Into the Wild (2007)

In die Wildnis - Allein nach Alaska

Into the Wild (2007) In die Wildnis - Allein nach Alaska

Oder: Mit dem Zelt nach Alaska

Into the Wild

"Coole Wohnung, danke für den Tipp!"

Mit Bestnoten schliesst der 22-jährige Christopher McCandless (Emile Hirsch) das College ab und hat die Aussicht, an der renommierten Elite-Uni Harvard angenommen zu werden. Eine viel versprechende Zukunft also, die auf ihn wartet. Doch schon bei der Abschlussfeier ist die Stimmung zwischen ihm und seinen konservativen Eltern (William Hurt, Marcia Gay Harden) gereizt. Sie wollen ihm seine alte Rostlaube durch ein neueres Auto ersetzen, er hingegen macht deutlich, dass er gar nichts will. Kurz nach der Abreise seiner Familie bereitet sich Christopher auf das vor, was er aus den Romanen Jack Londons, Tolstois und Pasternaks kennt: Das Finden seiner selbst durch das Zurücklassen seiner bisherigen Identität, die geprägt von Lügen, Streit und Täuschung innerhalb der Familie war. Er zerschneidet Kreditkarten, spendet seine Ersparnisse und macht sich nur mit seinem Rucksack und dem Notwendigsten auf den Weg ins Nirgendwo.

Er kennt nur sein Ziel, Alaska, die menschenverlassene Wildnis. Um dahin zu gelangen, trampt er ohne einen Cent in der Tasche, bewaffnet nur mit seiner Idee, all die kapitalverseuchten und seelenlosen Menschen hinter sich zu lassen, um die Wahrheit des Lebens zu finden. Auf seinem Weg quer durch die USA lernt er, inzwischen unter dem Namen Alexander Supertramp reisend, unterschiedlichste Menschen wie das Hippie-Pärchen Rainey und Jan (Brian Dierker, Catherine Keener) kennen, die mit ihrem bunt bemalten Bus unterwegs sind. Vor allem in Jan, die eine reine und spirituelle Art besitzt, findet Christopher alias Alex eine Freundin, die seine Motivation versteht.

Into the Wild

"Ich bin ein Promi, holt mich hier raus!"

Um sich auch die richtige Ausrüstung für das Trampen nach Alaska leisten zu können, arbeitet er zeitweise bei Burger King oder auf den Getreidefeldern des Farmers Wayne (Vince Vaughn), der die Beweggründe des Jungen versteht, ihn aber auch auf die Gefahren hinweist. Weiter geht's mit dem Kanu über den Colorado River bis nach Mexiko, zu Fuss durch das nächtliche und von Obdachlosen bevölkerte Los Angeles, bis er alten Bekannten wieder begegnet, bevor er endgültig Richtung Alaska zieht. Dort in der Wildnis angekommen, findet er einen ausrangierten Bus, in dem er die folgenden Wochen verbringen wird, um sich selbst zu finden. Doch das wilde, einsame Leben fordert Tribut und liefert tödliche Gefahren.


Kinofilm-Rating

Into the Wild ist nicht bloss ein Abenteuerfilm, obwohl er sicher dessen Dramaturgie, der Inszenierung der Landschaft und deren Gefahren bedient und aufzeigt. Doch wo das gewöhnliche Adventure durch das Aufprallen der Zivilisation und der Natur seinen Reiz bezieht, versucht dieser Film gerade durch die Entscheidung des Helden, die Zivilisation hinter sich zu lassen, um in der reinen Natur sich selbst zu werden, diese zwei Elemente zu verbinden. Dies gelingt ihm in einer famosen Weise.

Obwohl nicht jedermann die radikale Entscheidung des Protagonisten - dem Bruch mit seiner Vergangenheit, das Aufgeben seiner Existenz - nachvollziehen kann, verkörpert der bei uns eher unbekannte und zuletzt in Alpha Dog gesehene Emile Hirsch den Aussteiger Christopher mit einer unglaublichen Reife und optimistischen Ausstrahlung, was es dem Zuschauer erleichtert, ihm diese Entscheidung abzunehmen, so, dass er sogar mitfiebert, dass der Junge in seiner Isolation das finden möge, was ihn antreibt. Unterstützt wird Hirsch durch ein vielseitiges Schauspielensemble, bei dem vor allem Catherine Keener, die junge Kristen Stewart und Hal Holbrook in einer bemerkenswerten Altersrolle als Rentner Mr. Franz herausstechen. Wenn Holbrook nach langem Zögern den jungen Idealisten mit einer bemerkenswerten Geste am Gehen hindern will, wird wohl mancher Zuschauer feuchte Augen bekommen.

Begleitet von einem tollen Soundtrack von Eddie Vedder, dem Sänger und Texter der amerikanischen Musikgruppe Pearl Jam, fliesst der Film ähnlich wie der Colorado River im Film: mal wild und stürmisch, mal ruhig und sanft. Die Inszenierung wirkt deshalb frisch und unbekümmert, obwohl Into the Wild mit 140 Minuten Laufzeit einen Tick zu lang geraten ist.

Regisseur und Schauspieler Sean Penn, ein ähnlicher Rebell und Idealist, muss im Roman von Jon Krakauer, welcher auf dem Leben des richtigen Christopher McCandless basiert, einen Stoff gefunden haben, in welchem er sich wieder erkannt hat. Dies ist dem Film auch anzumerken. Er blendet bewusst die Gefahren aus, die sich dem Jungen entgegenstellen und blickt einseitig und auch ein wenig belehrend auf die Zurückgelassenen oder jene, welche Christopher auf seinem Weg trifft. In diesen Szenen wirkt der Tramper ein wenig zu idealistisch. Einer, der sich nicht vom Begehen des Weges abbringen lässt, was die anderen nicht verstehen können oder nicht wollen.

Dies ist jedoch nicht störend, im Gegenteil, es ermöglicht dem Film, klar Position zu beziehen. Into the Wild fasziniert und unterhält, regt zum Denken über die eigene Existenz an und erinnert uns, auch durch die Tatsache, dass hier eine wahre Geschichte verfilmt worden ist, dass es solche mutige Leute gibt, die sich trotz gesellschaftlicher Konventionen treu bleiben und sich auf ihrem Lebensweg nicht beirren lassen, auch wenn man dabei alles zurücklassen muss, um sich selbst zu werden.

5.2 Sterne
5.2 Sterne (109 Bewertungen) | 17 Kommentare

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20.01.2008 / hut