I Am Legend (2007)

I Am Legend (2007)

Oder: Den letzten beissen die Zombies

I Am Legend

Keine Happy Meals im McDrive?
Muss das wirklich sein?

Die Megametropole New York kannte in der Filmgeschichte schon so manches einsames Herz, aber keiner fühlte sich wohl so im Stich gelassen wie Robert Neville (Will Smith). Der Militärarzt ist der letzte Mensch auf Erden, der sich nun mit der Musik von Bob Marley durch die Krise hangelt. Zusammen mit seiner Schäferhündin Sam vertreibt er sich die Zeit beim Rehe jagen in den verlassenen Strassenschluchten von Manhattan und schaut sich die Shrek-DVD in der Endlosschlaufe an. Sein Tagesablauf ist höchst strukturiert. Eine ganze Menge Fitness gehört genauso dazu, wie das generalstabsmässig geplante Durchstöbern der Stadt nach Essbarem. Und immer wenn die Sonne am höchsten steht, findet sich der Doktor am Südzipfel der Insel ein, und wartet, dass da ein anderer Mensch seinen konstant gesendeten Kurzwellen-Loop mit Lebenszeichen aufgeschnappt hat.

Zwei Dinge unterscheiden Robert Neville jedoch vom herkömmlich einsam Gestrandeten auf der verlassenen Insel. Im Keller seiner Wohnung steht ein hochmodernes Forschungslabor, das immer noch täglich seinen Zweck erfüllt und in der Nacht verbarrikadiert er sich gründlicher als die Bewohner der Zürcher Langstrasse vor dem 1. Mai. Denn so ganz allein, wie es am Anfang den Anschein macht, ist er nicht: Finstere Gestalten mit UV-Phobie machen des Nachts die Welt zu einem ungemütlichen Platz.


Kinofilm-Rating

Den Superstarstatus gefestigt hat ein Hollywoodschauspieler, wenn er einen Film ganz alleine tragen darf. Will Smith segelt mit seinen Dumbo-Ohren langsam aber stetig auf der Höhe von Tom Cruise oder Tom Hanks. Sein Name steht alleine über dem Titel, und die Nebendarsteller rekrutieren sich alle aus der zweiten Liga. Wie der letztgenannte in Cast Away liefert Smith in I am Legend zum grossen Teil ein One-Man-Show, die man sich auch als Stummfilm hätte vorstellen können. Statt eines Volleyballs hat er einfach eine Schaufensterpuppe, die in der Pornoabteilung einer Videothek steht, als imaginäre Freundin. Dabei ist vieles absurd, wie es sich für eine Science Fiction Story gehört (Der Film basiert lose auf Richard Mathesons), nicht gerade bahnbrechend neu (es stürchelte ja auch schon Cillian Murphy durch ein menschenleeres London) und bei den Special Effects wurde ein bisschen arg gespart (Stichwort: Turbo-Rehe und Möchtegern-Zombies).

Doch je weniger man von der Handlung weiss, desto mehr Spass macht der Film. Es ist einer der Streifen, die man sich am besten von aller Handlungskenntnis unbefleckt anschaut, um den grössten Nutzen daraus zu ziehen. Nur dann gibt es so einiges zu entdecken, wenn der Wow-Effekt über die mit Gras überwachsene New Yorker Innenstadt erstmal verpufft ist. Man schaut dem Supersympath Will Smith einfach gerne zu und auch aktive Hundehasser werden ihr Herz zumindest teilweise an die Schäferhündin Samantha verlieren. Ganz frei von Kitsch schafft's Will Smith aber auch diesmal nicht. Es hat aber weniger mit dem Nachwuchs aus dem Hause Pinkett-Smith zu tun (nach dem Brüderchen aus The Pursuit of Happyness durfte sich Schwesterherz Willow Smith eine Nebenrolle schnappen) sondern mit einem allzu spirituellen Ende, das nicht nur Raum für eine bereits angedrohte Direkt-to-DVD-Fortsetzung lässt, sondern auch etwas zuviel Heilandmythos in einen ansonsten packenden Film packt.

3.9 Sterne
3.9 Sterne (206 Bewertungen) | 74 Kommentare

4.54.5
05.01.2008 / rm