J'ai toujours rêvé d'être un gangster (2007)

J'ai toujours rêvé d'être un gangster (2007)

Oder: Hände hoch! - Wenn es Ihnen nichts ausmacht...

J'ai toujours rêvé d'être un gangster

Gangsterbraut?

Kapitel 1: Drew Barrymore. Eine Cafeteria irgendwo an einer Hauptstrasse in der französischen Pampa. Ein maskierter Räuber (Edouard Baer) bereitet sich vor, die Kasse zu plündern. Doch nicht nur hat er keine Pistole, zu allem Übel sieht er durch die übergezogenen langen Unterhosen nichts und läuft in einen Pfosten. Zu seinem Glück hat die hübsche Kellnerin (Anna Mouglalis) Mitleid mit dem Möchtegern-Ganoven.


Kapitel 2: Why do you want to kill yourself, sweety? Kinderzimmer in einer Luxusvilla. Ein junges Mädchen (Selma El Mouissi) versucht sich das Leben zu nehmen, als es von zwei Kidnappern entführt wird. Die beiden wollen 500'000 Euro Lösegeld erpressen - Übergabe soll der Parkplatz der Cafeteria werden. Aber die beiden liebenswerten Taugenichtse sind bald mit dem suizidalen Teenager überfordert...

Kapitel 3: Oh Gaby! Zufälligerweise treffen sich zwei Bands in der Cafeteria. Die beiden Bandleader (Arno, Alain Bashung) kennen sich aus frühen Jugendjahren. Beide geben vor, eine erfolgreiche Kariere hinter sich zu haben. Bis der eine den anderen beschuldigt, sein erfolgreichstes Stück würde auf seinen Gitarrengriffen aufbauen.

Kapitel 4: Everything has changed. Und überhaupt, früher war alles besser. Früher war an der Stelle der Cafeteria ein kleines Häuschen mitten im Wald voller Wildschweine. Das Häuschen diente fünf Räubern als Versteck nach ihren Überfällen. 28 Jahre später kehren sie als alte Männer erst für ein Versprechen, dann für einen letzten Coup zurück.


DVD-Rating

Auch wenn Samuel Benchetrits Episodenfilm nicht das hält, was das reisserische Cover verspricht - die Frau, die mit nacktem Oberkörper, die Pistole in den Hosenbund gesteckt, ein Baby stillt, kommt so im Film nämlich gar nicht vor -, so bleibt es doch eine durchaus gelungene und sehenswerte Komödie über Gangster, Räuber und Banditen und solche, die es gerne werden wollen.

Der Film erzeugt bewusst ein Retro-Feeling, einerseits dadurch, dass er durchgehend in Schwarzweiss gehalten ist, andererseits auch durch die Musik, die, wie früher in Stummfilmen, willkürlich den Szenen unterlegt wird, ohne sich deren Rhythmus anzupassen. Bei der Auswahl dieser Stücke beweist Benchetrit ein feines Händchen und stellt dabei eine bemerkenswerte Vielseitigkeit unter Beweis. Von Franz Schuberts Klaviersonaten, Ragtimes von Scott Joplin (dessen wunderbar melancholischer "Real Slow Drag" so etwas wie das Titelstück des Filmes ist) über Adriano Celentanos "24 Mila Baci", Domenico Modugnos "Volare", Pat Boones "Speedy Gonzalez" bis hin zu Bob Marleys "I shot the Sherriff" (das in der Story übrigens eine wichtige Rolle spielt und für den Tod eines Hundes verantwortlich ist): Für fast jeden Geschmack ist etwas dabei.

Dank seine Machart verströmt der Film eine angenehm lakonische Grundstimmung. Dazu tragen natürlich auch die exzellenten Darsteller bei, deren mit Begossene-Pudel-Mienen begleitete Tollpatschigkeit man einfach mögen muss. Die beiden Bandleader aus Episode 3 existieren übrigens tatsächlich und spielen sich selbst: Arno und Alain Bashung sind erfolgreiche französischsprachige Pop-Barden. Und auch den Song "Gaby oh Gaby", um den sich ihr "Wer-hat's-erfunden?"-Streit dreht, gibt's tatsächlich.

J'ai toujours rêvé d'être un gangster greift Fragen auf, die uns andere Gangsterfilme bisher verheimlicht haben - aber bestimmt allen Nachwuchs-Kriminellen unter den Finger brennen. Beispielsweise diejenige, was man macht, wenn man einen Lösegeldanruf tätigen will und dann nur der Anrufbeantworter kommt. Und dadurch, dass nur eine der vier Episoden so etwas wie aufgelöst wird, darf sich der Zuschauer den Ausgang der anderen drei selbst ausmalen. So ist nach dem kurzweiligen, amüsanten Filmgenuss auch gleich noch für etwas Diskussionsstoff gesorgt.

Die DVD vermag der Brillanz des Filmes leider nicht das Wasser zu reichen. Für das grobkörnige Bild kann sie zwar nicht viel, liegt das doch in der Natur des Filmes. Der ausgezeichnete Soundtrack erklingt in zeitgemässem Dolby Digital 5.1, allerdings beschränkt sich die Sprachspur auf Französisch mit deutschen Untertiteln. Nichts für Synchro-Freaks also. Bezüglich Bonusmaterial gibt's neben dem obligaten Trailer lediglich ein rund 24-minütiges Making-of, das einige interessante Einblicke in den Filmdreh bietet. Allerdings nur für den ausreichend Französischkundigen, denn das teilweise schnelle Sprechtempo des Regisseurs ist im nicht untertitelten Film-hinter-dem-Film nicht immer einfach zu verstehen. Nach weiteren Features sucht man vergebens - dabei hätte doch beispielsweise gerade das Video zu oben genanntem "Gaby oh Gaby" eigentlich ganz ausgezeichnet gepasst.

5.0 Sterne 2.8 Sterne
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02.06.2009 / th (Inhalt), ebe (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 20.04.2009

  • Bildformat: Standard 1.33:1 (4:3)
  • Sprachen: Französisch (DD 5.1), Französisch (DD 2.0 Stereo)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Making-of; Trailer