Lagerfeld Confidential (2007)

Lagerfeld Confidential (2007)

Oder: Zum Modezar geboren

Lagerfeld Confidential

Da schau her, der Herr!

Der Mann ist eine Legende. Sagt man Sonnenbrille, Pferdeschwanz und Modedesinger ist klar, dass von Karl Lagerfeld die Rede ist. Der Chefdesigner von Chanel ist einer der einflussreichsten Modemacher unserer Zeit. Ist er wirklich so arrogant, wie er auf den ersten Blick wirkt. Tut er nur so, oder ist er auch schwul? Wie war das Verhältnis zu seiner Mutter? Und wie sieht er ohne Brille aus? Nur einige der Fragen, die Rodolphe Marconi in dieser ersten von Lagerfeld autorisierten Dokumentation beantwortet. Lagerfeld ganz privat - oder Lagerfeld confidentiel, wie der Franzose zu sagen pflegt.


Kinofilm-Rating

Der Volksmund sagt: "Genies haben immer ein bisschen einen an der Waffel". Das stimmt wohl auch für Karl Lagerfeld. Der Mann hat ca. 70 iPods in allen Formen und Farben und liest sich jeden Morgen seine Silberringe aus einer Früchteschale voller Fingerschmuck aus. So ist es zumindest in den ersten Minuten von Lagerfeld Confidential zu erkennen. Lagerfeld wuselt darin frühmorgens durch seine Wohnung und ist im Aufbruch begriffen. Wohin die Reise in der Limousine mit Chauffeur geht, und was er eigentlich den ganzen Tag so macht, ist am Ende nicht vollends klar. Er wird knackige Jungs fotografiert, mit Nicole Kidman zusammengearbeitet und ein paar Entwürfe gemalt haben (Mit Tipp-Ex wohlgemerkt). Er wird in Paris und New York gewesen und sein und - zumindest gedanklich - auch in Norddeutschland, da wo er geboren wurde. Aber Arbeit kann man das ja wohl nicht nennen. Lagerfeld gibt dies auch gleich selber offen zu, wenn er seine Schneiderinnen beobachtet. Ihre Arbeit sei noch richtiges Handwerk, mit Geduld habe die Tätigkeit zu tun. Etwas, was Lagerfeld komplett abgeht. Er ist der Mann mit den Ideen. Ausführen müssen es andere.

Man darf es fast nicht sagen, aber der Mann ist schon über 70. Immer noch vif im Geiste und so sehr auf die Zukunft ausgerichtet, dass man schon fast von einer Verdammung des Vergangenen reden könnte. Auf zurückliegende Erfolge bildet sich der Mann überhaupt nichts ein, und er hasst alle Menschen die solches tun.

In sieben ausführlichen Gesprächen nähert sich Realisator Rodolphe Marconi der Modeikone. Es war nicht einfach, an Lagerfeld heranzukommen, aber schliesslich gehörte er zwei Jahre lang zur erweiterten Entourage, nachdem der Mann in Schwarz Freude an einem seiner Spielfilme hatte. Trotz der Home-Video-Atmosphäre des Films gelingt es ihm, die Aura dieses interessanten Zeitgenossen einzufangen. Allzu kritisch wird es dabei aber nie. Am Zurich Film Festival sagte der Regisseur, er könne nur Filme drehen über Leute, die er mag. Deshalb ist auch die wildeste Enthüllung, die der Film zu bieten hat, einen Blick auf Lagerfelds Gesicht ohne Brille. Den ganzen bizarren Rest hat man bei einem Portrait über ein Genie schon fast vermutet.

4.5 Sterne
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10.10.2007 / rm