The Heartbreak Kid (2007)
Nach 7 Tagen ausgeflittert
The Heartbreak Kid (2007) Nach 7 Tagen ausgeflittert
Oder: Along came Miranda
Obwohl Eddie (Ben Stiller) schon länger im heiratsfähigen Alter wäre, ist der 40-jährige Sportartikelverkäufer ein Langzeitsingle. Das missfällt sowohl seinem Vater als auch seinem besten Kumpel. Als Eddie an der Hochzeit seiner Ex vom Wedding Planer an den Kindertisch gesetzt wird, will er den ständigen Demütigungen ein Ende setzen und findet in der attraktiven Lila (Malin Akerman doch noch die vermeintlich richtige Partie.
Die urplötzlich geheiratete Traumfrau entwickelt sich aber schon auf dem Weg in die Flitterwochen zum an den Nerven sägenden Teufelsweib. Dümmer als die Polizei erlaubt, will sie ständig Sex in akrobatischen Positionen, und scheint dem Alkohol nicht abgeneigt. Während Eddie sich noch wundert, auf was er sich da eingelassen hat, läuft ihm bald schon die nächste Traumfrau über den Weg: Miranda (Michelle Monaghan), eine nette Südstaatlerin auf einem Familienausflug. So verliebt sich Eddie noch in der ersten Woche seiner Hochzeitsreise in eine andere Frau. Und da seine Gattin mit einem Sonnenbrand ans Zimmer gebunden ist, hat er genügend Zeit, seiner neuen Flamme den Hof zu machen.
Kinofilm-Rating
Ben Stiller ist nicht der lustigste Typ innerhalb des Frat Pack - diese Ehre gehört Will Ferrell - aber sicher der bekannteste des ulkigen Männerbundes. Der kleinwüchsige Quadratschädel polarisiert ganz schön. Es gibt nicht wenige OutNow.CH-User, die im Forum ihren Hass auf ihn offen kund tun. Dabei tut man ihm teilweise unrecht. Denn der Mann ist ausgesprochen vielseitig. Als satirische Karikatur kann er extrem witzig sein (Siehe Dodgeball, Zoolander, Starsky & Hutch). Reality Bites, seine erste Regiearbeit, war eine herausragende Zeitgeistkomödie. Wenn er aber den All-American Guy von nebenan spielen muss, geht es meist in die Hose (Siehe Meet the Parents, Along came Polly und - ganz schlimm - sein letzter A Night at the Museum, ein Kinderfilm der üblen Sorte.) Keeping the Faith ist die wunderbare Ausnahme, welche diese Regel bestätigt.
Die Rolle des Normalos, der immer wieder ins Fettnäpfchen tritt, verpassten ihm Bobby und Peter Ferelly zum ersten Mal von knapp zehn Jahren im Megahit There's something about Mary. Die Komödie ebnete Stillers Weg zum Superstar. In The Heartbreak Kid arbeitet er nun zum ersten Mal wieder mit dem Brüderpaar zusammen. Beide steuern ihre Trademarks zum grossen Ganzen bei. Der Schauspieler liefert seine gischpelige Ben Stiller Show ab (z. B. wenn ihm die Mariachis auf den Sack gehen). Die Regisseure fügen vulgäre Komik (ein Toupée im Schamhaarbereich) und den liebevollen Umgang mit allerlei Behinderungen ein (nach der Schizophrenie in Me, Myself and Irene oder den Siamesischen Zwillingen aus Stuck on you ist es diesmal eine weniger drastische Septumdeviation). Da Ben Stiller mittlerweile ein Superstar ist, kann er dabei seinem Papi eine Nebenrolle zuschanzen (Jerry Stiller spielt einen sexsüchtigen Senior), und er darf die Shirts seines Kumpels Jack Johnson tragen. Die Frauen im Film sind aufstrebende Talente. Malin Akerman, ein kanadisches Model mit schwedischen Wurzeln, was ihre überraschende Freizügigkeit im Film erklärt, ist eine genauso quirlige Ulknudel, die sich gerne zum Deppen macht, wie damals Cameron Diaz. Michelle Monaghan sorgt als bodenständige Southern Belle mal wieder für schmelzende Männerherzen.
So entsteht dann eine "turbulente Verwechslungskömodie", wie man es wohl dann auf der DVD-Hülle umschreiben wird. Leider wurden die Farrelly-Brüder in Sachen Komik mittlerweile von einem Herrn namens Judd Apatow mehr als nur eingeholt. Man muss dem Film aber zugute halten, dass der Trailer, der wieder mal sehr detailiert ist, trotzdem nicht alles verrät. Es passiert gegen Ende genug, um die Binsenwahrheit "Drum prüfe, wer sich ewig bindet" nochmals zu festigen. Die Story ist übrigens ein Remake eines gleichnamigen Films mit Cybill Shepherd und Charles Grodin aus dem Jahre 1972. Wesentliches wie ein ganz fieser Sonnenbrand scheint dabei übernommen worden zu sein. Sogar bei der Übersetzung zum deutschen Verleihtitel hielt man sich an die Tradition. Was in den 70er Jahren noch "Pferdewechsel in der Hochzeitsnacht" wurde, heisst heute "Nach Sieben Tagen - ausgeflittert". Nämlich dämlich müssen sie sein!
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