Life Before Her Eyes (2007)

Life Before Her Eyes (2007)

Life Before Her Eyes

Nachdem sich Oscar-Preisträger James Horner im Jahr 2007 musikalisch nicht zu Wort gemeldet hatte, eröffnete er das Jahr 2008 mit einer gelungenen, dynamischen und überraschend dunklen Filmmusik zum Science-Fiction-Kinderfilm The Spiderwick Chronicles. Mit The Life Before Her Eyes folgt nun seine zweite Filmmusik für einen Vadim-Perelman-Film.

Hierzu wendet sich Horner ab vom grossorchestralen Sound und begibt sich zurück auf musikalische Pfade, wie er sie für House of Sand and Fog und The New World schon beschritten hatte. Dies überrascht wenig, da Regisseur Perelman in einem Interview im Vorfeld der Veröffentlichung von House of Sand and Fog betonte, dass er von Horner eine überwiegend ruhige Musik für seinen Film erwarte und den häufig anzutreffenden "Schmalz" nicht so sehr schätze.

Die Bedenken, die Perelman gegenüber Horners Schaffen hegte, waren unbegründet. Horners Musik für House of Sand and Fog brachte dem Komponisten nicht nur eine weitere Oscar-Nominierung ein, sondern veranlasste Perelman auch dazu, ihn für seinen nächsten Film zu engagieren. Nach der gemeinsamen Arbeit an The Life Before Her Eyes wünscht sich Perelman, dass Horner auch eine Komposition für sein drittes geplantes Projekt Atlas Shrugged (2009) liefern könnte.

Die Geschichte von The Life Before Her Eyes dreht sich um eine Frau, die durch das anstehende Ehemaligentreffen mit ihren Klassenkollegen an ihre Schulzeit erinnert wird. Zu diesen Erinnerungen gehört, dass ihre beste Kollegin dem Amoklauf eines Schülers zum Opfer gefallen war, während sie selbst durch Glück verschont geblieben war.

Dieser Stoff ist die Basis für ein ruhiges und intimes Drama, das entsprechend mit einer ruhigen und melancholischen Filmmusik unterlegt wird. Wie schon in den oben erwähnten Kompositionen und, etwas entfernter, in The Forgotten stützt sich Horners neuestes Werk überwiegend auf synthetische Klangflächen, über die er Soloklavierpassagen und Sologesang legt. Der Gesang kommt ohne Text daher und ist zu vergleichen mit ähnlichen Ideen, wie Horner sie für The New World einsetzte, wenn auch spärlicher dosiert.

Die Filmmusik ist überwiegend funktional angelegt und orientiert sich dabei eng am Bild- und Story-Verlauf des Spielfilms. Einzig in den Stücken "Becoming Close Friends" und "The Gift of a Necklace" ist im Klavierspiel ein kleines aber feines Thema anzutreffen. Leider wird diese Idee von Horner nicht weiter aufgegriffen und das Album fliesst in melancholisch-dunklem Ton weiter.

Was dem Score etwas fehlt, ist eine bestimmte Richtung, eine dramaturgische Struktur. Eine solche scheint erst in den letzten beiden Stücken "Two Worlds - The Past and the Future" und "Young Diana's Future - a Future that could have been" etwas durch. Überraschend eröffnet dann das letzte Stück mit harter Perkussion, eine kompositorische Idee, die vorher im Score nirgends aufgegriffen worden war und daher etwas kontextlos wirkt. Sie erinnert stark an vergleichbare Einsätze der Synthesizer in "Winter - Batter" von The New World, verhalt dann jedoch schnell wieder.

Fazit: James Horners neuestes Werk wird wohl kaum hohe Wellen schlagen. Auch wenn es durchaus schöne Ideen und Momente für Klavier und Gesang darin hat, so plätschert die Musik zwischen diesen Höhepunkten zu lange ohne klare Richtung vor sich hin. Für Fans des Schaffens vom Komponisten sowie Liebhaber sehr ruhiger und melancholischer Musik ist das Album sicherlich interessant. Wer Horners gross angelegte Orchesterarbeiten bevorzugt, wird hier eher unbeeindruckt zurück gelassen.

33
10.05.2008 / bab

Sountrack-Infos

Komponisten
James Horner

Release
Label: lakeshorerecords.com
Laufzeit: 53 Minuten

Tracks

An Ordinary Day

Diana - A Future To Be?

Becoming Close Friends

All The Memories From An Old Photo Album

The Gift Of A Necklace

Choose! Time To Decide

Diana Gets Hit By A Car

Two Lives Slowly Converging

Diana's Young Conscience Is Finally Formed

10 

The Memorial - The Laying Of Flowers

11 

Two Worlds; The Past And The Future

12 

Young Diana's Future - A Future That Could Have Been?