The Hunting Party (2007)

Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird

The Hunting Party (2007) Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird

Oder: Fuchsjagd in Bosnien

Simon Hunt (Richard Gere) ist als Kriegsreporter in den gefährlichsten Gebieten der Welt unterwegs. Er ist der Beste auf seinem Gebiet: zusammen mit seinem Kameramann Duck (Terrence Howard) fängt er horrible Kriegsgräuel ein und hat dafür schon etliche Emmy-Preise eingeheimst. Bis er 1994 in einer Liveschaltung aus dem Bosnienkrieg völlig entgleist: offensichtlich angetrunken beschimpft er den Moderator und die Zuschauer. Das bedeutet das Ende seiner erfolgreichen Karriere.

The Hunting Party

Run, Richie, run...

Sechs Jahre später: Duck ist mittlerweilen Kameramann des populärsten TV-Anchormans im Land und geniesst die Vorzüge seines prestigeträchtigen Jobs. Eines Tages reist er mit seinem Chef und dem jungen Assistenten Benjamin (Jesse Eisenberg) für eine Übertragung nach Bosnien, wo der Krieg mittlerweilen vorbei ist. Dort trifft er den abgehalfterten Simon Hunt wieder. Dieser muss mittlerweilen seine Berichte an das Staatsfernsehen von Jamaica, Peru oder Polen verscherbeln.

Doch Hunt hat ein Ass im Ärmel: Er weiss, wo sich der gesuchte Kriegsverbrecher "The Fox" (Ljubomir Kerekes) aufhält, auf den ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt ist. Ein weltexklusives Interview würde Hunts angeschlagene Karriere wieder in Fahrt bringen. Er überredet Duck und Benjamin, sich auf die Suche nach dem gefürchteten Mann zu machen. Was die beiden nicht ahnen, ist, dass Hunt noch von anderen Motiven getrieben wird als nur vom journalistischen Instinkt nach einer heissen Story...


Film-Rating

Die Kriegsverbrecher Radovan Karadžic und Ratko Mladic, die unter anderem für das grausame Massaker von Srebrenica verantwortlich sind, werden seit Ende des Jugoslavienkrieges vor über zehn Jahren international gesucht. Trotz einer Anklage des Haager Tribunals unter Carla Del Ponte sind die beiden auch heute noch auf freiem Fuss. Auch heute noch sollen sie sich in ihrer Heimat versteckt halten, wo sie von vielen Leuten noch immer als Helden verehrt werden. Gerüchteweise besteht ein geheimes Abkommen mit der CIA, das die beiden vor Verhaftungen schützen soll.

Auf diese Hypothese stützt sich auch The Hunting Party, der auf einem im Jahr 2000 in "Esquire" erschienen Artikel von Scott Anderson beruhende Film. Er nimmt sich dabei die Freiheit, die Geschichte mit fiktionalen Elementen anzureichern, gemahnt aber im Vor- und Nachspann daran, dass die entscheidenden Fakten nicht erfunden sind. Die erschreckende Authenzität der Ereignisse, die sich vor rund zehn Jahren wenige hundert Kilometer vor unserer Haustür abgespielt haben, ist der grösste Trumpf dieses politischen Actionthrillers. Eindrücklich und beängstigend sind vor allem die Szenen, in denen die Gruppe das Terrain des Feindes, die Heimat des Kriegsverbrechers, erkundet und dabei auf feindselige Blicke, eisiges Schweigen und unverhohlene Drohungen stösst.

Auf die Hollywoodschen Elemente, die reinzuflicken der Regisseur offenbar für nötig gehalten hat, hätte dabei getrost verzichtet werden können. Ich spreche da in erster Linie von der obligaten Liebesgeschichte, ohne die es offenbar einfach nicht geht. Sie ist so offensichtlich der Feder eines routinierten Drehbuchautors entsprungen mit dem Ziel, es etwas mehr menscheln zu lassen, dass sie einfach nur ärgerlich und im Filmkontext völlig deplatziert ist. Die Fakten sprechen für sich. Weniger sentimentales Geschmier bitte, kann man da nur sagen. Ein Film, der sich eine solch wichtige Mission auf die Fahne geschrieben hat, hat solches nicht nötig.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.04

 

04.09.2007 / ebe

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