Il y a longtemps que je t'aime (2007)

So viele Jahre liebe ich dich

Il y a longtemps que je t'aime (2007) So viele Jahre liebe ich dich

Oder: Zwei Schwestern am reconnecten

Il y a longtemps que je t'aime

Glückshormone dank Nikotin

Nach 15 Jahren Gefängnis wird Juliette (Kristin Scott Thomas) aus der Haftanstalt entlassen. Die gesamte Zeit hatte sie keinen Kontakt zu ihrer Familie, und doch wird sie von ihrer jüngeren Schwester Léa (Elsa Zylberstein) abgeholt, bei der sie verweilen kann bis sie den Wiedereinstieg ins Zivilleben findet. Die lange Zeit im Gefängnis hat Juliette verändert. Sie bringt nur mit Mühe ein Lächeln über die Lippen und muss bald feststellen, dass sie ihrer Schwester komplett fremd ist.

Léa ist seit fast zehn Jahren mit Luc (Serge Hazanavicius) verheiratet und die beiden haben zwei vietnamesiche Töchter adoptiert. Im Gegensatz zu Luc finden diese ihre neue Tante toll, doch selbst mit deren kindlicher Herzlichkeit hat Juliette Mühe, ihre Verschlossenheit preis zu geben. Das Haus der Famile ist jedoch gross genug, so dass sich Juliette auch zurückziehen kann wenn es ihr zuviel wird.

Il y a longtemps que je t'aime

Dreiäugige Baby sind natürlich sehenswert.

Juliette verbringt ihre ersten Tage mit Jobsuche, was als Ex-Häftling natürlich nicht so einfach ist. Da sie sich regelmässig bei der Polizei melden muss, macht sie Bekanntschaft mit einem Polizeibeamten. Dieser ist eine gute Seele, welche es vorzieht über Wälder, Natur und Gewässer zu diskutieren, und der es fast peinlich ist, Juliette den Stempel auf ihr Kontrollformular zu drücken. Über den Grund wieso Juliette überhaupt im Gefängnis war reden die beiden Schwestern selten, und doch liegt das Thema heiss in der Luft, weil Léa das Motiv ihrer Schwester nie verstanden hat.

So vergehen die Tage, und Juliette beginnt sich immer mehr in das Leben von Léa zu integrieren, nicht zuletzt auch mit Hilfe des Freundeskreises von Léa. Diese nimmt Juliettes Entwicklung sehr positiv auf, und beginnt bald festzustellen, wie sehr ihr ihre Schwester doch gefehlt hat die ganzen Jahre. Doch eines Tages kann es sich Léa nicht verkneifen, Juliette auf die Gründe ihres Verbrechens anzusprechen...


Kinofilm-Rating

Für ein Drama ist dieser Film erstaunlich ruhig gehalten. Erwartet man eine Kehrtwende oder gar ein neues einschneidendes Ereignis, ist man mit Il y a longtemps que je t'aime im falschen Film. Was diesen Streifen ausmacht ist die Entwicklung der Protagonistin, welche sich mit anfänglich leerem Blick und tiefen Augenhöhlen daran macht, die ersten Schritte im neuen Leben zu lernen.

Der französische Schriftsteller Philippe Claudel erzählt in seinem Erstlingswerk die Geschichte des Neuanfangs einer Frau, die perfekt von Kristin Scott Thomas verkörpert wird. Man spürt förmlich das Schicksal, das auf Juliette lastet, das totale Desinteresse ihrer Umwelt und die befremdete Beziehung zu ihrer Schwester. Aber auch Elsa Zylberstein als Léa schafft es, ihr Familienglück und den folgenden Zwiespalt der beiden Welten glaubhaft umzusetzen. Überhaupt sind die beiden ein fantastisches Duo, rein äusserlich könnten sie schon Schwestern sein. Dazu kommen unzählige minimalistische Gesten, welche anfangs die nicht mehr vorhandene Intimität zum Ausdruck bringen, bis sie später die errungene Annäherung beschreiben.

Der einzige Wehrmutstropfen ist die auf dem Silbertablett präsentierte Auflösung von Juliettes Vergangenheit. Dies nimmt ihr die Faszination an dem dunklen Geheimnis, welches der Figur ihre Tiefe gegeben hat. Manchmal will der Zuschauer eben gar nicht wissen, woran er genau ist.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (9 Bewertungen) | 2 Kommentare

4.54.5
17.02.2008 / neh