Hello Goodbye (2007)

Hello Goodbye (2007)

Oder: Das lange Warten auf den Tod

Hello Goodbye

Wer holt den Nussknacker?

Michael Berger (Stefan Gubser) hat mit dem Leben abgeschlossen. Seine Einrichtungsgegenstände stapeln sich in Bananenschachteln, die darauf warten, vom Brockenhaus abgeholt zu werden. Das Zeitungsabo ist gekündigt. Der Strom wird bald gekappt. Sein Hausarzt hat ihm etwas verschrieben, das den Tod herbeiführen soll. Am Krebs dahinsiechen will Michael nicht.

Melina (Mona Petri), die Tochter, ist seine allerletzte Bezugsperson. Sie bleibt trotz allem fröhlich, hat One-Night-Stands und möchte schwanger werden. Dem Vater kocht sie gerne mal Lasagna. Früher haben die beiden noch gejasst. Jetzt bereiten sie sich zusammen auf den bevorstehenden Abschied für immer vor.


DVD-Rating

Ein Film über einen bewusst gewählten Tod und dessen Begleitung. Das klingt schwermütig und kann sicher schnell ins Kitschige abdriften. Dem Regisseur Stefan Jäger ist es gelungen, diese Klippe erfolgreich zu umschiffen. In einem eindrücklichen Kammerspiel wird die Geschichte von den beiden Hauptdarstellern Stefan Gubser und Mona Petri erzählt, immer dicht gefolgt von der Kamera. Das ganze vermischt sich dabei zu einem seltsamen Mix aus hartem Licht, Unschärfe und extremen Nahaufnahmen der Gesichter. Das visuelle 6-Punkte-Konzept des Films unterstreicht so die hochkochenden Gefühle und reisst den Zuschauer richtiggehend in die Geschichte.

Kalt lässt einen dieser Film ganz bestimmt nicht. Dazu tragen auch die immer wieder eingestreuten, absurd-komischen Momente bei. Wenn der Vater sich etwas Sirup für das bittere Gift wünscht. Oder wenn er schon beduselt durch das Gift in Unterhose erscheint, erklärt, er müsse zur Arbeit und entdeckt, dass er seine Krawatte nicht trägt. Diese Momente sind es, die den Film wieder erträglich machen, die einen nochmal einige Minuten durchhalten lassen, wenn es zu traurig wird. Und diese Aufmunterungen braucht man wirklich, denn das Sterben zieht sich in die Länge. Dabei wird aber darauf verzichtet, den Akt des Suizid oder der Sterbehilfe zu bewerten. Er erzählt lediglich ein persönliches Schicksal. Da bereits seit einiger Zeit das Thema Sterbehilfe kontrovers diskutiert wird, ist dies sicher kein schlechter Zug, hält aber natürlich nicht von entsprechenden Diskussionen ab.

Wer übrigens die Jungs im Plattenladen nicht erkannt hat: Es handelt sich um die Mitglieder der Schweizer Band "Lovebugs". Und wenn wir schon bei der Musik sind, der Titelsong als Videoclip darf natürlich nicht fehlen. Die Tochter von Stefan Gubser, Stefanie Gubser hat ihn geschaffen. Wunderschön fängt er das eigentliche Thema des Filmes ein, das Loslassen.

Den am Film Beteiligten muss die Arbeit nahe gegangen sein. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man sie im Making-of von den Dreharbeiten erzählen hört. Das Engagement war gross, Gubser und Petri haben nicht nur an der Entwicklung des Drehbuchs massgeblich mitgewirkt, Stefan Gubser hat sogar sein Haus als Drehort zur Verfügung gestellt. Leider sind die Extras insgesamt etwas mager ausgefallen, nur noch der Trailer ist auf der DVD zu finden.

Fazit: Dies ist einer der eindrücklichsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Wer sich darauf einlassen kann, wird in den 80 Minuten eine emotionale Berg- und Talfahrt mitmachen. Vielleicht wird er für einige Menschen auch zu heftig sein. Kalt lassen sollte er aber niemanden.

4.4 Sterne 3.2 Sterne
4.4 Sterne (8 Bewertungen) | 0 Kommentare

5.55.5
22.05.2008 / rm (Inhalt), nwe (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 23.04.2006

  • Bildformat: 4:3 (letterbox)
  • Sprachen: Dialekt (DD 5.1 / DD 2.0)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Extras: Making Of, Videoclip, Trailer