I Am from Titov Valley - Jas sum od Titov Veles (2007)
I Am from Titov Valley - Jas sum od Titov Veles (2007)
Oder: Im Schatten der Fabrik
Titov Veles ist eine Stadt in Mazedonien, die seit der Unabhängikeit des Landes eigentlich nur noch "Veles" heisst. Die Industrialisierung, namentlich eine grosse Stahlfabrik, haben ihre Spuren hinterlassen. In Veles leben die drei Schwestern Afrodita (Labina Mitreska), Sapho (Ana Kostovska) und Slavica (Nikolina Kujaca). Ihr Vater ist verstorben, die Mutter verschwunden.
Afrodita, mit 27 Jahren die Jüngste, ist trotz ihres symbolträchtigen Namens noch Jungfrau. Seit dem Tod ihres Vaters weigert sie sich, zu sprechen. Sapho, die Mittlere, setzt alles daran, das Land zu verlassen und hängt sich deswegen an alle Männer, die ihr dabei helfen können, ein Visum zu erhalten. Slavica, die Älteste, ist schwer drogenabhängig und arbeitet in der Fabrik. Mit 35 Jahren hat sie Torschlusspanik und ist verzweifelt auf der Suche nach einem Ehemann.
Kinofilm-Rating
Das Fremdenverkehrsamt von Veles dürfte wohl nur beschränkt Freude haben an vorliegendem Film, auch wenn der (alte) Städtename prominent im Titel erscheint. Denn Jas sum od Titov Veles beschreibt die Stadt als düsteren, trostlosen Moloch mit einer alles dominierenden Fabrik, deren Geratter und Getöse weit herum zu hören ist. Man meint die deprimierende Perspektivenlosigkeit der Bevölkerung förmlich einatmen zu können.
Regisseurin Teona Strugar Mitevska hat sich gemäss eigener Aussage von einem Zeitungsartikel zu ihrem Film inspirieren lassen. Thema ihres Werkes ist das Leben im heutigen Mazedonien, rund 10 Jahre nach dem Ende von Ex-Jugoslavien. Dieses ist nicht etwa einfacher geworden, Armut und das Fehlen jeglicher Perspektiven machen den Menschen zu schaffen. Anhand des Schicksales der drei Schwestern Afrodita, Sapho und Slavica wird dies auf bewegende Art und Weise gezeigt.
Das Ganze wird aus der Sicht der Hauptfigur Afrodita erzählt, die sich zu sprechen weigert und damit ihre Schwestern an den Rand der Weissglut treibt. Labina Mitevska - übrigens die Schwester der Regisseurin - gibt diese Figur als zerbrechliche, sensible junge Frau, die ihre Träume trotz düsterer Realität nicht aus den Augen verliert.
Von Anfang an lässt der leise, unaufdringliche Film keine Illusionen, dass die Schwestern nicht wirklich eine Chance haben. Gerade deswegen fehlt es ihm wohl auch an Spannung und an einer Story, die den Zuschauer mitzureissen vermag. So interessant der Einblick in die andere Welt nur wenige hundert Kilometer vor unserer Haustür auch sein mag, hätte man sich doch einige dramaturgische Schliffe gewünscht, um das Ganze etwas flüssiger zu machen. Da hilft auch ein dramatisches, tragisches Finale nicht sehr viel. Lohnen tut es sich trotzdem, sei es nur darum, Mazedonien mal von nahe zu sehen. Und vielleicht möchte man ja doch noch mal nach Titov Veles reisen. Das dortige Stadtmarketing jedenfalls wäre sicher dankbar,
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