Heimatklänge (2007)

Heimatklänge (2007)

Oder: Jodeln rocks!

Heimatklänge

Im Turnen als letzter gewählt?

Der Dokumentarfilm von Stefan Schwietert portraitiert drei Schweizer Musiker, die sich auf Grundlage des klassischen Jodelns eine neue, ganz eigene musikalische Sprache erschaffen haben.

Erika Stucky hat als Kind von Schweizer Eltern die ersten acht Jahre ihres Lebens in den USA verbracht und ist dann mit ihrer Familie ins Walliser Dörfchen Mörel gezogen. Die Vokalistin pendelt mit ihren unkonventionellen Gesangsstücken zwischen amerikanischer und Walliser Kultur.

Heimatklänge

Leasingvertragprobleme?

Noldi Alder stammt aus einer bekannten Appenzeller Volksmusikdynastie und feierte zusammen mit seinen Brüdern als die "Alder Buebe" national grosse Erfolge. Nach einem Studium der klassischen Musik und der Violine reichte ihm die Begrenztheit der traditionellen Volksmusik nicht mehr aus. Seit 15 Jahren entwickelt er diese, insbesondere den traditionellen Naturjodel, auf eine neue Ebene weiter.

Christian Zehnder schliesslich, gelernter Stimmpädagoge, konnte mit seinem eigenwilligen Umgang mit dem Obertongesang wesentliche neue Impulse in dieser Gesangsform bringen. Zusammen mit dem Bläser Balthasar Streiff bildet er das Duo "Stimmhorn", realisiert Soloprojekte und arbeitet in verschiedenen weiteren Musikformationen.


Kinofilm-Rating

Stefan Schwietert hat sich durch seine Musik-Dokumentarfilme wie Accordion Tribe oder A Tickle In The Heart einen Namen geschaffen als Erforscher neuer, ungewohnter Klangwelten. Nachdem Accordion Tribe fünf Akkordeonisten und Akkordeonistinnen aus verschiedensten Ländern portraitierte, begibt sich Schwietert nun - der Filmtitel verrät es - in heimatlichere Gefilde: Im Zentrum von Heimatklänge steht das Jodeln, diese oft belächelte helvetische Gesangsform, die aber in den letzten Jahren auch unter jüngeren Generationen ein kleines Revival erlebt hat. Man denke so nur an das mit viel Brimborium abgehaltene Schweizer Jodlerfest 2005.

Trotzdem ist und bleibt das Jodeln vielen "modernen" Schweizern suspekt. Dies liegt wohl vor allem an den Assoziationen zu Sennenkäppi und Hudigäägeler, mit denen sich nur die Wenigsten hierzulande recht identifizieren können. Heimatklänge zeigt nun, was Jodeln auch sein kann: eine Gesangsform, die eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten beinhaltet. In einer beeindruckenden Vielseitigkeit demonstrieren die drei Musiker, welch spannendes musikalisches Potenzial auch in unserer ureigenen Musik liegt.

Es ist ein interessantes Phänomen, dass sich die meisten Schweizer für ihre eigene Volksmusik schämen und statt dessen ihren musikalischen Horizont oftmals mit fremden Klängen aus anderen Kontinenten erweitern. Es ist Stefan Schwieterts Verdienst, diesem Phänomen zumindest ansatzweise entgegenzuwirken, indem er die Musik der drei Künstler in hervorragender Weise einfängt. So vermag der Film auch musikalisch Interessierte, die mit Jodeln wenig bis nichts am Hut haben, zu begeistern. Dies macht den Film, der an der Berlinale 2007 im Spezialwettbewerb "Forum" lief, zu einem kleinen Juwel und einem der Geheimtipps des Festivals. Dafür haben er und natürlich die drei Musiker einen dicken Applaus verdient.

4.6 Sterne
4.6 Sterne (10 Bewertungen) | 1 Kommentar

5.5 Sterne5.5 von 0.0-6.0
13.02.2007 / ebe