickt mit unerwarteten Einfällen die einsetzenden Hänger überbrücken.

Fazit: Lissi ist deutlich von Bully geprägt und kann vor allem im ersten Drittel aus mehreren Jahren Sketch und Comedyerfahrung profitieren. Danach, sobald es darum geht, die Kaiserin aus den Klauen des Biests zu befreien, flacht das ganze mehr und mehr ab. Munteres Filmeraten, die völlig überzeichneten Figuren, Slapstickhumor und einige kreative Einschübe überbrücken die einsetzenden Hänger bis zum Finale, die grossen Lacher bleiben dennoch dem Anfang vorenthalten. Wem Bullys Schaffen bisher zugesagt hat, wird sich in Lissi und der wilde Kaiser sicher pudelwohl fühlen.

2.8 Sterne
2.8 Sterne (35 Bewertungen) | 13 Kommentare

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05.10.2007 / db