I was a Swiss Banker (2007)

I was a Swiss Banker (2007)

Oder: Die Schweiz: Ein Sommermärchen

I was a Swiss Banker

Schlechter Empfang

Roger Caviezel (Beat Marti) ist jung, gutaussehend und ein Banker. Als solcher schmuggelt er das Schwarzgeld seiner Kunden über die Grenzen. Als er eines Tages von einem Zöllner kontrolliert wird und der Schmuggel aufzufliegen droht, verliert er die Nerven und drückt aufs Gaspedal. Auf der Flucht vor den Zöllnern rettet er sich mit einem Sprung in den Bodensee, ausgerüstet nur mit Hemd, Unterhosen - und seiner Tasche voller Schwarzgeld.

I was a Swiss Banker

Grosi backt den besten Kuchen

Im Wasser eingetaucht, treibt es Roger in eine neue, fantastische Welt fernab von Banken und Schwarzgeld. Dabei trifft er auf die Hexe Heli (Anne-Grethe Bjarup Riis), welche an seinen Fähigkeiten als Liebender zweifelt. Er schliesst mit ihr eine Wette ab: in höchstens drei Versuchen muss es ihm gelingen, seine wahre, erwiderte und langfristige Liebe zu finden. Ansonsten gehört er ihr. Roger nimmt die Wette an und ist siegesgewiss - schliesslich ist er ja kein "Pflock".


Kinofilm-Rating

Man lasse sich vom Titel nicht in die Irre führen: Um Banken geht es gerade mal in den ersten paar Minuten des Filmes - danach ist er von der Finanzwelt ungefähr so weit entfernt wie Berlin, wo der Film 2007 in der Berlinale-Sektion "Panorama" uraufgeführt wurde, vom beschaulichen Einsiedeln, einem Schauplatz unter vielen von Rogers Reise.

Thomas Imbach inszeniert seinen Film als einen, wie er selbst sagt, leichten Sommerfilm und sieht darin das Gegenstück zum winterlichen, thematisch schweren Vorgänger Lenz. Bei I Was A Swiss Banker stehen die Landschaften der Schweiz im Zentrum. Rogers Odyssee durch die Schweiz führt ihn von Bodensee via diverse andere Schweizer Seen bis zum Genfersee. Die Geschichte funktioniert dabei als Märchen mit einer Hexe, mit einer Seejungfrau und vielen weiteren schönen jungen Frauen, die seltsamerweise allesamt der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

Überhaupt: An der Berlinale 2007 gab es wohl wenig Filme mit einer grösseren Sprachvielfalt als I Was A Swiss Banker: offizielle Originalsprachen gemäss Presseheft sind Englisch, Schweizerdeutsch, Schwedisch, Dänisch, Rätoromanisch und Türkisch. Auch Italienisch und Französisch wird zudem zwischendurch gesprochen. Das muntere Sprachengemisch ist manchmal etwas verwirrend - wie auch der Rest des Filmes, der so schön übersichtlich mit dem jungen, geschleckten Banker im Porsche beginnt und dann ins Fantastische und Surreale abdriftet. Ein Vorteil an dieser Form ist sicherlich, dass keine Story notwendig ist, die bis ins Detail aufgeht: in einer fantastischen Welt kann schliesslich alles geschehen. Allfällige unlogische Aspekte der Geschichte sind so nicht nur egal, sondern sogar willkommen. I Was A Swiss Banker mutet manchmal dennoch etwas gar sprunghaft und willkürlich an. Trotzdem ist es ein schöner Film mit schönen Bildern, ebenso schönen Menschen und einem noch viel schöneren Vor- und Abspann. Eine kecke Behauptung darf man getrost in den Raum stellen: Was immer man vom Film sonst hält, zumindest hat er den schönsten Vor- und Abspann der Schweizer Filmgeschichte zu bieten. Dahinter stecken übrigens erst zwei erst 22-jährige Studenten. Bravo!

Die Quintessenz des Filmes lautet: Manchmal muss man loslassen, um etwas zu kriegen, das man wirklich will. Illustriert wird das Ganze durch den omnipräsenten Sack voll Geld, den Roger anfänglich immer mit sich trägt. Die Schlussfolgerung mag wohl etwas stark an Ratgeberliteratur-Psychologie erinnern (das berühmte LoLa-Prinzip lässt grüssen). Was soll's. Den Anspruch, ein leichter Sommerfilm zu sein, erfüllt Imbachs Werk bestens. Selbst im tiefen Berliner Winter.

3.9 Sterne
3.9 Sterne (21 Bewertungen) | 6 Kommentare

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15.02.2007 / ebe