Hallam Foe (2007)
Hallam Foe: This Is My Story
Hallam Foe (2007) Hallam Foe: This Is My Story
Oder: Über den Dächern von Edinburgh
Der Bonzensohn Hallam Foe (Jamie Bell) hat nach dem angeblichen Selbstmord seiner Mutter ein leicht gestörtes Verhältnis zum Vater und der Stiefmutter (Claire Forlani). Er vermutet einen Mord und eine Intrige - und er sucht nach Beweisen. Zum Trotz haust er in seinem Baumhaus und kommt gelegentlich auch mal mit einem ausgestopften Dachs auf dem Kopf zu Tisch. Nachdem die Schwester ins Auslandsjahr abgedüst ist und ihn die Stiefmamma zu einem Quicky verführt hat, bleibt ihm nur noch die Flucht nach Edinburgh.
In der Grossstadt trifft der kauzige junge Mann auf Kate (Sophia Myles), eine Personalfachfrau eines Hotels, die seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Er heuert in ihrer Luxusabsteige als Küchenhilfe an und verbringt seine Freizeit als Spanner: mit der blonden Chefin als Lieblingsopfer. Aus Hallams oedipaler Fantasie wird aber bald Wirklichkeit...
Kinofilm-Rating
Es kommt selten vor, dass ich mir einen Film an einem Festival gleich zweimal anschaue. Die schottische Tragikkömodie Hallam Foe hat sich den freigeschaufelten Platz im übervollen Berlinale-Filmkalender aber redlich verdient. Vom Cartoon im Vorspann bis zum unerwarteten Ende ein höchst vergnüglicher Film.
Jamie Bell gibt den Freak, der einen trotzdem ans Herz wächst. Eigentlich ein grober Fall für einen Psychoanalytiker und so verschupft, dass er auf den ersten Blick nur bedingt als Filmheld geeignet scheint, wird man im Verlauf zum unbedingten Fan. Sowohl von der Figur als auch dem Schauspieler, von dem mittlerweile Herren wie Peter Jackson und Clint Eastwood gemerkt haben, dass er mit seiner bekanntesten Figur Billy Elliot langsam aber sicher abgeschlossen hat.
Regisseur David Mackenzie, der schon immer ein Flair für sexy Filme hatte (Young Adam), entdüstert die Erotikszenen, für die er in der Vergangenheit bekannt wurde, und entpuppt sich stellenweise als frivoler Witzbold. Zum Beispiel wenn Hallam Foe den ersten Annäherungsversuchen der Personalchefin ausweicht, in dem er sich als schwul outet, und die sich am Hosenstall abzeichnende Erektion als Zeichen der Vorfreude auf einen möglichen Sprung auf der Karriereleiter deutet.
Hitchcock-Analogien von Vertigo bis Rear Window und ein prächtiger Britrock-Soundtrack - an der Berlinale mit einem Silbernen Bären prämiert - mit Songs von Franz Ferdinand, Clinic, Test Icicles und anderen Bands des Indie-Labels Domino Records erhöhen den Spassfaktor. Nicht zuletzt wird man in diesem undepressiven Problemfilm immer wieder überrascht durch unerwartete Wendungen. Eigentlich hat der Film nur einen Makel: Frauen scheinen nicht in der Lage, ihn zu mögen.
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4.6 Sterne (28 Bewertungen) | 10 Kommentare


